Nico Hülkenberg und der F-Kanal, das ist eine Geschichte voller Missverständnisse, denn der Deutsche und das System, das den Heckflügel anbläst, sind noch keine guten Freunde geworden. In Valencia hatte er ein Problem damit, weil das Loch für den Kanal die falsche Form hatte und deswegen wohl nicht ganz schloss. Doch das wurde korrigiert, also sollte eigentlich alles funktionieren, was es in Silverstone aber nicht tat. "Der F-Kanal hat nichts mit meiner Größe zu tun. Das hat jemand aus dem Team einmal getwittert, aber das ist Käse. Es ist etwas Technisches und nichts mit meinen Beinen", erklärte Hülkenberg.

So kann er den F-Kanal mittlerweile normal öffnen und schließen, doch nach dem Gefühl des Williams-Piloten leckt er irgendwo, wenn er sein Bein unten hat. "Sie schauen sich nun die Daten an, um zu sehen, was da genau passiert ist. Aber nach meinem Gefühl hätte ich heute ohne besser ausgesehen", sagte der Deutsche. Im dritten Training war es noch etwas besser gelaufen, aber nie so gut wie bei Rubens Barrichello. "Im Qualifying wurde es dann schlechter." Und Hülkenberg landete dann auch fünf Positionen hinter seinem Teamkollegen.

Frustrierend und kacke

Generell konnte er nur schwer abschätzen, wie gut sich die Updates am Auto denn nun gemacht haben. Einerseits ist Silverstone anders als Valencia, andererseits lief es bei ihm eben nicht ideal. "Wenn man sich aber die Abstände ansieht, dann hat es wohl schon etwas gebracht. Bei mir sieht es vielleicht nicht so aus, weil ich im Qualifying ein paar Probleme hatte, aber wenn man Rubens ansieht, dann ist eine kleine Steigerung zu erkennen." Das ärgerte Hülkenberg klarerweise etwas, denn als Rennfahrer gefällt es ihm wenig, wenn der Teamkollege vor ihm steht. "Das ärgert einen. Es ist frustrierend und kacke, aber man muss versuchen, da weiterzuarbeiten."

Dem blockierenden Tonio Liuzzi wollte er die Schuld an dem nicht so guten Qualifying aber nicht zuschieben. Ohne den Italiener wäre vielleicht eine Zehntel mehr drin gewesen, meinte er. "Die erste Runde hat er mir kaputt gemacht. Die zweite kam ich einigermaßen glimpflich durch. Das Problem war, ich habe sie hinter Massa angefangen und war da etwas im Verkehr, aber ich bin die zweite Runde gut gefahren. Wir hatten heute einfach ein paar Probleme mit dem F-Kanal, der nicht das gemacht hat, was er sollte und mir in der Kurve Abtrieb genommen hat. Deswegen sieht es im Moment danach aus, als ob in den langsamen Kurven Zeit gefehlt hat", erklärte Hülkenberg.

Halbzeit-Bilanz

Dass Barrichello so viel schneller war als er, machte er aber auch daran aus, dass der Brasilianer nach wie vor ein sehr guter Fahrer ist. "Hier fühlt er sich sehr wohl. Mit seinen 38 Jahren lässt er es überall noch knacken. Er ist sehr schnell, sehr erfahren und gut. Er ist einfach eine richtig harte Nuss. Ich glaube, einen viel stärkeren Teamkollegen kann man nicht haben." Und auch eine stärkere Rennserie als die Formel 1 kann man kaum haben, das durfte Hülkenberg dieses Jahr ebenfalls merken. Er gab zu, sich etwas mehr erwartet zu haben, wobei es positive und negative Sachen gab, es generell aber eher negativer lief als erhofft. "Das Qualifying war ein paar Mal gut, in Malaysia und Montreal war ich nahe dran, Valencia war ziemlich gut. Die Fehlerquote hat sich auch verringert. Negativ ist natürlich, dass ich zur Halbzeit nur einen Punkt habe, da hat man sich vorher schon mehr erhofft", meinte Hülkenberg, der im Winter wieder nach Deutschland zurückziehen wird.