Mit Lamborghini hat sich zum ersten Mal seit dem Beginn der Hypercar-Ära 2021 ein namhafter Autohersteller von der Langstrecke verabschiedet. Offiziell "pausieren" die Italiener ihr LMDh-Projekt nur. Was das wirklich im Motorsport bedeutet, kann sich wohl jeder vorstellen.

Lamborghinis Weg in der WEC und in der IMSA war von Beginn an holprig wie der Flugplatzkurs in Sebring. Aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft verabschiedete sich der Luxusautobauer Ende 2024 nach nur einer einzigen Saison. Und in der US-amerikanischen IMSA-Serie ist Ende 2025 nach zwei Jahren Feierabend, Scusi, "Pause". Nennenswerte Erfolge? Fehlanzeige.

Lamborghinis Aus bleibt ein hausgemachter Einzelfall

Steigt ein Hersteller aus einer Werkssport-Rennserie aus, schrillen meist die Alarmglocken: Folgen weitere Marken diesem Beispiel? Derartige Abwanderungen haben wir bereits in der DTM und vor allem in der Formel E erlebt. Im Falle von Lamborghini traue ich mich allerdings zu sagen: Das bleibt ein Einzelfall.

Die Italiener haben sich nicht verabschiedet, weil a) die allgemeinen Kosten der Rennserie zu hoch sind oder b) die WEC/IMSA an Relevanz verloren haben oder c) die Rahmenbedingungen aufgrund der krisenbehafteten Balance of Performance einfach nicht passen. Nein, stattdessen war das Lambo-Projekt von Beginn an auf wackligen Beinen gebaut und wurde zuletzt mehrfach weggegrätscht.

Denn: Ohne den einstigen Teampartner namens Iron Lynx hätte es das LMDh-Engagement von Lamborghini vermutlich niemals gegeben. Der italienische Rennstall um die Lebenspartner sowie Motorsport-Enthusiasten Deborah Mayer und Claudio Schiavoni steuerte einen signifikanten Teil zum benötigten Millionenbudget hinzu. Als sich Ende 2024 die Wege zwischen Iron Lynx, seit 2021 übrigens Besitzer von Prema Racing, und Lamborghini trennten, war das Projekt eigentlich schon zum Scheitern verurteilt.

Über die Gründe schweigen sich beide Parteien bis heute aus. Was ebenfalls nicht half: Eine verpflichtende Vorgabe des WEC- und Le-Mans-Veranstalters ACO Mitte 2024, dass alle Hypercar-Hersteller schon ab der Saison 2025 zwei Autos an den Start bringen müssen. Lamborghini war mit einem Fahrzeug gestartet und hatte eine Verdoppelung erst zu einem späteren Zeitpunkt angepeilt. Ein Gesuch aus Italien schmetterte der mächtige ACO ab.

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Millionenkosten und extremer Aufwand: Zu viel für Lamborghini

Es ist Lamborghini mit seiner vergleichsweise kleinen Motorsportabteilung Squadra Corse (ca. 30 Mitarbeiter) sogar hoch anzurechnen, für 2025 zumindest einen IMSA-Start bei den großen Rennen von Daytona bis Petit Le Mans auf die Beine gestellt zu haben. Nach dem Aus von Iron Lynx fanden die Lambo-Bosse mit dem erfahrenen US-Team Riley kurzfristig einen Nachfolger, aber: Lamborghini musste plötzlich die kompletten Kosten für den millionenschweren Einsatz stemmen.

Es war von Beginn an klar: Ohne finanzielle Unterstützung eines Teams oder großen Sponsors geht es nicht weiter. Der Prototypen-Sport mit seinen kostenintensiven Weiterentwicklungen ist für die Squadra Corse alleine nicht zu stemmen. Nicht zuletzt, weil die Italiener mit dem neuen Lamborghini Temerario GT3 an einem weiteren Motorsportprojekt arbeiten, das viele Ressourcen bindet. Die bereits in die Wege geleiteten Updates für den von Beginn an übergewichtigen LMDh-Boliden sind jetzt für die Tonne.

IMSA, 24h Daytona, #63, Lamborghini, Mirko Bortolotti, Romain Grosjean, Daniil Kvyat, Edoardo Mortara
Der Lamborghini SC 63 war häufig von technischen Problemen geplagt, Foto: Motorsport-Magazin.com

Lamborghini geht - BMW, Porsche und Co. bleiben

Lamborghinis Langstrecken-Aus ist also ein hausgemachter Einzelfall - kein Fingerzeig für potenzielle Nachahmer. Ganz im Gegenteil: Der BMW-Vorstand hat jüngst grünes Licht für eine mehrjährige Fortführung des LMDh-Programmes in der WEC und IMSA gegeben. Prompt folgte ein Doppelsieg beim IMSA-Rennen auf der Road America: Philipp Eng und Dries Vanthoor bescherten BMW den erst dritten Triumph seit dem Einstieg 2023.

Und auch bei Erfolgs-Marke Porsche stehen die Zeichen trotz schwieriger Konzern-Geschäftszahlen ganz klar auf Fortsetzung in den kommenden Jahren. Dass selbst Peugeot trotz ausbleibender Erfolge langfristig in der WEC bleiben will und sogar die Entwicklung eines neuen Hypercars anpeilt, zeigt, wie attraktiv der Prototypen-Sport derzeit ist. Mit Hyundais Edelmarke Genesis (2026) sowie Ford und McLaren (2027) stehen drei weitere Hersteller in den Startlöchern, um die Lamborghini-Lücke mehr als nur zu füllen.