In 15 Tagen ist es soweit, dann soll der Große Preis von Katar mit dem 1. Freien Training der MotoGP offiziell beginnen. Ob es am 6. November um 14:45 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit aber wirklich dazu kommen wird, weiß aktuell noch immer niemand. Denn die politische Lage im Nahen Osten bleibt auch Ende Oktober 2026 heikel - und hinter den Kulissen der Motorrad-WM scheint sich deshalb nun Widerstand zu formen.
Nahost-Konflikt spitzt sich zu: Weitere US-Angriffe auf den Iran?
Anlass dessen sind die neusten Entwicklungen im Nahost-Konflikt. Am Mittwoch hat das Außenministerium der Vereinigten Staaten nämlich allen derzeit in Saudi-Arabien befindlichen und nicht in Notfällen tätigen Regierungsmitarbeitern und ihren Familien angeordnet, das Land zu verlassen. Zudem werden US-Militärflugzeuge unbestätigten Berichten zufolge aktuell vom Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar abgezogen. Mögliche Hinweise, dass zeitnah neue Angriffe bevorstehen könnten.
Passend dazu berichtete am Mittwoch auch die 'New York Times', dass die Militärs der USA und Israels konkrete Pläne für erneute Angriffe gegen den Iran entwickelt hätten, nachdem der Wüstenstaat weiter nicht bereit ist, auf die Forderungen der USA hinsichtlich des iranischen Atomwaffenprogramms und der Kontrolle über die Straße von Hormus [strategisch wichtige Meerenge, die Persischen Golf und Golf von Oman miteinander verbindet, Anm.] einzugehen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hätte sich in dieser Woche deshalb auch in Israel mit dem dortigen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu getroffen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren.
Im Visier der USA und Israels sollen sich diesmal die iranische Energieinfrastruktur, Nuklearanlagen sowie das Raketen- und Drohnenarsenal befinden, denn in den Vereinigten Staaten seien einige Regierungsvertreter der Ansicht, dass eine weitere große Angriffswelle die iranische Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs treiben und das Land zu diplomatischen Zugeständnissen zwingen würde. Ob erneute Angriffe erfolgreicher wären als jene zwischen Februar und April dieses Jahres wird von vielen Experten aber bezweifelt. Diese hatten damals 'nur' zu steigenden Öl- und Treibstoffpreisen in der gesamten Welt sowie zahlreichen Vergeltungsschlägen auf Israel und US-verbündete Staaten im Nahen Osten wie Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar geführt. Laut 'New York Times' habe der Iran bereits versprochen, im Falle von erneuten Angriffen wieder mit Vergeltungsschlägen zu reagieren, die diesmal über Handelsschiffe und die Energieinfrastruktur in der Region hinausgehen würden. Insider rechnen mit der nächsten US-Angriffswelle in den Tagen nach den Midterm-Elections. Diese finden am 3. November statt, der Katar-GP ist von 6. bis 8. November angesetzt.
Treffen mit MotoGP-Promoter: Rebellieren die Piloten gegen den Katar-GP?
Die Lage im Nahen Osten könnte sich in den kommenden Tagen und Wochen also noch weiter verschärfen, womit die Zweifel an der erfolgreichen Durchführung des Katar-GPs wieder anwachsen. Die Piloten hielten sich in dieser Angelegenheit am Donnerstag auf Phillip Island aber bedeckt. "Wenn die MotoGP denkt, dass es sicher ist, werde ich hingehen", meinte Fabio Di Giannantonio etwa stellvertretend für viele Kollegen. "Ich vertraue der MotoGP", kommentierte Jorge Martin. "Wenn sie entscheiden, dass wir gehen sollen, sollten wir auch gehen", sagte Pedro Acosta und Ai Ogura hielt fest: "Wenn die Organisation sagt, dass wir dort fahren können, dann werden wir dort fahren."

Tatsächlich könnte es aber auch eine Art Maulkorb von Promoter MGP-Group für die Fahrer gegeben haben, um negativen Aussagen vorzugreifen. Darauf lassen etwa die Kommentare der beiden Ducati-Piloten schließen. "Ich spreche über alles, aber darüber nicht", ließ Marc Marquez wissen und Francesco Bagnaia gab an: "Ich hoffe und denke, dass die Dorna [mittlerweile MGP-Group genannt, Anm.] daran arbeitet, dass wir dort in vollkommener Sicherheit ankommen können. Wenn es nicht sicher ist, werden sie die ersten sein, die nichts riskieren werden wollen. Das ist alles, was ich dazu sagen werde. Tiefer möchte ich darauf nicht eingehen." Fabio Quartararo schwieg sich sogar vollständig und blickte nur fragend zu seiner Pressesprecherin, die daraufhin ein "Wir werden sehen" von sich gab.
