DTM

Erfolgsballast-Farce: So geht es jetzt weiter

Die Farce rund um das Performance-Gewicht artet weiter aus. Es soll eine schnelle Lösung gefunden werden. Kommt es wirklich zur Abschaffung des Erfolgsballasts?
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Farce rund um die Performance-Gewichte hat in Moskau ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Eine vom DMSB über die Köpfe der Hersteller hinweg geplante Regeländerung ist am Samstagabend um 23:00 Uhr Ortszeit rigoros abgeschmettert worden. Das Vorhaben der Regelhüter, das leidige Zielzeitfahren per Zufallsgenerator-System zu stoppen, ist gescheitert. Grund genug für DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck, jetzt nach Moskau schnell eine Lösung für das größte Problem der DTM 2017 zu finden.

"Wir müssen endlich im Sinne des Sports eine Lösung finden, die die Performance-Gewichte abschafft", forderte Stuck. "Der Fan will Rennfahrer sehen, die von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas geben. Es ist unser gemeinsamer Job, dies zu ermöglichen. Daher werde ich unmittelbar nach dem Rennen in Moskau die Verantwortlichen der DTM-Kommission - Hersteller, ITR und DMSB - zusammenrufen, um eine finale Lösung zu erarbeiten."

Berger fordert: Performance-Gewicht soll weg

Ob dieses Treffen wirklich zu einer Lösung führt, mit der alle Parteien einverstanden sind? Eine solch grundlegende Regeländerung mitten in der Saison dürfte kaum durchzudrücken sein, wenn sich nur ein Hersteller im politisch hochsensiblen Konstrukt DTM entschieden dagegen ausspricht. Vermutlich wird es eher auf einen weiteren Kompromiss hinauslaufen, damit zumindest bis Ende des Jahres Ruhe herrscht.

Dass der Erfolgsballast auf Dauer keine Zukunft in der Tourenwagenserie haben kann, darüber sind sich zumindest die meisten einig. Neben Stuck rief auch DTM-Boss Gerhard Berger mit sehr deutlichen Worten dazu auf, das System endlich abzuschaffen. "Ich sage seit dem ersten Rennen, dass das Performance-Gewicht weg soll", so Berger am Sonntagmittag in der ARD. "Die Zeit ist jetzt wirklich da. Wer jetzt noch nicht kapiert hat, dass der Sport, der sich als Profisport verkaufen will, nicht funktioniert, indem man jemanden mit Performance-Gewichten langsamer macht, ist doch klar."

Berger weiter, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen: "Das akzeptiert kein Fan, das akzeptiert die Motorsportwelt nicht. Da gibt es überhaupt keine Frage: Das Gewicht ist für diese Serie so teuer, das kann man nicht verantworten." Wie Motorsport-Magazin.com weiß, hat Berger vor dem Rennwochenende in Russland bereits versucht, zusammen mit den Herstellern eine schnelle Lösung zu finden. Dazu kam es aber nicht.

DMSB nimmt Hersteller in die Pflicht

Das führte den DMSB dazu, in eigener Macht eine Entscheidung zu treffen, nachdem das Gewichts-Reglement während der Saison schon mehrfach angepasst worden war. Ein Handeln, das Berger offenbar überhaupt nicht gefiel. "Für mich ist nicht ganz nachvollziehbar, warum eine Regeländerung so hätte stattfinden sollen", sagte der Österreicher. "Es war klar, dass das nicht funktionieren kann. Der DMSB ist darauf hingewiesen worden, trotzdem sollte es umgesetzt werden."

Deshalb rechnete Berger dem DMSB-Präsidenten Stuck hoch an, dass dieser den Fehler eingestanden habe. Berger: "Ich finde es toll, dass Stuck sich hinstellt und sagt: 'Wir haben einen Fehler gemacht, wir müssen das ändern. Es zeugt von Größe, dass man Fehler auch mal schnell erkennt, eingesteht und dann ändert."

Allerdings wies der DMSB ebenso darauf hin, dass die eigens durchgesetzte Variante nicht der einzige Fehler gewesen sei, auch die Hersteller nahmen die Regelhüter deutlich in die Pflicht. "Leider bargen alle bisherigen Varianten der Performance-Gewichtsregeln die Gefahr des Missbrauchs", wurde Stuck in einer DMSB-Pressemitteilung zitiert, in der weiter stand: 'Das trifft auf die von den Herstellern beantragte Variante vor dem Rennen in Budapest ebenso zu, wie auf die vom DMSB nun für Moskau zunächst präferierte Variante'.

BMW gegen schnelle Abschaffung

Das geplante Treffen der DTM-Kommission wird definitiv keine einfache Aufgabe. Es ist zu diesem Zeitpunkt und nach all den Vorkommnissen schwer vorstellbar, alle Involvierten unter einen Hut zu bringen. Das ließen die Chefs der drei Hersteller schon in Moskau durchblicken. "Das Reglement ist das Reglement", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "Danach haben wir die Autos entwickelt und so fahren wir. Jetzt einfach etwas zu ändern, da bin ich grundsätzlich dagegen."

Skepsis gab es auch seitens Mercedes-Teamchef Uli Fritz, der sich aber nicht grundsätzlich gegen eine Abschaffung aussprach: "Das Performance-Gewichts-System in der DTM macht es einiges schwieriger. Aber wir hatten auch in den letzten zwei Jahren so ein System und der Sieger wurde immer erst am letzten Rennwochenende beziehungsweise im letzten Rennen entschieden."

Audi für schnelle Abschaffung

Einzig Audi zeigte sich offen, was eine sofortige Abschaffung der Gewichte angeht. Wenn auch wohl nicht ohne Hintergedanken, schließlich gilt der Audi nicht erst seit diesem Jahr als das stärkste Auto im Feld. Das hat der bisherige Saisonverlauf deutlich gezeigt. Drei Audi-Fahrer liegen auf den vorderen vier Plätzen in der Fahrerwertung, dazu führen die Ingolstädter weiter in der Hersteller-Meisterschaft.

"Wir freuen uns, dass sich DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck mit einer klaren Aussage in die laufende Diskussion eingeschaltet hat", sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. "Seinen Ansatz, die Performance-Gewichte abzuschaffen, unterstützen wir voll und ganz. Denn das ist der Wunsch der Fans, der Fahrer, von DTM-Chef Gerhard Berger und auch von Audi - und das nicht erst seit gestern."


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