Formel 1

Lauda: Fürchterliche Situation - Van der Garde gegen Sauber: Entscheidung vertagt

Nächster Akt im Chaos rund um Sauber und Giedo van der Garde. Die Verhandlungen werden weiter aufgeschoben. Eine Einigung bahnt sich angeblich an.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Entscheidung vertagt: Die Gerichtsverhandlungen zwischen Giedo van der Garde und Sauber wurden nach einer weiteren Anhörung auf Samstagmorgen australischer Zeit verlegt. Die weitere Verschiebung wurde vom Victoria Supreme Court genehmigt, nachdem beide Parteien konstruktive Gespräche angekündigt hatten.

Diese würden allerdings bis zum Abend andauern. Die Anwälte der Sauber-Seite führten in der Verhandlung am Freitagmorgen an, dass sie mehr Zeit benötigen, weil es nicht möglich sei, sich mit Sauber-Teammanager Beat Zehnder auszutauschen.

Das Sauber-Drama bestimmt das Wochenende in Melbourne - Foto: Motorsport-Magazin.com

Team-Manager beschäftigt

Der Grund: Zehnder war zu diesem Zeitpunkt an der Rennstrecke mit dem 2. Training zum Australien Grand Prix beschäftigt. Nachdem der Schweizer Rennstall die 1. Session komplett ausgelassen hatte und beide Autos in der Garage geblieben waren, wurde das Team am Nachmittag aktiv. Felipe Nasr und Marcus Ericsson drehten erstmals ihre Runden im neuen Sauber-Boliden.

Nach der Verhandlung am Freitagmorgen und der genehmigten Verschiebung hielt das Gericht beide Parteien - also van der Garde und Sauber an - vernünftige Gespräche miteinander zu führen und eine Vereinbarung zu finden. Der nächste Gerichtstermin steht für Samstagmorgen, 09:30 Uhr Ortszeit (Deutschland: Freitagabend, 23:30 Uhr) an. Ob sich die beiden Seiten wirklich einigen können und was das für den weiteren Verlauf des Rennwochenendes bedeutet, ist aktuell unklar.

Es wurden nun gewisse Schritte gegen das Team eingeleitet, und wir agieren entsprechend.
Monisha Kaltenborn

Nach dem Ende des 2. Trainings nahm Teamchefin Monisha Kaltenborn an der FIA-Pressekonferenz teil, äußerte sich aber nicht zum laufenden Verfahren gegen das Team. Dass der Trouble negative Auswirklungen auf die sportliche Leistung der Mannschaft habe, bestätigte sie allerdings. "Das hat auf jeden Fall einen negativen Einfluss auf das Team, weil die Situation eine Weile lang unklar war", sagte sie. "Es wurden nun gewisse Schritte gegen das Team eingeleitet, und wir agieren entsprechend. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen."

Auf die Frage, ob ihre Position innerhalb des Teams zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr vertretbar sei, antwortete Kaltenborn: "Das habe ich nicht in Betracht gezogen."

Sitzanpassung für van der Garde am Vormittag - Foto: Motorsport-Magazin.com

Aufruhr im Fahrerlager

Die Sauber-Saga verkommt immer mehr zur Farce, die den Start in die neue Saison der Formel 1 überdeckt. Am Freitagmorgen war es in Melbourne zu einer weiteren Kuriosität gekommen, als van der Garde zunächst am Eingangstor des Fahrerlagers warten musste, weil er keinen Zutrittspass vorweisen konnte. Als der Niederländer mit einem Pass ausgestattet wurde - wohl nicht von Sauber -, ging er schnurstracks Richtung Sauber-Hospitality.

Wenig später kam van der Garde gemeinsam mit Team-Manager Beat Zehnder aus der Hospitality und ging in Richtung Garage. Kaum darin angekommen, machten die Mechaniker kollektiv Frühstückspause. Nur eine Hand voll Leute verblieb mit van der Garde und Zehnder in der Garage. Im Rennoverall wurde im Auto von Marcus Ericsson ein Seat-Fitting vorgenommen. Ob van der Garde gegebenenfalls rechtzeitig eine ausstehende Superlizenz erhält, ist fraglich.

Beschlagnahmung bei Sauber?

Während der Gerichtsverhandlungen am Freitagmorgen im Victoria Supreme Court hatte es van der Gardes Anwalt auf die Spitze getrieben und eine Beschlagnahmung von Sauber-Equipment an der Rennstrecke verlangt. "Sauber verlässt die Zuständigkeit am Montag", sagte der Anwalt mit Blick auf das Ende des Rennwochenendes in Australien. "Eine unserer ersuchten Anweisungen ist die Beschlagnahmung von Ausstattung heute oder morgen."

Niki Lauda fand scharfe Worte für die aktuelle Situation beim Rennstall aus Hinwil. Der Österreicher kritisierte unter anderem die Vorgehensweise der Teamführung um Monisha Kaltenborn. "Die Situation um van der Garde ist schlicht und ergreifend fürchterlich", polterte Lauda gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Es gab mittlerweile drei Gerichtsurteile zugunsten von van der Garde, und dennoch ist er bislang nicht im Cockpit gesessen. Frau Kaltenborn soll sich entschuldigen ihn fahren lassen."


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