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Formel 1 / Interview

Rachefeldzug gegen Sauber - Klartext - Christian Danner: Fall van der Garde

Giedo van der Garde gegen Sauber. Die Gerichtsposse geht weiter. Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner analysiert den Cockpitstreit.
von Christian Menath & Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Wer fährt in Melbourne für Sauber?
Christian Danner: Zunächst einmal ist es für alle Beteiligten sehr ungut, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Ich persönlich glaube, dass es Felipe Nasr und/oder Marcus Ericsson sein werden. Entweder fährt nur einer der beiden Piloten und auf dem anderen Auto steht der Name "van der Garde". Dieses wird aber sicher nie die Box verlassen. Oder es fährt gar keines der beiden Sauber-Autos. Denn der Richter hat bereits eine Liste der Sauber-Utensilien zur Pfändung benannt und der verantwortlichen Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn im Falle eines Verstoßes sogar eine Gefängnisstrafe angekündigt. Man bekommt hier schon den Eindruck, es handelt sich um einen Rachefeldzug der Familie van der Garde gegen Sauber.

Man bekommt hier schon den Eindruck, es handelt sich um einen Rachefeldzug der Familie van der Garde gegen Sauber.
Christian Danner

Liegt der Fehler aber nicht klar auf Seiten von Sauber, wenn sie drei respektive sogar vier Fahrer unter Vertrag genommen haben?
Christian Danner: Jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Was ist also die Agenda von Giedo van der Garde? Will er wirklich hier fahren? Das wäre etwas zu blauäugig. Sie möchten Sauber eins auswischen. Was haben sie davon? Vielleicht springt dabei etwas heraus, was für ihre persönliche Zukunft gut wäre. Man muss davon abkommen, einfach zu sagen: Der arme Fahrer, der einen Vertrag hat und fahren möchte.

Ich glaube, dass beide Parteien in den jeweiligen Momenten durchaus ihre Gründe hatten, die Entscheidungen zu treffen, die sie getroffen haben. Sauber hat zwar ganz offensichtlich die Option auf Giedo van der Garde eingelöst und ihn somit unter Vertrag genommen. Das besagen ja auch die ganzen Gerichtsentscheidungen. Hier liegt der Fehler also ganz klar bei Sauber!

Ein Bild aus glücklichen Sauber-Zeiten - Foto: Sutton

Meinen Informationen zu Folge hat er zwar unterschrieben, aber nie bezahlt. Sauber hat für das Wohl des Teams die völlig richtige Entscheidung getroffen. Besser kann man es in ihrer Situation nicht lösen. Van der Garde hat aus seiner Sichtweise heraus auch alles richtig gemacht. Denn bei einem Team, das finanzielle Sorgen hat, muss man aufpassen, dass man sein Geld nicht bezahlt und dann ist es auf einmal weg. So gesehen muss man beide Parteien verstehen. Dass es jetzt soweit gekommen ist, ist natürlich ein Skandal. Das darf in der Formel 1 nicht passieren.

Mit Giedo van der Garde geht der Formel 1 kein Jahrhunderttalent verloren.
Christian Danner

Eigentlich gibt es ja genau dafür das Contract Recognition Board?
Christian Danner: Charlie Whiting sagt dazu: Wenn ein Fahrer einen Vertrag mit dem Team hat, gibt das Team den Vertrag an das CRB und beantragt bei der nationalen Motorsportbehörde die Superlizenz. Dieser Vorgang dauert normalerweise ungefähr 14 Tage. Das ist nicht passiert. Jetzt ist die Frage: Aus welchen Gründen? Die Chancen, dass Giedo van der Garde hier fährt, sind überschaubar. Sie können ihn nicht ohne Superlizenz fahren lassen.

Wie hättest du an der Stelle von Giedo van der Garde reagiert?
Christian Danner: Ein Ei draufgehauen. Es ist völliger Irrsinn, bei einem Team fahren zu wollen, bei dem du genau weißt: dort will dich keiner haben. Man muss auch bedenken: Mit Giedo van der Garde geht der Formel 1 kein Jahrhunderttalent verloren. Zumal seine Karriere damit nicht verbaut wird. Er war bisher ein mittelmäßiger Paydriver und wird dies auch weiterhin bleiben.


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