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DTM / Hintergrund

DTM Strafen: Die verrücktesten Bestrafungen der DTM-Geschichte

Motorsport-Magazin.com zeigt die verrücktesten Bestrafungen. Von Sozialdienst über Watergate bis hin zur Schieb-ihn-raus-Affäre.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Geschichte der DTM ist um eine kuriose Strafen-Geschichte reicher. Diesmal ereignete sich auf dem Lausitzring gar die längste Verhandlung in der mehr als 30-jährigen Geschichte der Tourenwagenserie. Nach wochenlangem Rätselraten wurde Mercedes-HRT-Pilot Vincent Abril nachträglich alle Punkte (21) vom Saisonauftakt in Monza aberkannt. Kurios dabei: Das Urteil fiel mehr als einen Monat nach dem Vorfall!

In Sachen Strafen ist die DTM seit jeher ganz weit vorne dabei: Motorsport-Magazin.com hat die verrücktesten Strafen in der Geschichte der Traditionsserie zusammengestellt. Von lustig über teuer bis hin zu völlig abgefahren.

Teurer Durst am Lausitzring 2018

Wasser war 2018 am Lausitzring wieder einmal Grund für eine Strafe. Diesmal erwischte es gleich zwei Piloten. Sowohl Paul Di Resta als auch Daniel Juncadella hatten direkt nach dem Rennen etwas Wasser getrunken. Erst einmal nichts verwerfliches, doch sie tranken, bevor sie sich erneut wiegen ließen.

Glücklicherweise lagen sie so deutlich über dem Gewicht, dass sie haben mussten, sodass ihnen keine Disqualifikation wegen Unterschreitung des Mindestgewichts drohte. Dennoch wollten die Stewards die beiden Piloten das Vergehen nicht ohne Konsequenzen lassen. 3000 Euro Strafe mussten die beiden Mercedes-Piloten zahlen. Das war ein ganz schön teures Wasser.

Watergate-Affäre am Norisring 2013

Mattias Ekström verlor den Sieg in Nürnberg wegen einer Wasserflasche - kurioser geht es kaum! Ekström wurde ausgerechnet von seinem Vater im Parc fermé unerlaubterweise Wasser in die Hosentasche seines Rennanzug geschüttet. Die Rennkommissare sahen dies als Vergehen gegen die Parc-fermé-Bestimmungen an und nahmen ihn deshalb aus der Wertung. Außerdem musste der Schwede 1.000 Euro Strafe zahlen, weil er das Lenkrad nicht vorschriftsmäßig befestigt hatte.

Audi ging gegen das Urteil in Berufung, scheiterte aber vor dem Sportgericht. Noch kurioser: Es gab überhaupt keinen Sieger am Norisring. Statt den Zweitplatzierten Robert Wickens sowie alle anderen Fahrer um einen Platz aufrücken zu lassen, gewann niemand das Rennen und Wickens streichte 18 statt 25 Punkten für den Sieg ein.

Die Watergate-Affäre rund um Mattias Ekström - Foto: DTM

Sozialdienst-Strafe in Hockenheim 2014

So etwas hatte es in der DTM noch nie zuvor gegeben: Bruno Spengler wurde dazu verdonnert, 3 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu vollrichten. Auslöser: Eine Kollision mit Daniel Juncadella. Die Entscheidung im offiziellen Wortlaut: "Der Fahrer wird wegen eines unsportlichen Bremsmanövers zu 3 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Abzuleisten ist die Strafe in Abstimmung mit dem DMSB." Am Ende musste Spengler seine drei Stunden Sozialarbeit im Rahmen eines Treffens von Sportwarten ableisten.

Verrückte Zeitstrafe in Spielberg 2012

So eine Strafe hatte es auch noch nicht gegeben: Bruno Spengler durfte im 1. Training auf dem Red Bull Ring 10 Minuten weniger fahren als seine Kollegen. Er verpasste somit den Start der Session und musste in der Box warten. Der Grund für diese bislang einmalige Bestrafung: Spengler hatte zuvor im Roll-Out eine gezeitete Runde erzielt, was laut Reglement nicht erlaubt ist.

