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Formel 1 / Interview

Durcheinander = Spannung - Christian Danner spricht Klartext

Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner nennt den reifenschonenden Räikkönen als Geheimfavoriten und erklärt, warum Massa vorneweg fahren kann.
von Karin Sturm

Motorsport-Magazin.com - Bist du überrascht, dass Nico Rosberg am Ende auf Pole stand?
Christian Danner: Es ist eine positive Überraschung, weil ich den Kerl schon sehr gerne mag. Das ist ein echt guter Fahrer.

Gestern hatten bei Mercedes ja noch alle gesagt: Hier geht gar nichts so richtig...
Christian Danner: Die Frage ist doch jetzt: haben sie Rennpace geopfert für die Qualifyingpace, haben sie das Auto umgebaut, damit es im Qualifying schneller ist? Dann frisst es im Rennen wieder die Reifen... Die Befürchtung liegt auf der Hand, weil Hamilton auch rückwärts lief. Deswegen kann man die Befürchtung nicht aus der Welt diskutieren. Auf der anderen Seite sollten sie daraus gelernt haben. Wenn das so ist, dann muss er ein Rennen locker gewinnen.

Strategievarianten mag ich persönlich immer sehr gerne, weil sie alles etwas durcheinanderbringen, und durcheinander heißt immer mehr Spannung.
Christian Danner

Ansonsten gibt es in der Startaufstellung auch noch ein paar interessante Dinge: Felipe Massa ist mit dem harten Reifen auf Rang vier nach vorne gekommen...
Christian Danner: Spannende Sache! Massa hatte in China deutlich mehr Schwierigkeiten mit den Reifen als Alonso, so gesehen ist die Strategie interessant. Strategievarianten mag ich persönlich immer sehr gerne, weil sie alles etwas durcheinanderbringen, und durcheinander heißt immer mehr Spannung und das hab ich gern.

Sebastian Vettel ist auf jeden Fall aber auch ein Siegkandidat, oder?
Christian Danner: Logisch. Darüber brauchen wir gar nicht reden.

Das war ärgerlich bei Lewis Hamilton heute Morgen, oder? Reifenschaden, Getriebeschaden...
Christian Danner: Darüber muss ich mit Paul Hembery reden, denn da hat sich ja die gesamte Lauffläche abgelöst. Ob das ein Schaden von außen war, ob er irgendwo drübergefahren ist... Das kann auch passieren, wenn man über Abweiser fährt. Das ist eine spannende Sache.

Räikkönen sorgt für Unvorhersehbarkeit

Kimi Räikkönen könnte mit zwei Stopps auskommen. - Foto: Sutton

Womit rechnest du im Rennen: Fahren die ersten drei die gleiche Strategie und damit direkt gegeneinander?
Christian Danner: Der Einzige, der irgendwann richtig freie Fahrt hat und schön vorneweg fahren kann, ist Massa, der Rest ist identisch. Die Frage ist: Wie lange fährt man auf dem weicheren Reifen vernünftige Zeiten? Da kommt jetzt doch wieder Kimi ins Spiel, denn das war der Einzige, der auf dem weicheren Reifen vernünftige Longruns gefahren ist. Und vielleicht ist das jetzt noch besser und er macht tatsächlich nur zwei Stopps. Ich würde Kimi noch nicht abschreiben. Ich mag das sehr, wenn unterschiedliche Strategien von unterschiedlichen Leuten konzeptionell aufgearbeitet werden. Das heißt, es fahren nicht alle das Gleiche, und es bedeutet nicht nur: 'Ich fahr auf weich, ich fahr auf hart'. Sondern sie haben bei Kimi ganz offensichtlich Pace weggenommen für die Haltbarkeit, dann fährt er eben nur zwei Stopps. So etwas finde ich einfach klasse, damit wird das Feld wieder etwas durcheinandergespült und das ist für mich das, was der Zuschauer braucht. Es ist nicht alles vorhersehbar.

Was sagst du zu den Force Indias?
Christian Danner: Beide waren sehr gut. Sie haben wohl Fortschritte beim Unterboden und anderen Teilen gemacht. Aber das ist ein Auto, das mit weniger Abtrieb fährt als die anderen. Deshalb sind sie immer die Schnellsten auf der Strecke.

Kommen ihnen die Geraden und das Stop-and-go hier entgegen?
Christian Danner: Ja, richtig flüssige Kurse sind ja nicht die Stärke des di Resta. Stop-and-go, Hauruck und stehen bleiben - das kann er gut.


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