Aprilia steckt in einer Zwickmühle im MotoGP-Titelkampf. Während bei Konkurrent Ducati Marc Marquez die eindeutige Speerspitze darstellt, fahren für Noale gleich vier Piloten regelmäßig um die Spitze und zwei haben noch Titelchancen. Die klar besseren Karten hat im Vergleich zu Teamkollege Marco Bezzecchi aber Jorge Martin in der Hand. Ist langsam die Zeit für eine Stallorder zugunsten des Spaniers gekommen? Das Thema ist heikel, wie unser Experte feststellt.
Aprilia-Stallorder für Jorge Martin? Lüthi: Für Trackhouse-Piloten kaum umzusetzen
"Eigentlich schon, wenn wir uns das Gesamtbild aus Aprilia-Sicht ansehen. Aber es ist extrem schwierig", gibt Tom Lüthi zu, dass die Chefetage in Noale langsam den Gedanken zum Eingriff bei ihren Fahrern haben sollte. Was unser Experte zu den weiteren aktuellen Themen der Königklasse zu sagen hatte, könnt ihr hier in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins sehen:
Das Thema Stallorder ist von außen schnell eingefordert, doch die Umsetzung ist ein ganz anderes Kaliber. "Da geht es schlussendlich um zwei Teams. Das Werksteam mit Jorge Martin und Marco Bezzecchi. Und dann natürlich auch das Satellitenteam von Trackhouse mit zwei Fahrern. Das ist schwierig von der Führungsebene aus, Ai Ogura und Raul Fernandez in die Schranken zu weisen und ihnen zu sagen: Ihr müsste unsere zwei Jungs vorbeilassen. Es sind dann ja doch zwei verschiedene Teams", erinnert Lüthi. Gab es in den Aufbaujahren noch eine klare sportliche Hierarchie, so hat sich Trackhouse mittlerweile auch zum Spitzenteam entwickelt, mit entsprechenden Ansprüchen.
Teaminterne Absprachen für Werksteam eher möglich
Nur auf das Werksteam bezogen, sieht die Lage ein wenig anders aus. "Wenn es nur um Martin und Bezzecchi gehen würde, dann wäre es vielleicht ein bisschen einfacher. Es wäre immer noch nicht leicht, eine Stallorder auszusprechen, aber doch ein wenig einfacher, gewisse Regeln aufzustellen. Aber selbst teamintern ist das stets etwas Spezielles", meint der Schweizer.

Ein solches Szenario hat er durch seine Rolle als Rider-Coach in der Moto2 2025 selbst erlebt. "Wir waren mit dem Intact-GP-Team auf Phillip Island. Bei Manu Gonzalez ging es ganz klar noch um den WM-Titel, aber Senna Agius war sehr schnell auf Phillip Island. Da gab es dann durchaus gewisse Szenarien, die wir vor dem Rennen besprochen haben. Wenn Senna in der Kampfgruppe wäre und der Manu ist auch dabei, dann müsste er Manu vorbeilassen", berichtete Lüthi.
Beispiel Senna Agius zeigt: Drohende Teamorder könnte betroffenen MotoGP-Fahrer auch beflügeln
Letztlich kam es aber nicht dazu. Dafür sorgte der in diesem Fall benachteiligte Pilot selbst: "Senna hat das dann ganz einfach gelöst, indem er wegzog und alle in Grund und Boden gefahren hat. Das war natürlich dann auch ein schöner Effekt daraus. Senna hat das Rennen mit riesigem Vorsprung gewonnen und so konnte gar keine Diskussion von wegen Stallorder aufkommen."

Letztlich gibt es bei Aprilia derzeit noch keine Stallorder, da auch Marco Bezzecchi immer noch Chancen auf den Titel hat. Diese erscheinen angesichts von 46 Punkten Rückstand zwar gering, sind aber bei noch 185 zu vergebenen Zählern - falls der Katar GP stattfindet - auch nicht aussichtslos. Und vielleicht würde beim Italiener eine Teamorder ja ähnlich antreibend wirken, wie dies bei Senna Agius der Fall war. "Dieses Thema Stallorder ist also immer sehr heikel, denn jeder Fahrer ist Egoist. Er konzentriert sich auf sich und macht sein Ding. Man will selbst das Rennen gewinnen", zieht Tom Lüthi sein Fazit.
Dass Jorge Martin einen WM-Titel auch ohne Stallorder gewinnen kann, hat er bereits 2024 bewiesen. Seine größte Stärke aus diesem Jahr scheint nun endgültig wieder da:



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