Fünf Rennen der Saison 2011 sind absolviert, wie ist es bisher für Dich im Team Lotus Renault GP?
Nick Heidfeld: Bislang war es eine tolle Erfahrung. Natürlich kam der Einsatz erst sehr spät für mich, aber vom ersten Tag an habe ich mich sehr wohl und willkommen gefühlt, ich genieße die Zusammenarbeit. Wir haben versucht, während der Wintertests gemeinsam Dinge zu verbessern und das tun wir auch noch weiterhin. Mit dem Fortschreiten der Saison wird es immer schwieriger, sich auf kleine Details zu konzentrieren, anders als beim Testen, denn man muss sich auf das eigentliche Rennfahren konzentrieren, aber insgesamt läuft es gut.
Wie einfach war es für Dich so kurzfristig berufen zu werden?
Nick Heidfeld: Lotus Renault GP hat es mir sehr leicht gemacht, es hätte auch viel komplizierter werden können. Ich glaube, für das Team war es keine einfache Situation, man musste mit einem guten Plan den Ausfall von Robert kompensieren, der immer noch ein fester Teil dieses Teams ist und der letzte Saison einen fantastischen Job abgeliefert hat. Wir mussten mit der neuen Situation zurechtkommen. Das Team ist aber sehr offen und uns war klar, dass wir mit den Umständen leben müssen und versuchen sollten daraus das Beste zu machen. Wir können viel einbringen und vorschlagen, LRGP ist von allen Teams meiner Laufbahn das aufgeschlossenste, das mag ich wirklich sehr und es ist der Grund warum ich mich hier wohl fühle. Von Anfang an gab es ein gutes gegenseitiges Vertrauen, das passt mir ganz gut.
Wie groß ist die Herausforderung bei Lotus Renault im Vergleich zu den anderen Teams in Deiner Laufbahn?
Nick Heidfeld: Nun ja, die Herausforderungen die ich in meiner F1-Karriere gehabt habe, waren alle sehr unterschiedlich. Das einzigartige an dieser Saison ist, dass ich sie eigentlich nicht als Stammfahrer hätte beginnen sollen, eigentlich hatte ich ein Engagement als Testfahrer oder Ersatzfahrer erwartet. Dann kam die späte Nachricht über meinen Einsatz und das in einem guten Team, nachdem der erste Test schon vorbei war, es war eine sehr besondere Situation.
Gehst Du die Dinge in dieser Phase Deiner Karriere anders an, als noch vor fünf oder sechs Jahren?
Nick Heidfeld: Ja, man entwickelt sich ja weiter, als Person, wie auch als Fahrer, aber das ist nur natürlich. Man hat Erfahrung gesammelt und das hilft dir als Fahrer, wenn du auf die Strecke gehst.
Es wurde viel gesagt zwischen den Fans und auch durch die Presse, dass der R31 sein gesamtes Potential noch nicht ausschöpft – stimmst Du dem zu?
Nick Heidfeld: Es gibt immer die Möglichkeit zur Verbesserung und als Fahrer bist du nie komplett zufrieden, außer natürlich du erreichst das Maximum. Ich will immer mehr erreichen. Ich glaube, wir konnten unser Maximum schon zu Beginn der Saison erreichen, als wir auf das Podium fahren konnten, aber auf der anderen Seite bin ich in manchen Rennen nicht wirklich von einem guten Startplatz aus ins Rennen gegangen. Manchmal war es einfach Pech, aber das kann man nicht immer vorschieben und es dabei belassen. Man kann auch sagen, man ist seines eigenen Glückes Schmied. Man hat immer die Möglichkeit zu planen und sich vorzubereiten, um zu verhindern, dass man in die Bredouille kommt. Insgesamt bin ich mit meinen Leistungen im Rennen zufrieden und ich denke, wenn man die Umstände der einzelnen Rennen sieht, dann haben wir einen guten Job abgeliefert.
Letzte Woche bist Du von hinten auf Platz acht gefahren – fährst Du gern solche Rennen, wo Du unbeobachtet fahren kannst?
Nick Heidfeld: Das Beste was einem Fahrer passieren kann, ist an der Spitze um den Sieg zu kämpfen. Wenn du aber als Letzter ins Rennen gehst und Achter wirst, dann macht das verdammt viel Spaß. Sich seinen Weg durch das Fahrerfeld zu kämpfen und am absoluten Limit zu fahren, ist selten in einem Rennen, macht dafür aber viel mehr Spaß.

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