Nach wochenlangem Hin und Her ist es nun beschlossen: In der WEC-Saison 2026 wird kein einziger Porsche 963 in der Hypercar-Klasse an den Start gehen. Nachdem das Werksteam seinen Rückzug bereits im Oktober verkündet hatte, zieht jetzt auch das Kundenteam Proton Competition zurück. Trotz Verhandlungen mit Fahrzeuglieferant Porsche und umfangreicher Bemühungen habe sich laut Teambesitzer Christian Ried keine Lösung für eine Fortsetzung des Programmes finden lassen. In der IMSA-Serie ist für Proton ebenfalls Feierabend.
"Wir möchten uns bei allen Partnern und Unterstützern bedanken, die in den vergangenen Wochen so hart dafür gekämpft haben, dieses Projekt auf die Beine zu stellen", wurde Ried in einer Pressemitteilung des Teams zitiert. "Wir haben unser Bestes getan, leider war es nicht möglich, eine Lösung mit Porsche zu finden. Die Langstrecke hat immer zur DNA des Herstellers gehört. Auch das war ein großer Ansporn für uns, eine Einigung mit Porsche zu erzielen."
WEC: Fristverlängerung für Proton bringt keine Lösung
Ried bedankte sich bei seinen Partnern wie Ferdi Porsche mit dem Unternehmen F.AT. und ebenso bei den WEC- und Le-Mans-Veranstaltern: "Auch der ACO und LMEM haben uns bis zum Schluss darin unterstützt, einen Verbleib in der FIA WEC zu ermöglichen." Nach unserem Verständnis hatte der ACO dem Proton-Team infolge des Werks-Ausstieges eine Fristverlängerung eingeräumt, denn die Einschreibung für die Saison 2026 endete bereits am 27. November. Eine offizielle Starterliste ist noch immer nicht veröffentlicht worden, was diese Annahme untermauert.
Laut Fahrerlager-Gerüchten hatte Teameigner Ried eine Zusammenarbeit mit Roger Penske, dessen Team für Porsches Werkseinsätze in der WEC und IMSA zuständig ist, angestrebt. Das wäre einer Win-Win-Lösung gleichgekommen: Proton Competition hätte weiterhin in der WEC an den Start gehen können, während Penskes Traum, zum ersten Mal die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen, weitergelebt hätte.
Zur Erklärung: Porsche-Penske steht dank des diesjährigen und wiederholten Titelgewinns in der IMSA ein automatischer Le-Mans-Entry für 2026 zu. Der greift aber nur, wenn mindestens zwei Porsche 963 in der kompletten WEC-Saison eingeschrieben sind. Diese Auflage wäre durch ein zusätzliches zweites Proton-Auto erfüllt gewesen. Allerdings hätte Porsche als Hersteller eine Einschreibegebühr im mittleren sechsstelligen Bereich für das Kundenteam zahlen und die Ersatzteileversorgung sicherstellen müssen.
Roger Penskes Traum vom Le-Mans-Sieg rückt in weite Ferne
Zuvor gab es Spekulationen, dass der 88-jährige US-Milliardär Penske in der WEC sogar einen Alleingang mit einem Penske-Privatteam starten könnte. Ein solches Unterfangen des einflussreichen und ehrfürchtig als 'Captain' bezeichneten Roger Penske wäre aus politischer Sicht allerdings heikel gewesen, weil sein Team ja weiterhin die Werkseinsätze für Porsche in der IMSA-Serie stemmen wird.
"Wir haben uns letzte Woche mit Roger Penske darauf verständigt, diese Pläne nicht weiterzuverfolgen", sagte Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach bereits Mitte November zu Motorsport aktuell. "Wir haben alle Szenarien geprüft, um Roger Penske zu helfen, und sind zu der Einschätzung gelangt, dass ein privates Team mit Beteiligung von Penske als Porsche-Rückkehr durch die Hintertür gewertet werden könnte und gleichzeitig das, was wir in den letzten drei Jahren in der WM als Werksteam erreicht haben, verwässern würde - besonders auch mit Blick auf einen Werkseinsatz in Le Mans."
Proton Competition und Porsche: WEC-Aus nach drei Jahren
Roger Penske hatte das zurückliegende WEC-Saisonfinale in Bahrain besucht und soll dort intensive Gespräche mit dem ACO geführt haben. Da sei die Zeit für den Aufbau eines umstrukturierten Kundenteams allerdings schon viel zu knapp gewesen, meinten Porsche-Insider. Penske war Ende November nicht bei der Porsche Night of Champions in Weissach zu Gast, nachdem er die Veranstaltung in den Vorjahren stets besucht hatte. Gründe für seine Abwesenheit sind nicht bekannt.
Proton Competition stieg zur Mitte der Saison 2023 mit einem einzelnen Kunden-Porsche 963 in die WEC ein. Der Schweizer Neel Jani zählte stets zum Fahrerkader. "Manchmal sind Dinge schwierig zu verstehen, wenn alles bereit gewesen war, um 2026 Rennen zu fahren", kommentierte Jani das Proton-Aus in den sozialen Medien. "Danke an Proton für die letzten drei Jahre. Es ist schade, dass es euch verwehrt worden ist, weiterhin mit einem Hypercar in der WEC teilzunehmen."
In der abgelaufenen Saison teilte sich der frühere Porsche-Werkspilot das Cockpit mit Nico Pino und Nico Varrone. Das beste Ergebnis des Teams in der WEC war der fünfte Platz beim 6-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps 2024 durch Jani und Andlauer, der im Folgejahr ins Werksteam aufstieg. Proton setzt in der WEC zudem zwei Ford Mustang GT3 in der LMGT3-Klasse ein.
Was hinter den Plänen von Porsche steckt, den amtierenden DTM-Champion Ayhancan Güven 2026 in der WEC auf einem GT3-Porsche einzusetzen, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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