Bruno Spengler wurde in Spielberg zurückgehalten damals... - Foto: BMW AG

Massen-Disqualifikation am Norisring 2016

Sonntagabend, kurz vor dem Anpfiff zum EM-Spiel zwischen Deutschland und der Slowakei - plötzlich wurden fünf Fahrer vom DTM-Rennen des Nachmittags ausgeschlossen. Der Grund: Sie waren nicht zum obligatorischen Wiegen erschienen. Gary Paffett, Daniel Juncadella, Antonio Felix da Costa, Adrien Tambay, Mike Rockenfeller fielen somit aus der Wertung raus.

Kein Zufall, dass keiner der fünf Piloten in die Punkte gefahren war. Mit dem Ausschluss wollte der DMSB hier lediglich einen Denkzettel verpassen, wie Motorsport-Magazin.com weiß. Wäre einer der Fahrer in die Top-10 gefahren, wäre der Fall anders behandelt worden. Wegen der langen Wege am Norisring war es aber nicht das erste Mal, dass ein Fahrer am Ende keine Lust hatte, beim Wiegen zu erscheinen.

Die damals höchste DTM-Strafe

Audi-Werksfahrer Hubert Haupt wurde am 15. September 1991 wegen unsportlicher und grob fahrlässiger Fahrweise im ersten von zwei Rennen auf dem Alemannenring in Singen aus der Wertung genommen. Die Startzulassung zum zweiten Lauf wurde ihm entzogen. Außerdem verhängten die Sportkommissare gegen Haupt eine Geldbuße in Höhe von 20.000 DM.

Audi suspendierte zudem Haupt für das Saisonfinale in Hockenheim und ersetzte ihn durch Walter Röhrl. Nach einem Reparaturstopp hatte Haupt den Mercedes-Titelkandidaten Kurt Thiim auf Anweisung vom Kommandostand kompromisslos von der Strecke befördert. 24 Jahre später sollte sich der Ansage-Skandal wiederholen!

Schieb-Ihn-Raus-Affäre in Spielberg 2015

Dr. Wolfgang Ullrich und Timo Scheider waren am berühmtesten DTM-Spruch ("Schieb ihn raus") der Geschichte beteiligt. "Wegen unsportlichen Verhaltens" beim Sonntagrennen des Deutschen Tourenwagen Masters am 2. August 2015 in Spielberg wurde Audi-Motorsportchef Ullrich mit sofortiger Wirkung bis zum Saisonende "der Zutritt zur Boxengasse und der aktive Zugang zum Teamfunk verboten", teilte der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) nach einer Sitzung des Sportgerichts in Frankfurt mit.

Audi-Werksfahrer Timo Scheider darf bei den beiden Rennen in Moskau nicht an den Start gehen. Sein Arbeitgeber Audi muss die Rekordstrafe in Höhe von 200.000 Euro bezahlen. Zudem werden der Marke mit den vier Ringen die beim zehnten Saisonrennen in Spielberg geholten 62 Punkte gestrichen.

Timo, schieb ihn raus... - Foto: Screenshot/sportschau.de

Arschloch-Affäre am Norisring 2016

Ein Wort kann manchmal teuer werden. 3.000 Euro musste Christian Vietoris zahlen, nachdem er Unfallgegner Mattias Ekström als das ‚allergrößte Arschloch´ bezeichnet hatte. Durchaus eine deftige Strafe, mit der der DMSB ein Zeichen setzen wollte. Seit dem Saisonbeginn wurden die Fahrer an der langen Leine gelassen, doch hier wurde eine Grenze überschritten.

Tatsächlich gibt es übrigens keinen Schimpfwörter-Katalog, nach dem sich die Strafen richten. Für ein ‚Penner´ oder ‚Idiot´ wäre Vietoris nicht bestraft worden - genauso wenig wie zahlreiche andere Fahrer, die ihre Kollegen in dieser Saison verbal angegangen waren. Die Beschimpfungen werden akzeptiert, müssen aber in einem gewissen Rahmen bleiben. Vor allem, wenn sie mittags im Fernsehen gezeigt werden.

Wehrleins Meister-Strafe in Hockenheim 2015

Pascal Wehrlein sicherte sich beim Saisonfinale in Hockenheim im ersten Rennen vorzeitig die Meisterschaft. Auf der Auslaufrunde ließ er sich von den Fans feiern, bei der Rückfahrt in die Boxengasse hatte er allerdings keine Gurte angelegt. Dafür musste der frisch gebackene Meister 3.000 Euro zahlen.

