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DTM - Viel los in Moskau: Die Gewinner & Verlierer

Zwei Sensationen - eine Farce

Die DTM bot in Russland mehr als genug Action und Kontroversen auf und abseits der Strecke. Motorsport-Magazin.com kürt die Gewinner und Verlierer.
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Grid Girls und Crashes: Sexy Action in Moskau: (02:42 Min.)

Die Gewinner in Moskau

1. Maro Engel: 52 Anläufe hat er gebraucht, dann war es soweit: Am Sonntag gewann Maro Engel sein erstes Rennen in der DTM, gleichzeitig sein erster Podestplatz überhaupt. Unter normalen Umständen hätte der Mercedes-Rückkehrer niemals gewinnen können, doch ein früher Boxenstopp samt Safety-Car-Phase führte zum großen Erfolg. War es nur Glück? Der Zweitplatzierte Mattias Ekström dazu: "Er war schnell genug und hat auch Autos mit der gleichen Strategie überholt. Über einem Sieg in der DTM sollte nie ein Schatten liegen." Hätte das Rennen eine Runde länger gedauert, hätte Ekström den Mercedes-Fahrer vermutlich abgefangen. "Am Ende des Rennens sah ich Mattias heranfliegen, aber ich wusste nicht, dass es die letzte Runde war", sagte Engel. "Zum Glück war das Rennen in diesem Moment zu Ende."

2. Mike Rockenfeller: Wer mit Krücken auf das Podest humpelt, der muss ein Gewinner sein. So geschehen bei Mike Rockenfeller, der am Samstag mit gebrochenem Mittelfuß sensationell auf Platz zwei fuhr. Und sogar hätte gewinnen können, hätte er nicht den zu diesem Zeitpunkt Meisterschaftsführenden und Markenkollegen Rene Rast vor der Nase gehabt. Beeindruckend: Rockenfeller nutzte erstmals in seiner DTM-Karriere den rechten Fuß, um zu bremsen. Die notgedrungene Umstellung meisterte er mit Bravour. Pech hatte Rocky nur am Sonntag, als er Platz sieben nachträglich verlor, weil er das DRS an seinem Audi zu häufig benutzt hatte.

3. Bruno Spengler: Der Meister von 2012 hatte bis zum Norisring-Rennen eine schier endlose Sieglos-Serie durchlebt, bis es in Nürnberg endlich wieder klappte. Jetzt in Moskau legte Bruno Spengler nach: Platz drei im Rennen am Sonntag. Es war eine Podestfahrt schon fast mit Ansage. In den letzten vier Russland-Jahren holt Spengler fünf Podestplätze. Am Sonntag zog er in der ewigen Podest-Liste der DTM an Mercedes-Ikone Kurt Thiim vorbei. Mit 48 Podestplätzen hat Spengler die viertmeisten in der Geschichte der Serie.

4. Audi-Duo Ekström und Rast: Audi verwaltet seine Vormachtstellung in der DTM auch in Moskau. Die Stärke des RS 5 DTM-Rennwagens münzten neben Rockenfeller auch Rene Rast und Mattias Ekström um. Mit Platz 2 am Sonntag eroberte Ekström die Gesamtführung zurück, nachdem sich am Vortag Rast zum Halbzeitmeister gekürt hatte. Der Schwede führt mit 113 Punkten, DTM-Rookie Rast hat 112 Zähler auf dem Konto. Die Meisterschaftsführung erzwang Ekström am Sonntag regelrecht mit einer starken Aufholjagd. Eki: "Wenn du im Bett bleibst, machst du keine Fehler. Aber wenn du Rennen fährst und nichts riskierst, dann gewinnst du auch nichts. Wenn du die Big Points willst, musst du Risiko gehen."

5. Die neue DTM: Sensations-Sieger, Helden-Geschichten, Abwechslung an der Spitze und wieder gute, alte Tourenwagen-Action: Die DTM im Jahr 2017 bietet beste Unterhaltung wie schon lange nicht mehr. Auf der Rennstrecke. Abseits herrscht leider pures Chaos, wie die Erfolgsballast-Farce zeigt. Schade, denn die Rennen selbst waren bislang top. Gerhard Bergers Zwischenfazit nach den ersten zehn Rennen: "Alle Veränderungen haben funktioniert. Das Thema mit den kalten Reifen ist super und die Safety-Car-Restarts sind gelungen. Die Boxenfunk-Geschichte hilft. Wir haben den besten Motorsport, den es gibt. Eigentlich kann man keinen besseren Sport bieten."

Die Verlierer in Moskau

1. Erfolgsballast-Farce: Es ist der schwarze Schatten der DTM 2017: Die lächerliche Posse rund um die Erfolgsgewichte. Trauriger Höhepunkt in Moskau: Eine vom DMSB durchgesetzte Regelanpassung wurde von den Herstellern kurzerhand abgeschmettert. Die elendige Politik hinter den Kulissen hatte wieder einmal gewonnen. Mit den Gewichten macht sich die DTM seit dem Ungarn-Lauf Woche für Woche lächerlich. DMSB-Präsident Strietzel Stuck fordert jetzt eine schnelle Lösung. Zustimmung gibt es von ITR-Boss Gerhard Berger. Doch ob sich wirklich was zum Besseren ändert...

2. Nico Müller: Es war ohnehin schon kein gutes Wochenende für Nico Müller. Am Sonntag wurde es richtig schlimm. Der Schweizer wurde praktisch geopfert, damit Mattias Ekström zur Spitze aufschließen konnte. Das ist nicht verboten und seit Jahren bei allen drei Herstellern Gang und Gäbe - aber hier bekam Müller die volle Breitseite ab, musste teils böse Kommentare von Fans und auch von BMW über sich ergehen lassen. Dabei war er nur, was im Zweifel alle Fahrer sind: Erfüllungsgehilfe des Kommandostandes, in diesem Fall von Audi. Müller gilt eigentlich als Racer, die Blockade an der Spitze dürfte ihm ordentlich gegen den Strich gegangen sein. Aber wer stellt sich schon gegen seinen Arbeitgeber?

3. Maxime Martin: Der BMW-Pilot war die heimliche Überraschung der bisherigen Saison. Als alle über Auer, Rast und Ekström sprachen, schlich sich der Belgier bis auf den dritten Platz in der Fahrerwertung nach vorne. Vor allem am Norisring glänzte Maxime Martin, einer der am meisten unterschätzten Piloten in der DTM. Dann in Moskau ein böser Rückschlag, er ging komplett leer aus in den beiden Rennen. Platz 16 nach verpatztem Boxenstopp am Samstag, Ausfall nach kleinem Feuer in Folge überhitzter Bremsen am Sonntag. Damit ist Martin erst einmal aus dem Titelrennen raus - und damit auch BMW. Stattdessen liegen drei Audi-Piloten auf den ersten vier Plätzen in der Meisterschaft.

4. Strafen-Orgie in Moskau: Der Rennleitung wurde es am Wochenende nicht langweilig. Von Verwarnungen über Geldstrafen bis hin zum Wertungsausschluss: Insgesamt 13 Mal mussten die Rennkommissare in Moskau tätig werden. Ganz vorne dabei war Paul Di Resta, der allein am Sonntag drei Strafen aufgebrummt bekam: Speeding, Duval-Kollision und Disqualifikation, weil er nicht zum Wiegen erschienen war. Audi-Pilot Loic Duval sammelte gleich zwei Verwarnungen und erhöhte sein Konto auf vier. Bei BMW lief es nicht viel besser, Tom Blomqvist verlor die Sonntags-Pole, weil er für die Benzinprobe zu wenig Sprit an Bord hatte.


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