Hinter den Kulissen scheint es inzwischen nämlich ernst zu werden. Wie die spanische Tageszeitung 'AS' herausgefunden haben will, würden mittlerweile nur noch fünf MotoGP-Stammfahrer nach Katar reisen wollen, während ihre eigene Sicherheit bei den restlichen 17 Fahrern oberste Priorität genießen würde. Am Donnerstag fand um 17:30 Uhr Ortszeit [8:30 Uhr MEZ, Anm.] deshalb auch ein außerordentliches Treffen der Piloten mit Vertretern der MGP-Group statt, um direkt von ihnen (und nicht über den Umweg von Teamverantwortlichen) über die aktuelle Lage rund um den Katar-GP aufgeklärt zu werden. Was dabei herausgekommen ist, ist bislang noch unbekannt. Womöglich können wir am Freitag aber mehr Licht ins Dunkel bringen, sobald die Fahrer infolge der Trainings zum Australien-GP ihre nächsten Medienrunden abgehalten haben.
Formel 1 will Katar und Abu Dhabi durchdrücken: Wie reagiert die MotoGP?
Was wir schon wissen: FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem hat aktuell keinerlei Bedenken, dass die Rennen der Formel 1 in Katar (27. - 29.11.) und Abu Dhabi (4. - 6.12.) nicht vonstattengehen könnten. "Was in den Medien steht, ist etwas ganz anderes als das, was wir vor Ort tatsächlich erleben. Es gibt heute keine Probleme und die beiden Rennen werden gefahren", sagte er am Mittwoch. Das Saisonfinale der F1 in der Wüste scheint also fest eingeplant. Aber gilt das auch für den Katar-GP der MotoGP? Da sich beide Rennserien im Besitz von Liberty Media befinden, kann man zunächst einmal davon ausgehen, dass auch die MotoGP dort fahren wird, wenn sich die Formel 1 wenige Wochen später die Ehre in Katar geben will. Schließlich hatte zuletzt auch MotoGP-Deputy-CEO Carlos Ezpeleta unterstrichen, dass eine Durchführung des Grand Prix weiterhin geplant sei. Mehr dazu hier:
Gleichzeitig gab Ezpeleta damals aber auch erstmals öffentlich zu, dass die MotoGP auch Alternativen zu Katar prüfe und vorbereite. Anschließend verwies er auf das Saisonfinale 2024: Dieses musste aufgrund einer Flutkatastrophe in Valencia kurzfristig abgesagt und nur zehn Tage vor Durchführung nach Barcelona verlegt werden.
Da wir aktuell noch 15 Tage vom geplanten Beginn des Katar-GPs entfernt sind, bliebe also noch etwas Zeit für eine finale Entscheidung. Es dürfte auf die Entwicklung der nächsten Tage ankommen, wie Alex Marquez recht treffend festhielt: "Die Situation verändert sich täglich, sieht jeden Tag schlechter aus. Das können wir nicht ändern. Die Weltmeisterschaft sagt uns, dass alles unter Kontrolle sei, aber ich denke, dass niemand eine solche Situation unter Kontrolle hat. Dafür ist sie zu komplex. Vom einen Tag auf den anderen kann sich so viel ändern. Das ist keine Entscheidung, die jetzt getroffen werden muss. Wir müssen in den nächsten Tagen einfach realistisch sein."

Klingt nicht unbedingt danach, als wäre der jüngere Marquez-Bruder heiß darauf, in zwei Wochen nach Katar zu reisen. Aber könnte er gemeinsam mit seinen Fahrerkollegen überhaupt für eine Absage beziehungsweise eine Verlegung des Grands Prix an einen anderen Ort sorgen? Johann Zarco hat da seine Zweifel: "Wir Fahrer können das nicht entscheiden. Wir können zusammenstehen und eine Entscheidung über etwas treffen, das auf der Strecke passiert und nur uns auf dem Motorrad betrifft. Aber bei der Frage nach Katar geht es nicht um Motorräder, das ist ein generelles Risiko. Wir Fahrer sind nicht wichtiger als Mechaniker oder Ingenieure. Wir müssen auf eine Entscheidung von oben warten, wir können sie nicht treffen."
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