Wenn Renault sich entscheidet, wer 2011 neben Robert Kubica im zweiten Auto sitzen wird, dann wird diese Entscheidung vor allem darauf basieren, was kommerziell am meisten Sinn macht. So hätte mit Kimi Räikkönen beim Team zwar ein ehemaliger Weltmeister angeklopft, doch Team-Vorstand Gerard Lopez wird sich dadurch nicht von seiner Richtung abbringen lassen, auch wenn dadurch vielleicht die Titelchancen im kommenden Jahr steigen würden. Es gelte abzuwägen, ob ein Fahrer wie Vitaly Petrov, der finanziell viel bringe, mehr Sinn mache, als einem Starpiloten viel Geld zu zahlen.

"Es ist lustig, denn die Leute denken jetzt, es läuft gut und wir werden die Fahrer wechseln. Es gibt schon einen Rallye-Fahrer, der nicht mehr an der Formel 1 interessiert war, aber jetzt Kontakt hergestellt hat und daran interessiert ist, wieder in die Formel 1 zu kommen; lustiger weise mit uns, aber soweit sind wir noch nicht", meinte Lopez gegenüber Autosport. Denn die finanzielle Seite eines Fahrerdeals ist nach wie vor entscheidend für Renault, da es darum geht, genug Sponsoren und Investoren zu finden, damit im kommenden Jahr auch der anvisierte Angriff auf den Titel finanziert werden kann.

Business

Deswegen musste Lopez auch betonen, dass die finanziellen Überlegungen sehr wichtig für ihn sind. "Wie gesagt, wir nutzen die Formel 1 und wir müssen unser Team pushen, damit es erfolgreich ist, weil wir die Plattform nutzen, um Geschäfte zu machen. Und ihr wisst, es ist eine Frage des Images. Die Leute machen lieber Geschäfte mit Sieger-Teams, das geht also Hand in Hand", sagte er.

Vitaly Petrov hat seinen Wert für Renault, Foto: Sutton
Vitaly Petrov hat seinen Wert für Renault, Foto: Sutton

Da das Team nun solide steht, sei es umso wichtiger, Sponsoren zu finden, Sponsoren zu holen und alles zu tun, was getan werden muss. "Es ist nun noch wichtiger, das Team aufzubauen und die Plattform für das Business zu nutzen. Die Tatsache, dass wir mehr und mehr Deals mit Unternehmen machen, die durch Renault Formel 1 kommen, weil wir andere Dinge bieten, ist für 2011 noch wichtiger als für 2010. In 2010 mussten wir uns neu aufbauen, 2011 können wir uns aufs Business konzentrieren."

Die Russen kommen

Gleichzeitig wollte Lopez klarstellen, dass Vitaly Petrov nicht als Paydriver zum Team geholt wurde. Er gab zwar zu, dass die Sponsoren, die der Russe brachte - etwa Lada - sehr wichtig waren, doch das Geld, das vielerorts kolportiert wurde - von 15 Millionen Euro war die Rede -, habe er nie bringen müssen. "Außerdem ist er ein guter Fahrer. Er war voriges Jahr Zweiter in der GP2-Meisterschaft und hätte sie leicht gewinnen können, wenn er nicht sechs Defekte gehabt hätte. Zudem ist er ein Fahrer, der 250 Millionen russisch Sprechende Leute hinter sich hat, die an ihn glauben, also wären wir dumm, wenn wir nicht annehmen würden, dass es da ein Business dahinter gibt. Aber wir müssen den Fahrer aufbauen. Er ist sehr wichtig für uns, so wie Robert [Kubica]."

Ein weiteres Gerücht musste Lopez auch noch dementieren: er hat keine Pläne, sich wieder aus dem Sport zurückzuziehen und Renault des Team zurück zu verkaufen. "Das ist gar keine Frage. Wir haben das Interesse, dass dieses Team wieder Rennen und Weltmeisterschaften gewinnt und wenn alles gut läuft, sind wir hoffentlich in zehn Jahren noch da. Ungeachtet dessen, wie oft uns Leute die Frage stellen, wir wollen das hier nicht verkaufen. Das ist kein Unternehmen wie andere Unternehmen", meinte Lopez. Er glaubte, die Spekulationen über sein Engagement im Renault-Team seirn nur aufgrund der Eifersucht gegnerischer Teams entstanden.

Zu einfach gedacht

"Die Formel 1 ist eine recht egozentrische Umgebung, also gibt es Eifersucht. Es ist recht lustig, denn die Leute nehmen sich etwas zu ernst. Gleichzeitig ist das ein wenig... es ist nicht sehr intelligent. Letztendlich ist es ein Sport, der davon profitieren würde, wenn die Teams nicht versuchen, sich zu helfen, weil es Wettbewerb gibt, aber dennoch an Wege denken, wie man dem Sport gemeinsam helfen kann. Also einfach zu schnell zu irgendwelchen Schlüssen zu kommen, gewisse Dinge anzunehmen, wie etwa, dass ein Team langfristig nicht interessiert ist oder nur aus zwei Typen besteht, die kommen, etwas Spaß haben wollten, schon wieder gelangweilt von ihrem Spielzeug sind und was anderes wollen - das sind geistige Abkürzungen, die niemand nehmen sollte. Stolz drängt uns dazu, das Gegenteil noch mehr zu beweisen", erklärte Lopez.