MotoGP / Kolumne

Steve Jenkner: Mugello: Kaum zu übertreffen

Der Ort, die Stimmung und dann noch drei großartige Rennen. Für Steve Jenkner war das Mugello-Wochenende wieder ein Saison-Highlight.
von Steve Jenkner

Motorsport-Magazin.com - Mugello war in den vergangenen Jahren schon immer ein tolles Rennwochenende. Und mit drei Rennen wie an diesem Wochenende ist es kaum noch zu übertreffen. Der Ort an sich hat ja schon seine eigene Stimmung, da er in einem Tal liegt. Dadurch wird auch der ganze Rummel, den die Fans veranstalten, doppelt so laut ins Fahrerlager und auf die Strecke getragen. Wenn dann noch die italienischen Fahrer solche Leistungen abliefern wie bei diesem Mal, dann brennt das Tal.

Valentino Rossi hat wieder einmal ein Spitzenrennen abgeliefert. Der Fehler, der ihm während des Rennens passiert ist, als gleich vier Fahrer an ihm vorbeigeschlüpft sind, kann schnell passieren. Es war zwar eine nette Idee von ihm, Loris Capirossi durchzulassen, aber speziell auf der langen Geraden werden die Abstände durch den Windschatten sehr, sehr knapp. Wenn man dann einen Meter später bremst und glaubt es ist genügend Platz zwischen dem Fahrer direkt hinter einem und dem Übernächsten, der Platz aber dann doch nicht da ist, dann rutschen gleich einmal ein paar Gegner durch. Ich glaube gar nicht, dass man das wirklich so gut timen kann, dass man nur einen durchlässt. Dafür hat Valentino sich dann wieder in seiner typischen Art nach vorne gekämpft. Wahrscheinlich hat ihm das dann sogar mehr Auftrieb gegeben, als wenn zuerst nur ein Fahrer durchgerutscht wäre.

In der letzten Runde des Rennens kam dann wieder die typische Strategie von Rossi zum Vorschein. Dabei lullt er seine Gegner zunächst immer mit einem Tempo ein, das für jeden gerade noch verträglich ist und zaubert am Ende ein zwei Runden aus dem Hut, bei denen keiner mehr mitgehen kann. Ich denke, das hat er in Mugello auch wieder gemacht. Er hat einfach eine perfekte letzte Runde gefahren, bei der niemand mehr folgen konnte. Das kann er perfekt und hat es auch schon oft gemacht. Im Fahrerlager sagen viele darüber, dass Rossi eine halbe Sekunde in sich hat, die er nicht einmal selber genau kennt.

Bei Ducati ist die spezielle Motivation eines Heimrennens sehr gut zu merken gewesen. Ein italienisches Fabrikat muss in Italien einfach immer funktionieren. Auch Michael Schumacher und Ferrari machen es in Imola meistens so. Wenn es vorher nicht gut lief, dann ist es dort gelaufen. Ducati hat alle Kräfte zusammengenommen und ein super Rennen gezeigt.

Warum Sete Gibernau zwischendurch zwei sehr langsame Runden gefahren ist, weiß ich nicht genau. Ich glaube nicht, dass ein Problem mit dem Schleifer am Stiefel, das er nach dem Rennen angegeben hat so groß war, dass er wirklich so viel Zeit verlieren konnte. Normalerweise berührt man mit dem angebrochenen Stück kurz die Strecke und dann ist es weg. Ich gehe auch nicht davon aus, dass er demotiviert war, nachdem ihn Loris überholt hatte. Dafür ist er zu sehr Profi und ein zu guter Rennfahrer. Es könnte gewesen sein, dass ihn das Schleifgeräusch des gebrochenen Schuhteils zunächst etwas beunruhigt hat und er sich nicht sicher war woher der Ton kam. Vielleicht war es auch etwas Anderes. Schon in den ersten Runden war klar zu sehen, wie Setes Motorrad auf der Geraden stark geschlingert hat. Möglicherweise hatte er ein schlecht ausgewuchtetes Rad oder eine andere Schwierigkeit. Er hatte Probleme den Lenker still zu halten. Vielleicht war da einfach der Stiefelschleifer die einfachere Erklärung.

Marco Melandri wirkte in den ersten Rennen eigentlich sehr abgeklärt, aber in Mugello hat sein Temperament wohl etwas durchgeschlagen. Bereits in den drei Kurven vor seinem Ausritt hat er mit der Brechstange versucht zu überholen. Seine Aggressivität kam einfach einen Tick zu früh. Er hätte sich erst etwas mäßigen sollen und dann wieder angreifen. Denn für eine Runde war die Zahl der Angriffsaktionen schon etwas viel.