Kurz darauf beging Wehrlein den nächsten Fehler: Er hielt die Parc-fermé-Regelung nicht ein und begab sich nicht unmittelbar nach dem Aussteigen zum Wiegen - sondern sprang dem Mercedes-Pressesprecher in die Arme. Machte noch mal 2.500 Euro und banges Zittern beim Pressesprecher, der kurzzeitig fürchtete, dass er Wehrlein damit um den Titelgewinn hätte bringen können.

Auf diesem Bild sehen Sie 2.500 Euro Strafe - Foto: Speedpictures

Hastiger Häkkinen in Barcelona 2007

Für einen Crash wurde Mike Häkkinen seinerzeit ordentlich zur Kasse gebeten. 20.000 Euro Strafe bekam er für den Unfall mit Martin Tomczyk aufgebrummt. Eine deftige Bestrafung, doch für Häkkinen kam es noch härter. Weil er die Entscheidung der Rennleitung nicht abwartete, sondern vorzeitig die Strecke verließ, musste er weitere 2.000 Euro zahlen. Eine Strafversetzung um 10 Plätze für das folgende Rennen gab es obendrauf.

Audi-Teamorder: Im Sinne des Sports...

Die Audi Sport Teams Abt Sportsline und Phoenix Racing wurden am 31.7.2009 im Vorfeld des DTM-Rennens in Oschersleben von den Sportkommissaren des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) wegen nicht erlaubter Teamorder beim DTM-Rennen am 19.7.2009 in Zandvoort zu einer Geldstrafe in Höhe von je 25.000 Euro verdonnert, von denen jeweils 20.000 Euro auf Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem erhielt Mattias Ekström (Audi) eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, durch die er vom zweiten auf den dritten Platz zurückversetzt wurde. Diese Entscheidung hatte für Ekström auch den Verlust von zwei Meisterschaftspunkten zur Folge. Die beiden ebenfalls an der Teamorder beteiligten Audi-Piloten Alexandre Prémat und Oliver Jarvis wurden lediglich verwarnt.

Ekström hatte in der Schlussphase des Rennens in Zandvoort seine beiden Markenkollegen Prémat und Jarvis ohne Gegenwehr überholen können. Audi Sport akzeptierte die Strafe und verzichtete "im Sinne des Sports" auf eine Berufung. Für die Zukunft empfahl Audi dem DMSB, den Passus "Stallregie" im DTM-Reglement präziser zu formulieren, damit genau definiert ist, wo die Grenze zwischen Strategie und Stallregie verläuft. Der zu Saisonbeginn 2008 wegen Verzerrung des Wettbewerbs ins DTM-Reglement aufgenommene Passus "Stallregie (Teamorder), die das Rennergebnis verfälscht, ist verboten", wurde zu Saisonbeginn 2013 wie auch in der Formel 1 wieder aus dem Reglement gestrichen.

Stinkefinger-Affäre am Lausitzring 2013

Immer wieder Bruno, immer wieder Eki! Bruno Spengler lieferte sich am Lausitzring bis zuletzt ein heftiges Rad-an-Rad-Duell mit Mattias Ekström. Beim harten Kampf bis zur Ziellinie wurde es dem BMW-Piloten irgendwann zu bunt - er zeigte Ekström aus dem Auto heraus den Mittelfinger. Für den Stinkefinger wurde Spengler mit 1.000 Euro Strafe zur Kasse gebeten. Rivale Ekström damals: "Das zahlt der doch aus der Portokasse."

Handshake am Lausitzring 2012

Keine direkte Strafe, aber unsäglich genug, um in dieser Auflistung auftauchen zu müssen. Bruno Spengler und Ralf Schumacher kollidierten beim Saisonstart in Hockenheim. Der BMW-Pilot war fuchsteufelswild und sagte: "Wenn ich Ralf sehe, werde ich ihm ein paar Worte sagen! Das war eine Harakiri-Aktion. Er hat uns damit unser Rennen kaputt gemacht."

In dieser turbulenten Zeit nach dem BMW-Einstieg wurden solche Szenen überhaupt nicht gern gesehen. Folge: In der Lausitz wurden Spengler und Schumacher quasi dazu verdonnert, ein Handshake-Foto in der BMW-Hospitality zu machen, um zu zeigen, dass alles in Butter sei. Wohl eines der unrühmlichsten Bilder in der Geschichte der Tourenwagenserie...

Spengler und Schumacher: Ziemlich beste Freunde - Foto: BMW AG