DTM

Formel-1-Gerüchte um ARD: Wechselt die DTM zu RTL?

Formel 1 in der ARD, DTM bei RTL - ein Szenario, das ab 2018 zumindest denkbar ist. ITR-Chef Gerhard Berger soll schon beim Kölner TV-Sender angeklopft haben.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wechselt die Formel 1 zur Saison 2018 von RTL zur ARD? Diese Schlagzeile ist nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen derzeit häufig in den Medien zu lesen. Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten, könnte sich das entscheidend auf die Zukunft der DTM auswirken. Das Erste war immer die Heimat der Tourenwagen - künftig die der Formelautos?

Nicht nur der F1-Vertrag mit RTL läuft zum Ende des Jahres 2017 aus, auch für die DTM ist die Zukunft derzeit offen. Schon länger wird im Fahrerlager gemunkelt, dass es zum Bruch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender kommt. Zuletzt am Norisring wollten sich die Sportchefs von Audi, BMW und Mercedes nicht konkret äußern. Das Gesamtpaket müsse stimmen, hieß es lediglich.

Berger in Gesprächen mit RTL

Ob für die DTM noch Platz wäre bei der ARD, sollte die Formel 1 wirklich kommen? Es gab bereits Gerüchte, dass die Tourenwagenserie im Gegenzug zu RTL wechseln könnte. Laut FAZ soll der neue ITR-Chef Gerhard Berger bereits Gespräche mit dem Kölner Privatsender geführt haben. Für die ITR und die Hersteller dürfte RTL eine interessante Möglichkeit sein - die grundsätzliche Reichweite und das Motorsport-Knowhow stimmen jedenfalls.

Es heißt, dass ein vollständiger Wechsel zu einem kleineren Sender wie Sport1 - das ein kleines Rechtepaket an der DTM besitzt - oder Eurosport nicht in Frage kommt. Das passe nicht zu den Premium-Ansprüchen der Serie mit den Top-Herstellern, erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand. Sollte die langjährige Partnerschaft mit der ARD ein Ende finden, kommen also gar nicht so viele Sender in Betracht.

RTL oder ZDF statt Bezahlschranke

RTL bleibt ein Thema, möglicherweise auch das ZDF. Ein Abschied hinter die Bezahlschranke wie bei Sky oder dem Streaming-Portal DAZN eher nicht. Am Ende dürfte bei den Vorständen der drei Hersteller immer noch die TV-Reichweite im Vordergrund stehen. Die wäre bei einem Pay-TV-Sender natürlich wesentlich geringer als im frei empfangbaren Fernsehen.

Interessant wird sein zu sehen, in welche Richtung Berger und die ITR tendieren. Seit einiger Zeit werden alle DTM-Rennen, Trainings, Qualifyings und sogar Pressekonferenzen live und kostenlos bei Youtube oder auf Facebook angeboten. Das hätte es vor einigen Jahren nicht gegeben. Die Serienverantwortlichen hatten allerdings bemerkt, dass das Interesse an der DTM immer weiter schwindet.

DTM weiter im Abwärtstrend

Ein Blick auf die nackten TV-Zahlen zeigt: Die DTM befindet sich weiter im Abwärtstrend. Die 18 Rennen in der Saison 2016 hatten erstmals weniger als durchschnittlich eine Million Zuschauer in der ARD. 2015 waren es noch 1,01 Millionen, im Folgejahr nur noch 0,94 Millionen im Schnitt.

Trotz der bislang durchaus spannenden Saison unter dem neuen Reglement ist es kaum besser geworden. Die bis dato acht Rennen sahen durchschnittlich 900.000 Zuschauer in der ARD. Dabei hatten die Verantwortlichen bereits Hand angelegt und endlich feste Sendezeiten für die beiden Rennen am Samstag sowie am Sonntag eingeführt.

Bestwerte ausgerechnet am Norisring

Die besten Zuschauerwerte erreichte ausgerechnet das Sonntagsrennen auf dem Norisring mit 1,47 Millionen. Dabei dürfte vor allem die späte Startzeit geholfen haben. Wegen der Tour de France wurde der Start auf 17:23 Uhr verschoben. Dumm nur, dass die ARD wegen eines Polit-Magazins das Ende nicht zeigte und damit auch nicht den epischen Zieleinlauf von Edo Mortara, Mattias Ekström und Marco Wittmann.

Das vorzeitige Ende der Übertragung schürte weitere Gerüchte, dass die ARD der DTM nicht mehr den allergrößten Stellenwert einräumt. "Das steht in keinerlei Zusammenhang", versicherte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Wenn entschieden ist, wie es mit der DTM im Ersten weitergeht, werden wir zunächst die ITR als unseren Vertragspartner und anschließend die Öffentlichkeit informieren."

Wie viel genau der Sender für die Rechte bezahlt, bleibt ein Geheimnis. Ein siebenstelliger Betrag wird vermutet, aber von keiner Seite bestätigt. Geld, das die ARD nun lieber dazu investieren würde, die Formel 1 anzulocken?


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