Casey Stoner war schon in den anderen Klassen immer gut für einen spektakulären Abflug. Zwar ist er in den ersten Saisonrennen kaum aus dem Sattel gegangen, aber wenn ich mich an seine Zeit bei den 125ern erinnere, da war das noch an der Tagesordnung. Er ist einfach einer, der das Motorrad zu 100 Prozent ausreizt und manchmal geht er auch noch fünf oder zehn Prozent drüber. Deswegen hat es mich ohnehin gewundert, wie abgeklärt er die letzten Rennen gefahren ist. Da hat er nicht den kleinsten Fehler gemacht. Ich denke in Mugello kam wieder der richtige Casey durch. Er muss allerdings wegen seines Materials auch diesen Tick mehr geben, der den Unterschied zwischen schneller Runde und Abflug machen kann. Dadurch ergibt sich für ihn allerdings auch das nächste Problem. Das Motorrad schien ein Totalschaden zu sein und das Team von Lucio Cecchinello ist sicherlich nicht das finanzkräftigste. Deswegen muss man jetzt einmal sehen, wie das bei den nächsten Rennen weitergeht. Ich denke allzu viele solche Unfälle darf sich Casey nicht leisten.

Beim D´Antin-Rennstall gab es die Diskussion wegen der Reifen schon in den vergangenen Rennen. Alex Hofmann hat sich ja auch schon sehr kritisch geäußert, dass seine Mannschaft nicht das gleiche Material bekommt wie die Tech 3 Yamaha. Da muss jetzt das Team Druck machen, dass wirklich alle die gleichen Reifen bekommen. Dabei muss man sich allerdings fragen, wie viel Macht und Kraft ein privates Team hat, um einem Reifenhersteller etwas zu diktieren. Die einzig mögliche Variante für den Alex ist, sich mit der Situation so gut wie möglich zu arrangieren. Das Problem ist, dass D´Antin nicht allzu viele Alternativen hat, sollte der Vertrag mit Dunlop beendet werden.

Die 125er

Der Samstag hat mir persönlich bei den 125ern wenig Spaß gemacht, weil mein bestehender Rundenrekord aus 2004 um zwei Zehntel unterboten wurde. Den hätte ich gerne noch ein paar Jahre behalten. Das Rennen war allerdings richtig Klasse. Es war wirklich schön anzusehen. In Mugello ist ja gerade die letzte Kurve eine entscheidende Stelle. In der Vergangenheit konnte man oft beobachten, wie dort ziemlich unüberlegt agiert wurde und es zu Massenstürzen gekommen ist – einer ist gestürzt und drei über ihn drüber. So etwas Ähnliches hatte ich mir bei den 125ern auch dieses Jahr wieder erwartet. Ich hatte mit etwas Spektakulärem gerechnet.

Aber die Fahrer, die letztes Jahr noch zu den ganz Jungen gezählt haben, haben es dieses Mal richtig abgeklärt gemacht. Sie haben schon eine Runde vorher sondiert, wie die Chancen stehen wenn man als Erster auf die letzte Gerade kommt und das war eigentlich ein Lotteriespiel. Man hat gut gesehen, wie Pasini, Bautista und Pesek vor der letzten Kurve der vorletzten Runde beinahe angehalten haben, um sich eine Taktik zu Recht zu legen, wie sie aus der letzten Kurve kommen können. Dabei haben sie wirklich fast gestanden. Statt knapp 200 sind sie an der Stelle nur 100 km/h gefahren.

Thomas Lüthi hat eine sehr, sehr gute Leistung gebracht. Ich war mit meiner Mannschaft auch auf dem Sachsenring als er gestürzt ist. Wir waren der Meinung, dass Thomas Mugello auslassen müssen wird oder nur mit Mühe in die Punkte kommen kann. Er hat aber eine richtig gute Leistung gezeigt. Entweder hat ihm die neuerliche Verletzung keine Probleme bereitet oder er hat arg auf die Zähne gebissen.

