Hatte Max Verstappen vor ein paar Monaten erst einmal ein Pflicht-Programm absolviert und auf dem Nürburgring vorgefühlt, wird es 2026 jetzt so richtig ernst für ihn. Er wird beim berühmten 24h-Rennen antreten, und zur Vorbereitung mindestens ein Rennen der Nordschleifen-Serie NLS bestreiten. Motorsport-Magazin.com fasst zusammen, was es über die Serie zu wissen gilt.

Was genau ist die NLS? Die Nürburgring Langstrecken Serie erklärt

Zum Einstieg klären wir die Grundlagen. NLS steht für Nürburgring Langstrecken-Serie und ist genau das, wonach es klingt: Eine Langstrecken-Serie, welche ausschließlich Rennen auf der berühmten Nürburgring Nordschleife austrägt. Jedes dieser Rennen dauert 4 Stunden, bis auf eine sechsstündige Ausnahme (Rennen 7 am 1. August). Gefahren wird stets auf der kompletten Nordschleife plus der Kurzanbindung der modernen Grand-Prix-Strecke, mit Ausnahme der zwei Qualifying-Rennen für das berühmte 24-Stunden Rennen. Diese nutzen auch die komplette GP-Strecke.

DatumRennen
14.03.2026NLS1 (abgesagt)
21.03.2026NLS2 (4 Stunden)
11.04.2026NLS3 (4 Stunden)
18.04.202624h Nürburgring Qualifier 1 (4 Stunden)
19.04.202624h Nürburgring Qualifier 2 (4 Stunden)
20.06.2026NLS6 (4 Stunden)
01.08.2026NLS7 (6 Stunden)
12.09.2026NLS8 (4 Stunden)
13.09.2026NLS9 (4 Stunden
10.10.2026NLS10 (4 Stunden)

Sind die 24h Nürburgring Teil der NLS?

Die 24h Nürburgring selbst gehören allerdings nicht zum NLS-Kalender. Sie sind ein eigenständiges Event, welches 2026 vom 14. bis 17. Mai stattfinden wird. 24h-Teilnehmer nutzen aber üblicherweise eine Auswahl an NLS-Rennen, um sich auf den Langstrecken-Klassiker vorzubereiten.

Wie ein Rennwochenende der NLS abläuft

Weil die NLS sich als Breitensport-Serie versteht, welche auch Hobby-Rennfahrern die Chance auf Teilnahmen geben will, sind NLS-Wochenenden sehr kompakt. Das eigentliche Event, sprich die kompetitive Action auf der Strecke, beschränkt sich stets nur auf einen Tag. Standard-Format ist ein Qualifying von 08:30 Uhr bis 10:00 Uhr, eine kurze Pause, und dann schon der Start um 12:00 Uhr. Fast alle Events finden an einem Samstag statt.

Wie viele Autos fahren in der NLS mit - und wie funktioniert das mit Klassen?

Wie bereits angemerkt ist die NLS Breitensport. Und weil der Nürburgring viel Platz bietet, kann man auch viel zulassen. Mehr als 100 Autos pro Rennen sind normal. Geordnet wird das alles in Klassen, damit jeder auch ähnliche Konkurrenz hat, gegen die er fahren kann. Weit über 20 Klassen gibt es, in denen man ein Auto nennen kann. Sie decken fast alles ab: Reinrassige GT3-Autos (Klasse SP9), Konzepte (SP-X), alternative Kraftstoffe (AT), bis zu für die Rennstrecke modifizierte Produktionswägen mit weniger als 190 PS (V3).

In welcher Klasse sind die schnellsten Autos in der NLS - und Max Verstappen - zuhause?

Wer nicht nur mit seinen NLS-Klassenkameraden kämpfen will, sondern auch den Gesamtsieg im Visier hat, der sollte sich, wie Max Verstappen, um einen Platz in der Klasse SP9 bemühen. Hier werden nämlich GT3-Rennwägen eingeordnet, die überall auf der Welt im GT-Sport eingesetzt werden. Verstappen im Mercedes AMG GT trifft auf Autos wie Porsche 911 GT3, BMW M4 GT3, Ferrari 296 GT3 und mehr.

Zumindest im Hinterkopf behalten sollte man nebenbei aber noch die Klasse SP-X. Hier werden experimentelle Autos eingeordnet, die noch nirgends allgemein homologiert wurden und daher Sonder-Zulassungen brauchen. Oftmals sind das genauso schnelle GT3-Prototypen, oder verrückte Spezial-Anfertigungen. 2026 findet man hier etwa einen nach GT3-Vorgaben entwickelten BMW M3 Touring-Kombi, oder ab NLS 3 am 11. April den HWA EVO.R.

Worum handelt es sich bei der berüchtigten "Balance of Performance"?

Sicherlich oft werden wir die Worte "Balance of Performance" hören. Wer aus dem Formel-1-Umfeld kommt, mag davon noch nie gehört haben. Da im Sportwagen-Sport sehr viele unterschiedliche Konzepte antreten, versuchen die Regelhüter hier, mittels technischer Maßnahmen die Autos aneinander künstlich anzugleichen, damit alle unter dem Strich eine ähnliche Performance bieten und jeder eine faire Chance auf den Sieg hat.

