Formel 1 / Hintergrund

Abflüge, Fluchen, Rätselraten - Hintergrund: McLaren und die China-Reifen

McLaren kämpft in China mit den weichen Reifen. Jenson Button und Sergio Perez bekommen das am eigenen Leib zu spüren. Ist Abhilfe überhaupt möglich?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wieder einmal sind die Reifen das große Thema an diesem Rennwochenende. Hört man sich einmal im Fahrerlager um, nörgeln so ziemlich alle Piloten über den massiven Abbau der weichen Reifen. Bei McLaren lief es kaum besser: Die sowieso schon gebeutelten Briten hatten ebenfalls Probleme, die weiche Pirelli-Mischung am Leben zu halten. "Die meisten anderen Fahrer haben Probleme mit Graining an der Front", meinte Jenson Button. "Bei uns ist das auch der Fall. Der Verschleiß ist massiv und ich glaube nicht, dass wir an diesem Wochenende allzu viele Runden auf den weichen Reifen sehen werden."

Bereits bekannt in China: die Marbles, also die Gummifetzen, die sich immer mehr am Rand der Strecke breit machen. Button tat sein Übriges dazu, als er sich während des Trainings in Kurve 14 verbremste und sofort einen ordentlichen Reifenschaden davontrug. "Da war ein Loch drin", berichtete Button nach dem fatalen Blockieren des vorderen, linken Reifens. "Es ist gut, dass diese Kurve kurz vor den Boxen liegt." Diesen Vorfall hatte auch Red-Bull-Berater Helmut Marko genauestens beobachtet: "Das Rad blieb stehen und es löste sich sofort Lauffläche ab. Ein oder zwei solcher Verbremser, dann ist es mit dem Reifen schon vorbei."

Ein oder zwei solcher Verbremser, dann ist es mit dem Reifen schon vorbei.
Helmut Marko

Der Plan muss also sein, noch besser auf die Reifen Acht zu geben. Laut Button könnte aber genau hier drin die Crux bestehen, was die Einstellungen des Autos angeht. "Wir machten einiges an Setuparbeit auf den Medium-Reifen. Als wir dann auf die Softs wechselten, veränderte sich das Auto komplett", so der Brite. "Einen solch großen Unterschied hatten wir nicht erwartet, die Balance ist komplett anders." Das Problem: Laut Button helfe selbst eine perfekt eingestellte Balance des Boliden nur bedingt beim Reifenverschleiß: "Es passiert einfach. Für meinen Geschmack ist der Verschleiß zu hoch."

Teamkollege Sergio Perez fand noch deutlichere Worte für das Verhalten der weichen Mischung auf dem Shanghai International Circuit. "Die Reifen waren eine Katastrophe", polterte der Mexikaner. Er selbst machte ebenfalls eine Grenzerfahrung, als er im 2. Training plötzlich abflog. "Ich hatte kalte Reifen, die schon sehr abgenutzt waren. Ich bremste, die Reifen blockierten und ich landete in der Streckenbegrenzung", erinnerte sich Perez an seinen Moment. Es ist also Vorsicht angesagt - doch wie sehr können die Piloten auf ihre Reifen achten, ohne über die Strecke schleichen zu müssen? Offensichtlich ganz schön langsam, wie Button einen interessanten Vergleich heranzog.

Die Reifen waren eine Katastrophe.
Sergio Perez

"Im Qualifying-Spec fahren wir 35er-Zeiten, aber im Rennen fallen die Zeiten nach acht Runden auf den weichen Reifen in den 48er-Bereich", sagte Button. "Das ist ein großer Unterschied und wir sind fast fünf Sekunden langsamer als die GP2-Autos hier." Immerhin mache der schnelle Run auf den Softs ordentlich Spaß - wenn auch nur für sehr kurze Zeit. Button: "Das ist ein toller Qualifying-Reifen. Auf dieser Mischung hast du so viel mehr Grip. Aber nur für eine Runde, dann verlierst du eine Sekunde pro Umlauf."

Laut Perez sei der Umgang mit den Softs sehr schwierig - Vorteil Mexikaner? Schon zu seinen Sauber-Zeiten war er als Reifenflüsterer bekannt und konnte häufig länger als die Konkurrenz auf der Strecke bleiben. "Bei einigen Teams ist der Verschleiß etwas größer als bei anderen, aber insgesamt bauen die Reifen stark ab", sagte er. "Das könnte eventuell ein Vorteil für mich sein, weil ich gut mit den Reifen umgehen kann." Sollte dieser Fall eintreffen, könnte er damit zumindest die fehlende Pace des Chrompfeils ein wenig kaschieren.


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