Die 250er

Auch wenn Jorge Lorenzo wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt ist, denke ich doch, dass es weiterhin knapp bleiben wird. Er wird nicht der große Dominator werden. Er hat aber sicher aus den vergangenen Rennen gelernt. Für seine Verhältnisse war er sehr zurückhaltend und war in seinen Aussagen nach dem Qualifying, als er sich die Pole Position geholt hatte, nicht so richtig überschwänglich. Die letzten Wochen haben ihn sicher ein Stück reifer gemacht, weil er gesehen hat, dass es auch bei ihm schnell schlecht laufen kann.

Für wen es mir wieder Leid getan hat war Alex de Angelis. Er hat wirklich ein schweres Los. In den 103 Rennen, die er bislang bei 125ern und 250ern gefahren hat, war er sicherlich schon zehn bis fünfzehn Mal in der letzten Runde in Reichweite des Sieges. So oft auf dem Podest zu stehen, und trotzdem kein Rennen zu gewinnen, das ist glaube ich noch niemandem passiert. Eine Prognose abzugeben, wann er gewinnen wird, ist schwer. Ich persönlich wünsche ihm, dass es im nächsten Rennen geschieht, damit er endlich wieder befreit fahren kann. Er vertuscht es zwar ganz gut, aber ich denke, so etwas belastet einen schon.

Alex Debons gute Leistung kam für mich nicht so überraschend. Er fuhr zwar mit einer Wildcard, aber er hatte eine Werksaprilia zur Verfügung. Da Debon für Aprilia entwickelt, hat er genau das gleiche Material wie Lorenzo und Co. Außerdem war er früher als Privatfahrer schon einer der Schnellsten. Er hat dann aber keinen Vertrag bei einem Werksteam bekommen und ist als Testfahrer zu Aprilia gewechselt, um das beste Material zu haben damit er vorne mitfahren kann. Bei seinem ersten Einsatz hat er jetzt eindrucksvoll bewiesen, dass er das Zeug dazu hat. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass er irgendwo einen Fixplatz bekommen wird.

Franz Aschenbrenner war eigentlich ganz gut unterwegs. Seine Rundenzeiten im Training haben schon ganz gut gepasst. Was ihm fehlt ist der Rhythmus, den ein Grand Prix Fahrer hat. Er hat im Rennen ein paar Runden gebraucht, um wieder auf gute Zeiten zu kommen. Das bekommt man aber nur mit der Routine von mehreren Grand Prix. In den nationalen Rennen wird die erste Runde meistens noch etwas verschlafen, aber wenn man in einem Grand Prix ab der ersten Runde nicht dabei ist verliert man schon sehr viel Zeit. In den kommenden Rennen kann er aber noch daran arbeiten.

IDM

Beim vergangenen Rennen in Oschersleben konnte unser schnellster Fahrer, Patrick Unger, leider nicht an den Start gehen, weil sich die Platte, die er nach seinem Schlüsselbeinbruch eingepflanzt bekam, verbogen hatte und er unter starken Schmerzen litt. Zwar konnte man das nicht operativ beheben, aber er hat sich jetzt etwas Ruhe gegönnt und ich hoffe, dass er beim dritten IDM-Lauf auf dem EuroSpeedway Lausitz am kommenden Wochenende wieder dabei sein kann und wirklich Spaß am Motorradfahren hat.

Besser ist es Eric Hübsch ergangen. Mit seinem achten Platz waren wir wirklich sehr zufrieden. Die Bedingungen waren nämlich keineswegs einfach. Der Wind war beinahe orkanartig und uns hätte es beim Zusehen schon fast weggeweht. Deswegen sind auch die beiden Führenden gestürzt. Die wurden von einer Böe erfasst und hatten keine Chance sich auf der Straße zu halten. Unter diesen Umständen ist Eric wirklich ein tolles Rennen gefahren und wenn er diesen Aufwärtstrend beibehält, dann haben wir in diesem Jahr noch viel Spaß.

Auf dem Lausitzring erwarten ich und meine Mannschaft vom Team Sachsenring Motorrad Unger auch wieder ähnlich gute Leistungen. Bei Patrick hoffen wir natürlich zunächst einmal, dass er schmerzfrei ist und locker fahren kann. Sollte er am Rennen teilnehmen können, dann wäre ein Platz in den Top Ten ein schönes Ergebnis. Für Eric wäre ein Rang zwischen vier und sechs meine Wunschplatzierung. Bei Mateusz ist einfach jeder Einsatz wichtig, um zu lernen. Bei ihm freuen wir uns über jedes Rennen, dass er beendet und wodurch er seinen Rhythmus steigern kann.

Euer Steve Jenkner


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