Exklusiv
Formel 1 / Interview

Red Bull sticht die Konkurrenz wieder aus - Christian Danner spricht Klartext

Christian Danner nimmt für Motorsport-Magazin.com die Freitagstrainings unter die Lupe. Während er Red Bull vorne sieht, dürfte Mercedes hinterherhinken.
von Karin Sturm

Motorsport-Magazin.com - Erwartest du nach der dreiwöchigen Pause eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses?
Christian Danner: Interessant ist, dass man rein technisch gesehen ein gutes Stück Weiterentwicklung hat: Aerodynamik, Radaufhängung und der Test in Silverstone. Im Großen und Ganzen ist das Feld zwar etwas enger beinander, aber Red Bull hat noch immer mehr Abtrieb als die anderen. Es ist unglaublich. Alle Autos sind sauschnell und es ist ein Genuss, so schnelle Autos anschauen zu dürfen, aber der Red Bull ist noch immer einen Tick besser. Ferrari und Mercedes haben ein bisschen Traktionsprobleme, Lotus ist zwar super, hat den Extra-Kick an Grip aber doch nicht. Letztendlich bleibt das Bild dann auch nach dem Reifen-Test dasselbe: Vorne stehen die beiden Red Bulls, dann kommen Lotus und Ferrari und dann der Rest, wobei Mercedes ein bisschen hinterherhinkt.

Vorne stehen die beiden Red Bulls, dann kommen Lotus und Ferrari und dann der Rest
Christian Danner

Warum hinkt Mercedes hinterher?
Christian Danner: Man sieht klar, dass Mercedes ein bisschen Traktionsprobleme hat und das ist hier bitter, da man viel aus langsamen Ecken herausbeschleunigen muss. Ein Traktionsproblem bedeutet, dass man einen Teufelskreis einleitet. Man steht ein bisschen quer, benötigt ein bisschen mehr Reifen, der Reifen wird dann wärmer, man hat ein bisschen mehr Übersteuern und dadurch wieder schlechtere Traktion. Somit manövriert man sich in den Keller. Das auszugleichen ist der Job.

Aber in Monaco hatte Mercedes diese Probleme nicht...
Christian Danner: Wenn man es genau nimmt, ist Mercedes in Monaco im Rennen die Pace von Max Chilton gefahren. Deswegen konnten sie das Rennen ohne Reifenprobleme beenden.

Kann man die Leute hier genauso hinter sich halten wie in Monaco?
Christian Danner: Man kann hier deutlich besser überholen als in Monaco. Man kommt schon vorbei und bei ein bisschen Grip-Unterschied sogar ganz gut. Und diesen wird es irgendwann geben. Entscheidend ist hier, wie variabel der erste oder zweite Boxenstopp sind, weil wenn man mitten im Verkehr herauskommt, kann man zwar überholen, aber man verliert mehr Zeit als normal, weil sich alles ein bisschen aufstaut. Deswegen wurden heute unterschiedliche Longruns probiert.

Wenn man es genau nimmt, ist Mercedes in Monaco im Rennen die Pace von Max Chilton gefahren
Christian Danner

Red Bull siehst du als Favorit?
Christian Danner: Mein erster Gesamteindruck ist einfach entscheidend und da hat Red Bull einfach ein bisschen mehr Grip. Es ist kein Unterschied wie Tag und Nacht, aber es reicht wahrscheinlich doch.

Du hast als erster eine Mindestzeit beim Boxenstopp aufs Tapet gebracht...
Christian Danner: Es wurde von der FIA vorgeschlagen und die Teams haben es abgelehnt, was ich etwas eigenartig finde, denn wenn die FIA etwas beschließen will, siehe Speedlimit in der Boxengasse, dann macht sie es auch. Damit wäre das Problem gelöst gewesen.

Zuletzt gab es ja neben der Rennstrecke zahlreiche Themen...
Christian Danner: Ecclestone wird angeklagt in München. Wer regiert die Formel 1? Steigt Mercedes aus? Toto Wolff und Colin Kolles haben sich in einem eigenartigen Gespräch ausgetauscht. Pirelli bringt komplett neue Gummis. Sauber geht fast Pleite und hat einen russischen Investor. Es ist eine wahnsinnige Ansammlung an Meldungen und wir kommen nach Ungarn und es ist ein völlig normales Rennen. Das ist etwas, das mich immer wieder fasziniert, dass der Zirkus in den unglaublichsten Schlagzeilen und Chaosmeldungen stattfindet und kaum ist man an der Rennstrecke, ist wieder alles normal, als ob nie ein Problem aufgetreten wäre. Das finde ich schon erstaunlich und bemerkenswert.


Weitere Inhalte:
Formel 1 Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video