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DTM

DTM-Boss Berger: Von Audi-Vorstand bis heute nichts gehört

Gerhard Berger spricht erstmals seit dem Audi-Ausstieg mit der Presse. Unverständnis über Vorstands-Entscheidung, wenig Zeit für Kampf um die Zukunft.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Gerhard Berger hat seit dem angekündigten Audi-Ausstieg aus der DTM zum Saisonende 2020 eine ganze Weile geschwiegen und sich nicht gegenüber der Presse zum Vorfall geäußert. Die Ruhepause ist nun offenbar beendet, der ITR-Vorsitzende sprach erstmals seit dem Vorstands-Beben aus Ingolstadt vom 27. April in der heutigen Mittwochs-Ausgabe der Sport Bild.

Daraus geht schnell hervor: Die Vorgehensweise des Audi-Vorstandes verwundert Berger noch immer, wie er schon in einer ersten Reaktion hatte durchblicken lassen. "Da meldete sich niemand, nicht davor, währenddessen oder danach", sagte Berger jetzt. "Ich habe wirklich bis zum heutigen Tage von keinem Vorstand persönlich gehört."

Bei Berger sitzt der Frust über diese Vorgehensweise tief. Erst zu Beginn des Jahres musste der Österreicher trotz lange Zeit anderslautender Bekundungen mit dem Ausstieg von Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport einen Rückschlag hinnehmen. Im Fall von Audi wurde Berger nur drei Monate später einmal mehr mit unliebsamen Tatsachen konfrontiert.

Dabei hatte er bis zuletzt die Hoffnung, dass Audi neben BMW weiter in der DTM bleiben würde, um gemeinsam den Weg hin zur Hybridisierung ab 2022 sowie der Einführung nachhaltiger Kraftstoffe einzuleiten mit dem langfristigen Ziel, die DTM einem Wandel hin zur Elektrifizierung samt leistungsstarker Rennwagen zu unterziehen.

Gespräche über Fünf-Jahres-Szenario

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com erhielt Berger nur zehn Tage vor der Audi-Ausstiegsankündigung sogar noch positive Signale aus Ingolstadt, dass es in der Tourenwagenserie weitergehen könnte. Diesen Anschein von Hoffnung bestätigte der frühere Formel-1-Fahrer jetzt.

"Nach den vielen internen Gesprächen mit Audi in den vergangenen Monaten war mir klar, dass es eine Richtungsentscheidung geben wird, die Chancen zum Thema Verbleib oder Ausstieg standen tatsächlich fifty-fifty", so Berger. "Es war ja so: Noch vor wenigen Wochen hat der Vorstand mit mir über ein Fünf-Jahres-Szenario in der DTM gesprochen."

Zurück zu den Wurzeln: Letzte Rettung für die DTM?: (36:25 Min.)

Passt Motorsport überhaupt noch in die Zeit?

Dabei dürfte es um den angestrebten Wandel hin zu einer elektrischen DTM mit unterschiedlichen Antriebskonzepten frühestens ab dem Jahr 2025 gegangen sein. Berger weiter: "Hier standen vor allem immer die Sportlichkeit für die Marke Audi und die hohe Attraktivität der Plattform im Vordergrund. Dennoch gab es auch andere Stimmen im Konzern, besonders aus dem Marketing, für die die Frage erlaubt sein musste, ob Motorsport überhaupt noch in die Zeit passt. Und wenn ja, wie der dann mit den Konzernvorgaben einhergehen kann."

Die Antwort ist bekannt. Der Audi-Vorstand rund um den neuen CEO Markus Duesmann entschied sich gegen eine Verlängerung des DTM-Engagements über 2020 hinaus. Stattdessen setzt die Marke mit den vier Ringen zunächst nur noch auf Werkssport in der Formel E. Damit folgte Audi dem Weg des Volkswagen-Konzerns, der bereits angekündigt hatte, seine Verbrennungsmotoren im Rennsport in Rente zu schicken.

Berger: "Eine wichtige VW-Vorgabe heißt ja, dass komplett auf E-Mobilität gesetzt wird, es eigentlich nur noch Elektroautos geben darf und der Verbrennungsmotor der Geschichte angehören muss. Da wir aber momentan auf der DTM-Plattform keine E-Mobilität abbilden, war mir natürlich bewusst, dass die Entscheidung so oder so ausfallen kann."

Berger: Extrem wenig Zeit für den Kampf

Wie es mit der DTM und BMW als zunächst einzig verbliebenem Hersteller weitergehen kann, ließ Berger unterdessen offen. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com setzt der 60-Jährige auch jetzt hinter den Kulissen alle Hebel in Bewegung und zapft sein riesiges, globales Netzwerk an, um Lösungen für die kurz- und langfristige Zukunft zu finden.

Kämpfernatur Berger realistisch: "Als Sportler bin ich grundsätzlich immer fürs Kämpfen. Wir haben aber für diesen Kampf extrem wenig Zeit bekommen, und wir haben mit Corona einen zusätzlichen Gegner. Man muss schon genau abwägen, wie man sich auf diesen Kampf einlässt."


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