Die wesentlichen Stellschrauben sind hier Gewicht, Tank-Größe, Luftmengen-Begrenzer, Ladedruck, Heckflügel-Setup, Anstellwinkel und Sturz der Aufhängung. Selbst wenn wie in der NLS die Autos aber nur auf einer Strecke fahren, so bemühen sich Teams auch oft, gerade in den ersten Rennen sich unauffällig zu verhalten, um eine vorteilhafte "BoP" für das 24-Stunden-Rennen zu erhalten. So bleibt die "BoP" auf immer und ewig ein Quell steter Streitereien.

Jedes NLS-Rennen hat nicht einen Start - sondern drei

Weil das Starterfeld in der NLS so groß ist, bedeutet das auch ein ungewöhnliches Start-Prozedere. Gestartet wird grundsätzlich fliegend. Um das Feld besser zu strukturieren, wird es in drei Gruppen aufgeteilt. Die schnellsten Klassen, mit den SP9-GT3-Autos ganz vorn, eröffnen um 12:00 Uhr. Dann folgen die mittelschnellen Klassen, dann die langsamen Klassen, gestaffelt mit ein paar Minuten Unterschied.

Beinahe-Crash am Start zwischen Max Verstappen, Christian Krognes und Tim Heinemann
Start bei der NLS, Foto: IMAGO / GruppeC Photography

NLS-Sicherheit: Tempolimit und Code-60 statt Safety Car und roter Flagge

Die Länge der Nordschleife zwingt die NLS beim Thema Sicherheit auch andernorts, Probleme anders zu handhaben als andere Rennserien. So wird für Unfälle, liegengebliebene Autos und dergleichen hier nicht gleich die ganze Strecke neutralisiert, sondern nur der Bereich des Zwischenfalls. Zwei Methoden gibt es: Doppelgelbe Flaggen bedeuten ein verpflichtendes Verlangsamen auf 120 km/h. Violette Flaggen bedeuten "Code-60", ein Limit von 60 km/h.

Außerhalb der Zonen läuft das Rennen ganz normal weiter. Hin und wieder werden einem im Rennen zwangsweise auch "Intervention Cars" begegnen, die zu den Zwischenfällen unterwegs sind, oder sogar Abschlepplaster oder Unimogs mit neuen Leitplanken. Auch das ist ganz normal - diese werden üblicherweise mit einfachen gelben Flaggen angezeigt, halten sich rechts, und dürfen überholt werden.

Wer die Tempolimits missachtet, wird hier sehr schnell sehr hart bestraft. Eine Überschreitung von weniger als 15 km/h bedeutet bereits 45 Sekunden Stop-and-Go. Wer mehr als 65 km/h zu schnell ist, dem wird sofort die Nordschleifen-Permit entzogen, welche für einen Start auf der Strecke verpflichtend ist. Dieser Fahrer darf entsprechend im weiteren Rennverlauf auch nicht mehr ins Auto.

Wie viele Autos stehen bei der NLS in einer Garage?

Bei über 100 Autos ist es nicht überraschend, dass es hier nicht wie bei "normalen" Rennserien in den Garagen zugeht. Um alle unterzubringen, müssen sich bis zu sechs Autos eine Garage teilen. Die vorgenommene Einteilung erfolgt meist möglich nach Teams, oder auch so, dass es unterschiedliche Klassen in einer Garage sind. Das soll vorbeugen, dass alle gleichzeitig in der Box sind.

Die Basics der Boxenstopp-Regeln in der NLS

Die Boxenstopps selbst sind in der NLS keine einfache Sache, und im modernen Motorsport ziemlich einzigartig. Getankt wird erst einmal an äußerst konventionellen Zapfsäulen in der Boxengasse. Und die Choreografie sieht auf den ersten Blick ungewöhnlich und ineffizient aus: Niemand hat es eilig, oft werden die Autos von den Mechanikern auch ganz entspannt in andere Stellpositionen umgedreht.

Der Hintergrund: Um Stress und Gefahren vorzubeugen, gibt es ein komplexes Reglement der Mindest-Boxenzeiten, also von Einfahrt- bis Ausfahrtlinie. Das Minimum hängt grundsätzlich davon ab, wie viele Runden man im Stint davor gefahren ist. Wer die genaue Sekundentabelle für die SP9-Klasse lesen will, kann das hier tun. Um es anhand gewöhnlicher GT3-Stintlängen zu verdeutlichen: Wer nach 6 Runden wieder stoppt, muss 154 Sekunden brauchen. Nach 8 sind es bereits 194.

Wer früher stoppt, steht also kürzer, und kann dadurch kurzfristig auf der Strecke Positionen gewinnen, was das Klassement während des Rennens teils etwas durchwürfeln kann. Um es fair zu halten, wird das System ab 69 Minuten vor Rennende aber umgekehrt. Ab da wird das Minimum von der verbleibenden Rennzeit bestimmt und mit jeder verstrichenen Minute ein paar Sekunden verkürzt. Autos, die davor einmal früher stoppten, büßen hier ihren Vorteil also wieder ein.

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