Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage werden sich 2015 vermutlich einige Formel-1-Fans stellen, denn die Rennen in Asien und Australien beginnen eine Stunde früher als in den letzten Jahren. Grund dafür ist Jules Bianchis Unfall in Suzuka, der bei schlechten Lichtverhältnissen stattfand - ein solches Szenario soll sich künftig nicht mehr wiederholen. Motorsport-Magazin.com analysiert, wie sich die Startzeiten auf der anderen Seite des Erdballs im Lauf der Jahre entwickelt haben.

Veränderte Startzeiten 2015

RennenOrtszeitMitteleuropäische Zeit
Australien GP16:006:00
Malaysia GP15:009:00
China GP14:008:00
Japan GP14:007:00
Russland GP14:0013:00

Japan GP (+7 Stunden)

James Hunt trotzte 1976 den widrigen Bedingungen in Fuji und wurde Weltmeister -
James Hunt trotzte 1976 den widrigen Bedingungen in Fuji und wurde Weltmeister -Foto: Phipps/Sutton

1976 machte die Formel 1 zum ersten Mal in Japan Station - und die Premiere sollte in die Geschichtsbücher eingehen. Heftige Regenfälle und dichter Nebel in Fuji veranlassten mehrere Piloten zur Aufgabe, darunter auch Niki Lauda, der den Titel damit an James Hunt verlor, da der Brite den widrigen Verhältnissen trotzte und ihm ein dritter Platz zum Gewinn der Weltmeisterschaft genügte. Im Jahr darauf kehrte die Formel 1 noch einmal nach Fuji zurück, danach blieb der Tross dem Land der aufgehenden Sonne jedoch für zehn Jahre fern. Die beiden Fuji-Rennen wurden um 14:00 Ortszeit gestartet.

Auch 2007 sorgte das Wetter in Fuji für Chaos -
Auch 2007 sorgte das Wetter in Fuji für Chaos -Foto: Sutton

Erst 1987 kam es zu einem Comeback, diesmal aber in Suzuka. Der Japan GP wurde bis inklusive 2003 weiterhin um 14:00 gestartet, ehe es 2004 zu einer Verschiebung um eine halbe Stunde nach hinten kam. 2005 und 2006 wurde hingegen wieder um 14:00 gestartet, von 2007 bis 2009 erfolgte der Start sogar bereits um 13:30. In besonderer Erinnerung blieb das Rennen im Jahr 2007, das wie 30 Jahre zuvor in Fuji stattfand und einmal mehr von heftigen Regenfällen überschattet wurde, die zahlreiche Piloten von der Strecke spülten.

Seit 2009 hat die Formel 1 ihre japanische Heimat wieder in Suzuka. Ab 2010 wurden die Rennen erst um 15:00 Ortszeit gestartet, um den bislang schlaftrunkenen Fernsehzuschauern in Europa entgegenzukommen. Im Vorjahr erwies sich die späte Startzeit allerdings als fataler Fehler: Am Tag des Grand Prix' traf ein Taifun auf Suzuka, der für äußerst schwierige Wetterbedingungen sorgte. Gemeinsam mit dem bereits schwachen Tageslicht der untergehenden Sonne bedeutete dies schlechte Sicht für die Piloten.

Jules Bianchi wurden Regen und Dunkelheit zum Verhängnis -
Jules Bianchi wurden Regen und Dunkelheit zum Verhängnis -Foto: Sutton

Marussia-Pilot Jules Bianchi verlor auf der nassen Strecke seinen Wagen und krachte in einen Traktor, der gerade dabei war, Adrian Sutils havariertes Auto zu bergen. Die eingesetzte Kommission, die den schweren Unfall des Franzosen untersuchte, kam zu dem Schluss, dass Rennen künftig maximal vier Stunden vor Sonnenuntergang gestartet werden sollten, um die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten. Bianchi liegt auch vier Monate nach dem Crash noch immer im Krankenhaus und kämpft um sein Leben.

