BMW hat jüngst mit sämtlichen Spekulationen aufgeräumt und sich zur Zukunft im Langstrecken-Sport bekannt. Der Autobauer aus München wird auch in den kommenden Jahren bei der WEC sowie der US-amerikanischen IMSA-Serie an den Start gehen. Wie sieht es unterdessen bei Porsche aus, dem zweiten deutschen Hersteller, der LMDh-Prototypen in den beiden wichtigsten Endurance-Rennserien einsetzt?
Immer wieder schwappen vornehmlich Gerüchte aus den USA über den großen Teich, dass Porsche angeblich eines oder mehrere seiner Engagements komplett einstampfen könnte. Oder, dass Teampartner Penske Motorsport die Kontrolle über die Einsätze in der WEC und/oder IMSA übernehmen könnte und sich Porsche durch die Hintertür verabschiedet. Derartige Spekulationen sind gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für die Automobilbranche Gang und Gäbe.
Porsche-Motorsportchef Laudenbach: "Das ist ein komplettes Gerücht"
Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach wies Vermutungen in diese Richtung entschieden zurück. "Da weiß 'Radio Fahrerlager' deutlich mehr als ich", sagte er vor Kurzem zu Motorsport-Magazin.com. "Ganz klare Antwort: Das ist ein komplettes Gerücht. Es gibt absolut nichts in diese Richtung. Es gibt keinen Beschluss, irgendetwas nicht mehr zu machen. Es gibt genehmigte Projekte."
Es sei bei Porsche üblich, die diversen Motorsport-Programme jährlich auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, wie die Serien aufgestellt sind. Das geschehe auch im Austausch mit Porsches Chefetage. Laudenbach erklärte: "Im Porsche-Vorstand gibt es ein ganz klares Commitment zum Motorsport. Dass wir regelmäßig darüber sprechen, wie viel wir machen und was genau, halte ich für absolut richtig."

Porsche-Motorsportschef Thomas Laudenbach in der WEC
Laudenbach über Porsches Zahlen: "Das heißt nicht, dass wir irgendwo aussteigen"
Apropos wirtschaftlich schwierige Zeiten: In den vergangenen Tagen sorgte Porsche für Negativ-Schlagzeilen mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal 2025. Im Tagesgeschäft verdiente Porsche nur noch 154 Millionen Euro nach rund 1,7 Milliarden ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Minus von knapp 91 Prozent. Der Umsatz der Zuffenhausener sank dabei um rund 12,9 Prozent auf gut 8,3 Milliarden Euro.
Porsche-CEO Oliver Blume führte den schwierigen Markt für Luxusautos in China, die Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump und den Umbau hin zur Elektromobilität an. Gleichzeitig hoffte Blume auf ein positives wirtschaftliches Momentum für das Jahr 2026. Die besorgniserregenden Geschäftszahlen bleiben natürlich auch Porsches Motorsportabteilung nicht verborgen. Es gilt im Allgemeinen: Stimmen die Zahlen nicht, steht der Motorsport stets ganz weit oben auf der Streichliste.
"Natürlich spielen auch veränderte Rahmenbedingungen eine Rolle - und ja, das ist ein Argument, das wir in die Bewertung mit einbeziehen", sagte Porsche-Motorsportchef Laudenbach. "Aber das heißt nicht, dass wir irgendwo aussteigen. Es gibt aktuell keinerlei Entscheidung in diese Richtung."

Porsche reitet auf Erfolgswelle in IMSA und WEC
Aus rein sportlicher Sicht würde ein Ausstieg aus der WEC und/oder IMSA überhaupt keinen Sinn ergeben. Porsche räumte 2024 im zweiten Einsatzjahr des 963 LMDh auf ganzer Linie ab: In der WEC gewannen die Porsche-Piloten Andre Lotterer, Kevin Estre und Laurens Vanthoor die Fahrer-Weltmeisterschaft. Der 963 errang drei Siege in den acht Rennen, stand elfmal auf dem Podium und fuhr zu drei Pole Positions.
Ähnlich erfolgreich trumpfte der rund 700 PS starke Hybrid-Prototyp in der US-Sportwagenmeisterschaft IMSA auf. Vier der neun Siege gingen an den deutschen Sportwagenbauer, dazu 13 Podestplatzierungen. Felipe Nasr und Dane Cameron gewannen die Fahrer-Meisterschaft, Porsche-Penske die Teamwertung und Porsche selbst den Hersteller-Titel. Drei weitere Titelsiege im IMSA Michelin Endurance Cup rundeten die beeindruckende Bilanz in den USA ab.
Dieses Jahr setzt Porsche seine Erfolgsserie in der IMSA nahtlos fort, angefangen mit dem 20. Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Daytona. Es folgten drei weitere Siege am Stück in Sebring, Long Beach und Laguna Seca. Porsche führt drei Rennen vor Schluss die Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung an. In der WEC konnte Porsche bislang nicht an die Erfolge aus der Vorsaison anknüpfen, ärgerte die dominanten Ferrari aber immerhin mit Platz zwei bei den 24 Stunden von Le Mans.
Laudenbach wünscht sich Cost Cap für Langstrecke
Die Erfolge für Porsche und Co. in der 'Goldenen Ära' des Langstrecken-Motorsports kommen natürlich nicht ohne Preisschild, wenngleich es wegen der globalen Sportwagen-Konvergenz nie zuvor günstiger war, bei Klassikern wie den 24 Stunden von Le Mans, Daytona oder Sebring um Gesamtsiege kämpfen zu können.
Längst wird in der WEC über die Einführung einer Kostendeckelung diskutiert. Einerseits um Geld zu sparen, aber auch, um dem leidigen Dauer-Thema namens Balance of Performance Herr zu werden.
Laudenbach: "Ein Cost Cap ist in der Umsetzung sehr aufwendig, aber ich bleibe ein großer Befürworter. Die BoP wird immer ein schwieriges Thema bleiben. Bei den GT-Fahrzeugen ist sie alternativlos, weil jeder von einem anderen Straßenfahrzeug kommt. Ein Cost Cap ist eine echte Herausforderung, aber wenn ich mir etwas wünschen darf - ohne an die Umsetzung zu denken - dann wäre es ein Cost Cap mit einem Reglement, das gewisse Freiheiten erlaubt und zur Grundidee passt."



diese WEC Nachricht