Der 17. November 2024 ist ein Tag, den Jorge Martin nie vergessen wird. Beim Saisonfinale in Barcelona krönte sich Spanier seinerzeit erstmals zum MotoGP-Weltmeister. Was nur der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte werden sollte, verkam anschließend aber zum Auftakt einer reinsten Horrorshow. Schwere Stürze, diverse Verletzungen, ein öffentlich ausgetragener Vertragsstreit. Was 2025 rund um den 'Martinator' passierte, ist hinlänglich bekannt. Umso schöner, dass dieses dunkle Kapitel nun endlich abgeschlossen scheint.

Große Emotion: Jorge Martin feiert Rückkehr auf MotoGP-Podium

"Das bedeutet mir viel", berichtete der Aprilia-Pilot am Samstagabend sichtlich erleichtert, nachdem er im MotoGP-Sprint von Goiania gerade seine erste Top-Drei-Platzierung seit jenem Barcelona-GP im November 2024 eingefahren hatte - also knapp 17 Monate später. "Direkt nach dem Rennen war ich erstmal ziemlich erschöpft", fuhr er fort, "aber als die Anspannung dann abgefallen ist, habe ich angefangen, die Emotionen zu spüren. Ich habe an meine Familie gedacht und alle, die mir in den letzten Monaten beigestanden haben."

Jorge Martin war in Goiania bester Aprilia-Pilot, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Jorge Martin war in Goiania bester Aprilia-Pilot, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Vor drei Wochen in Buriram hatte Martin noch verraten, dass er sich infolge der beiden - zunächst geheim gehaltenen - Operationen im Winter nicht einmal selbst den Hintern hatte abwischen können. Da mit den Plätzen fünf (Sprint) und vier (Thailand-GP) in die Saison 2026 zu starten, war also schon beeindruckend genug. In Goiania legte er nun aber nochmal eine Schippe drauf.

Langsam, aber fehlerfrei: Jorge Martin stichelt gegen Marco Bezzecchi

Obwohl der 27-Jährige den Sepang-Test verletzt auslassen musste und somit weiterhin mit deutlichem Erfahrungsrückstand fährt, schaffte er es im Sprint zum Brasilien-GP erstmals als bester Aprilia-Pilot ins Ziel - also noch vor einem Marco Bezzecchi, der den Grand Prix in Thailand vor drei Wochen noch nach Belieben dominiert hatte. Da konnte sich Martin einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. "Es war heute leicht, einen Fehler zu machen, denn das Griplevel war wirklich schlecht. Ich war dadurch in den ersten Runden vielleicht etwas zu vorsichtig, bin so aber auch auf den richtigen Linien geblieben. Ein Fehler kann dich hier eine Sekunde kosten. Da fährst du besser etwas langsamer, bleibst dafür aber auf der Ideallinie", kommentierte er und spielte damit auf einen Fahrfehler Bezzecchis in Kurve 10 an, der ihn hinter seinen Teamkollegen zurückfallen ließ.

Selbst ohne Mithilfe des Stallgefährten scheint Martin jetzt aber wieder im Konzert der Großen angekommen. "Ich will nicht mehr an die letzte Saison denken, ich habe meine Schlüsse daraus gezogen. Ich fühle mich schon deutlich besser als in Thailand. In Austin werde ich wahrscheinlich nochmal leiden müssen, aber spätestens in Europa sollte ich wieder bei 100 Prozent sein", gab er an und verdeutlichte damit, dass immer noch einiges an Luft nach oben vorhanden ist: "Ich habe noch nicht das perfekte Gefühl für das Motorrad. Wir haben also noch etwas Arbeit vor der Brust. Aber wir haben jetzt auch eine Basis, auf der wir aufbauen können. Ich hoffe, dass wir diesen guten Saisonstart fortsetzen können."

Siegchance im Brasilien-GP für Jorge Martin?

Lässt sich das Brasilien-Wochenende vielleicht sogar mit einem ersten MotoGP-Sieg seit Indonesien 2024 abrunden? Wohl eher nicht, das Podium scheint erneut das Maximum zu sein. "Momentan sind sie [die Ducatis von Marc Marquez und Fabio Di Giannantonio, Anm.] etwas schneller. Ich denke nicht, dass wir 31 Runden lang an ihnen dranbleiben können", blickte die Nummer 89 dem Hauptrennen am Sonntag (Start 19:00 Uhr MEZ) entgegen. Aber: "Ich hoffe natürlich, dass ich abliefern kann."

Keine Rolle an der Spitze spielte im Brasilien-Sprint das Gresini-Team. Die Vizeweltmeister des Vorjahres haben aktuell abseits der Strecke einige Baustellen, die sich derzeit womöglich auch auf die eigene Performance auf der Strecke auswirken. Markus hat alle Infos für euch:

MotoGP-Wunderteam Gresini implodiert (08:38 Min.)