Australien GP (+10 Stunden)

Von 2009 bis 2014 wurde in Melbourne erst am späten Nachmittag gestartet -
Von 2009 bis 2014 wurde in Melbourne erst am späten Nachmittag gestartet -Foto: Sutton

Zum ersten Mal schlug die Formel 1 ihre Zelte 1985 in Down Under auf. Damals noch in Adelaide, wo bis inklusive 1995 das Saisonfinale stattfand. In besonderer Erinnerung blieb das Rennen im Jahr 1991, das wegen flutartiger Regenfälle nach nur 53 Kilometern abgebrochen werden musste und bis heute als der kürzeste Grand Prix der Geschichte gilt. Als Sieger wurde Ayrton Senna gewertet, aufgrund der geringen zurückgelegten Distanz gab es allerdings nur halbe Punkte.

1991 hieß es in Adelaide Land unter -
1991 hieß es in Adelaide Land unter -Foto: Sutton

1996 löste Melbourne Adelaide als Schauplatz des Australien GP ab und beherbergte fortan zumeist den Saisonauftakt. Von 1985 bis 2008 blieb die Startzeit in Down Under mit 14:00 unverändert, was bedeutete, dass die Fans in Europa bereits um 4:00 vor dem TV-Schirm sitzen mussten. Da sich die Einschaltziffern in Grenzen hielten, was wiederum den Sponsoren nicht gefiel, wurde die Startzeit 2009 um drei Stunden nach hinten verlegt, sodass die Ampeln im Albert Park fortan erst um 17:00 und damit bereits am späten Nachmittag erloschen.

Malaysia GP (+6 Stunden)

2009 musste das Rennen in Sepang abgebrochen werden -
2009 musste das Rennen in Sepang abgebrochen werden -Foto: Sutton

Der Große Preis von Malaysia stellte 1999 den Auftakt zur "Osterweiterung" des Formel-1-Kalenders dar. Die ersten sechs Ausgaben des Rennens fanden um 14:00 Ortszeit statt, ehe es zu einer Verschiebung um eine Stunde nach hinten kam. 2009 erfolgte der Start sogar erst um 17:00, was sich als verhängnisvoll erweisen sollte.

Das Safety Car ist in Malaysia regelmäßig im Einsatz -
Das Safety Car ist in Malaysia regelmäßig im Einsatz -Foto: Sutton

Wie so oft suchten monsunartige Regenfälle Sepang heim, die zu einer Unterbrechung des Rennens nach 32 Runden führten. Da wegen der späten Startzeit allerdings bereits die Dunkelheit hereinbrach, konnte der Grand Prix nicht mehr fortgesetzt werden, weshalb zum ersten Mal seit dem Australien GP 1991 wieder halbe Punkte vergeben wurden.

Die Lehren aus dem Abbruchrennen wurden gezogen und der Start ab 2010 wieder auf 16:00 terminiert. Die Vorverlegung des Rennens auf 15:00 in der bevorstehenden Saison bedeutet, dass es im Falle heftiger Regenfälle noch mehr Spielraum für Unterbrechungen gibt. Ein Abbruch wegen Dunkelheit sollte in Zukunft demnach kein Thema mehr sein.

China GP (+6 Stunden)

Dicke Luft am Shanghai International Circuit -
Dicke Luft am Shanghai International Circuit -Foto: Sutton

Seit 2004 ist auch das bevölkerungsreichste Land der Erde Schauplatz eines Formel-1-Rennens. Die ersten fünf Ausgaben des Grand Prix' in Shanghai fanden um 14:00 Ortszeit statt, danach wurde das Rennen um eine Stunde nach hinten verschoben. Probleme mit dem Licht gab es in China bislang nicht, wenngleich die Strecke oftmals in den Smog der Millionenmetropole Shanghai gehüllt ist. Dieser unschöne Umstand lässt sich jedoch auch nicht durch eine Anpassung der Startzeit beheben.