Heftige Überschwemmungen, ein riesiges Sinkloch, sich auflösender Asphalt und ein beeindruckendes Comeback vom neuen WM-Führenden Marco Bezzecchi, der als erst fünfter MotoGP-Fahrer vier Grands Prix in Folge gewinnen konnte. Der erste Brasilien-GP in Goiania seit 1989 lieferte am vergangenen Wochenende zahlreiche Schlagzeilen. Fast schon etwas unter ging da die herausragende Leistung eines Piloten im Speziellen: Jorge Martin.

Von Startplatz fünf aus gelang dem 28-Jährigen aus Madrid bereits im Sprint am Samstag seine erste Top-Drei-Platzierung für Aprilia. Gleichzeitig auch seine erste seit dem 17. November 2024, als er sich beim Saisonfinale in Barcelona zum MotoGP-Weltmeister krönte. Schon da war die Freude entsprechend groß. 24 Stunden später sollte es aber sogar noch besser werden. Als Zweiter sorgte er für einen Aprilia-Doppelsieg, musste sich einzig Stallgefährte Bezzecchi um etwas mehr als drei Sekunden geschlagen geben. So nah war der 'Martinator' einem Grand-Prix-Sieg seit Malaysia 2024 nicht mehr gekommen.

Jorge Martin (#89) hatte Marco Bezzecchi (#72) und den Sieg in Goiania stets im Blick, Foto: IMAGO / PsnewZ
Jorge Martin (#89) hatte Marco Bezzecchi (#72) und den Sieg in Goiania stets im Blick, Foto: IMAGO / PsnewZ

Jorge Martin kämpft sich zurück: Harte Arbeit zahlt sich immer aus!

"Die Emotionen sind natürlich groß. Gestern war ich fast noch etwas glücklicher, weil ich nach einem so langen Kampf wieder zurück war. Aber heute dieses Wochenende auf diese Art und Weise abzurunden, das ist völlig verrückt", gab Martin am Sonntag nach Rennende einen Einblick in seine Gefühlswelt. "Ich war die letzten fünfeinhalb Monate im Tunnel. Ich habe nur trainiert und regeneriert. Ich habe meine Diät nicht einen Tag gebrochen, ich war immer auf meine Ziele fokussiert. Das ist jetzt der Lohn dafür. Harte Arbeit zahlt sich immer aus", strahlte er weiter.

Kombiniert mit dem starken Auftakt in Thailand vor drei Wochen hat Martin 2026 nun schon 45 Punkte gesammelt. Das bringt ihm in der Weltmeisterschaft Rang zwei, nur elf Zähler hinter Bezzecchi. Ist da - trotz schwierigem Winter und verpasstem Sepang-Test - sogar ein Angriff auf den WM-Titel drin? "Momentan noch nicht", winkte der Spanier zunächst ab und begründete: "Ich brauche erst noch mehr Runden mit der Aprilia. Marco ist schon eins mit dem Motorrad. Sie ergänzen sich perfekt, während ich gerade erst ankomme. Ich verstehe gerade erst, was das Motorrad braucht und wie ich schneller werde. Ich brauche noch mehr Konstanz in den Longruns."

Der Trend zeigt aber gewiss in die richtige Richtung. Fehlten in Buriram noch 12,182 Sekunden auf Bezzecchi, waren es in Goinaia schon nur noch 3,231 Sekunden - und das, obwohl sich Martin weiterhin erst bei "95 Prozent" körperlicher Fitness sieht. Erst in etwa einem Monat - also pünktlich zum Europa-Auftakt in Jerez (24. bis 26. April) - will der Aprilia-Pilot wieder bei 100 Prozent sein und dann "ist die Saison noch lang", wie er am Sonntag auch selbst erkannte. 19 der 22 Grands Prix werden beginnend mit jenem in Jerez noch zu absolvieren sein, es gibt noch 703 Punkte zu holen. Da könnte also noch einiges gehen.

MotoGP-Eklat in Brasilien! Rennen auf kaputter Strecke (08:19 Min.)

WM-Angriff? Jorge Martin lässt aufhorchen: Bin Teil des Kampfes!

Kein Wunder, dass Martin anschließend schon deutlich optimistischer klang: "Der Speed ist da und ich komme jeden Tag etwas näher an die Topjungs heran. Ich hoffe, dass ich so weitermachen kann. Dann werden wir sehen, wo ich am Saisonende lande." Das Ziel ist jedenfalls klar: Was Bezzecchi kann, will Martin auch können. Und das mündete am Sonntag dann doch noch in einer kleinen Kampfansage: "Meine Mission ist es, ihn einzuholen und das ist nur eine Frage der Zeit. Das wird ein langer Kampf werden. Da sind Marc [Marquez] und Bezz, aber ich denke, dass ich auch Teil dieses Kampfes bin. Ich werde noch Zeit brauchen und ich will nicht zu optimistisch sein, aber ich bin ein Weltmeister und ich werde abliefern. So, wie ich es immer getan habe."

Richtungsweisend könnte jedenfalls das kommende Wochenende in Austin (27. bis 29. März) werden. "Das ist historisch keine leichte Strecke für uns", weiß Martin. Sollten Aprilia und er aber auch auf dem Circuit of the Americas mit Marc Marquez, der dort sieben seiner elf MotoGP-Auftritte gewann, mithalten können, darf wohl endgültig vom Titel geträumt werden. "Wenn wir dort auch konkurrenzfähig sind, wäre das ein gutes Zeichen. Ich bin mir sicher, dass wird stark sein werden", gab sich Martin jedenfalls optimistisch und auch Racing-CEO Massimo Rivola meinte vielsagend: "Jorge kommt. Was er in Thailand gezeigt hat, war beeindruckend. Was er hier gezeigt hat, war beeindruckend und ich bin mir sicher, dass er auch in den nächsten Rennen wieder beeindruckend sein wird. Er ist extrem schnell."

Zu welchen Uhrzeiten am kommenden Wochenende in Austin gefahren wird und wo ihr im TV oder im Livestream zuschauen könnt, verraten wir euch in diesem Artikel: