Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

DTM-Kommentar zu Sprit-Gate: Transparenz geht anders

34 Tage nach dem eigentlichen Vorfall wird ein DTM-Fahrer hart bestraft. Der Weg zur Rekord-Verhandlung war höchst nebulös. Ein Kommentar.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Länger dauert nur die Papstwahl... Geschlagene acht Stunden (DTM-Rekord!) lief am Freitag auf dem Lausitzring die Verhandlung, die letztendlich den HRT-Mercedes-Piloten Vincent Abril alle 21 gesammelten Punkte kostete. Und zwar die vom Saisonauftakt in Monza!

Korrekt gelesen, jenes Rennwochenende und gleichzeitiger Saisonauftakt, der ganze 34 Tage zurückliegt. Und der größte Witz an dieser 'Unendlichen Geschichte': Sie ist noch nicht beendet. Das betroffene Team HRT des früheren DTM-Fahrers Hubert Haupt hat - für Szene-Kenner seit Wochen wenig überraschend - Berufung gegen den Wertungsausschluss angekündigt.

Bedeutet konkret: Das Verfahren bleibt schwebend, womit sowohl die Rennergebnisse aus Monza als auch die des anstehenden Rennwochenendes in der Lausitz vorläufig bleiben, bis ein finales Urteil gefällt werden kann. Sofern dann nicht noch andere Teams eine Berufung einlegen und wir - etwas überspitzt ausgedrückt - einen finalen Meisterschaftsstand erst nach dem Saisonende erwarten können.

Ob die Verantwortlichen nicht schon vor der Verhandlung damit gerechnet haben, dass sich das Verfahren noch weiter in die Länge ziehen könnte? Oder, warum der Vorfall erst 34 Tage später verhandelt wurde, statt - wie möglich und schon X-mal praktiziert - viel früher Klarheit zu schaffen? Warum nicht einmal das betroffene Team HRT genau wusste, worum es geht? Oder auch, warum im Vorfeld mit Ausnahme einer völlig nebulösen Pressemitteilung des AvD keinerlei Informationen über den Vorfall bekanntgegeben wurden?

All das sind Fragen, die wir dem Automobilclub von Deutschland (AvD), der seit dieser Saison der sportliche Ausrichter der DTM ist, im Vorfeld der Lausitzring-Verhandlung gestellt hatten, um zu verstehen, wie es zu diesem in der über 30-jährigen Geschichte der DTM einmaligen Vorfall kommen konnte.

Hier hatten es die Verantwortlichen ganz offensichtlich ähnlich eilig wie bei der Verhandlung selbst, als es auf Nachfrage hieß, dass man unsere Fragen erst nach (!) dem Urteil beantworten wolle...

Als am 28. Juni und damit neun Tage nach dem Vorfall in Monza die AvD-Pressemitteilung mit der wenig aussagekräftigen Information ins Haus trudelte, dass wegen eines schwebenden Verfahrens "das Ergebnis des Qualifying 1 am Samstag beim DTM-Auftakt in Monza aus sportrechtlichen Gründen noch nicht finalisiert werden" könne, schwante DTM-Experten bereits Böses.

Die Sorgen und Zweifel sollten sich jetzt bewahrheiten. Ein in vielen Belangen höchst unglücklicher Einstand für den AvD als neuen sportlichen Ausrichter der DTM, die nach den Hersteller-Ausstiegen und dem Wechsel auf ein GT3-Reglement doch eigentlich mit größtmöglicher Transparenz in der Öffentlichkeit punkten wollte.