Mal sind die Journalisten deine besten Freunde, mal hassen sie dich. Zu diesem naiven Weltbild kam David Coulthard in seiner Anfangszeit in der Formel 1. Mittlerweile weiß er: "Die Journalisten haben die Aufgabe, über das Gute, das Böse und das Hässliche zu schreiben." Dessen müsse sich nun auch Sebastian Vettel bewusst sein, der nach den Fehlern der vergangenen Wochen stark in der Kritik steht.

Vettel sei ein unglaublich schneller und talentierter Fahrer, der mit 23 Jahren Grand Prix gewinnen und den Titel holen kann. "Was ihm im Vergleich zu den anderen Titelanwärtern wirklich fehlt, ist Erfahrung", schreibt Coulthard in seiner Kolumne im Daily Telegraph. "Ich möchte Sebastians jüngste Fehler nicht entschuldigen, ich sage nur, dass sie verständlich sind."

Druck prallt ab

Für Coulthard sind die Kollisionen mit Mark Webber in Istanbul und Jenson Button in Spa sowie der Fehler in Budapest nicht auf zu hohen Druck zurückzuführen. "Der Fahrer ist im Cockpit in seiner natürlichen Umgebung und als ich Rennen gefahren bin, habe ich nie Druck gespürt." Der Druck komme, wenn der Fahrer das Gefühl verspüre, die Kontrolle über die Situation zu verlieren. "Das ist bei Sebastian nicht der Fall."

Dabei geben die internationalen Medien und die Konkurrenz ihr Bestes, um ihn dazu zu bringen. "Martin Whitmarsh bezeichnete Sebastian nach dem Rennen als Crash-Kid, aber er hat natürlich ein erhöhtes Interesse daran, den Druck auf seine Rivalen zu erhöhen und seine Fahrer aufzubauen." Bei Vettel wirke es ohnehin nicht. "Er versucht, sich von der Kritik nicht beeinflussen zu lassen, genauso wie vorher vom Lob."

Gleichzeitig stellt Coulthard fest, dass Vettel sich bei seinem Angriff auf Jenson Button mehr Zeit hätte lassen müssen. "Er musste Jenson zu diesem Zeitpunkt nicht überholen." Er hatte das schnellere Auto und wäre so oder so vorbeigekommen. "Aber man muss nur Fernando [Alonso] anschauen, um festzustellen, dass unter diesen Bedingungen jeder Fehler machen kann." Auch ein erfahrener Doppelweltmeister.