Ducati in der Krise? Von wegen! Am MotoGP-Samstag in Goiania meldeten sich die letztjährigen Dominatoren der Königsklasse nach der Klatsche in Thailand vor drei Wochen eindrucksvoll zurück. Lange sah im Sprint zum Brasilien-GP alles nach einem Premierenerfolg für Fabio Di Giannantonio aus, letztlich behauptete sich aber Weltmeister Marc Marquez - sehr zu seiner eigenen Verwunderung.

"Ich hatte das Podium im Blick, den Sieg hatte ich nicht erwartet", verriet der MotoGP-Superstar am späten Samstagabend. Der Sprint war schließlich infolge des Asphaltdramas auf Start-Ziel mit fast anderthalb Stunden Verspätung gestartet worden. Als es dann endlich losging, war der Ducati-Werkspilot aber gleich auf Betriebstemperatur. Obwohl er von Platz drei und damit abseits der sauber gefahrenen Ideallinie im Schmutz starten musste, schnappte er sich gleich auf den ersten Metern seinen vermeintlichen WM-Rivalen Marco Bezzecchi. Damit konnte die Jagd nach Polesitter Fabio Di Giannantonio gewesen - hätte man zumindest denken können. Doch Fabio Quartararo hatte etwas dagegen.

Marc Marquez glaubt nicht an MotoGP-Sieg: "Dachte, der ist jetzt weg"

Der Franzose drückte sich in Kurve vier nämlich überraschend an Marquez vorbei und hielt ihn anschließend einige Zeit hinter sich. Als die Nummer 93 zu Beginn von Runde drei endlich kontern konnte, war der Führende Di Giannantonio schon rund eine Sekunde enteilt. Die Entscheidung schien gefallen, das dachte auch Marquez: "Fabio war schon im Qualifying sehr schnell und konstant, während ich größere Probleme hatte. Ich bin nicht so gut gefahren. Als ich ihn im Sprint dann davonfahren sehen habe, dachte ich mir nur: 'Okay, der ist jetzt weg'." Doch dann die Trendwende: "Runde um Runde habe ich mich besser gefühlt, ich wurde schneller und geschmeidiger. So konnte ich die Lücke wieder zufahren."

Lediglich drei Zehntel fehlten Marquez zu Beginn der letzten vier Runden noch auf Di Giannantonio, und doch war ein Führungswechsel zu diesem Zeitpunkt alles andere als garantiert. Überholen ist im Autodromo Internacional Ayrton Senna nämlich schwierig, weiter hinten im Feld tat sich beispielsweise auch Ai Ogura trotz überlegener Pace im Duell mit Quartararo lange schwer und Pedro Acosta verzweifelte hinter Francesco Bagnaia regelrecht. "Ich habe überlegt, wo ich überholen könnte, denn das war etwas ungewiss", gab auch Marquez zu.

Fabio Di Giannantonio setzte sich zu Beginn etwas ab, Foto: IMAGO / PsnewZ
Fabio Di Giannantonio setzte sich zu Beginn etwas ab, Foto: IMAGO / PsnewZ

Zu seinem Glück leistete sich Di Giannantonio dann aber einen folgenschweren Fehler. Zum Ende der drittletzten Runde ging er in Kurve 12 etwas weit und öffnete damit die Tür für Marquez, der die Einladung natürlich nicht ausschlug und sich anschließend bis zur Ziellinie in Front hielt. "Ich bin etwas sauer auf mich selbst, weil ich Marc die Möglichkeit gegeben habe, mich nochmal zu überholen. Ich habe die Front kurz verloren", ärgerte sich der VR46-Pilot. An einen Konter war dann nicht mehr zu denken und so musste sich Di Giannantonio selbst aufmuntern: "Wir müssen das Positive sehen. Es war eigentlich ein guter Tag. Ich habe die Pole Position geholt, ich hatte einen großartigen Start und ich habe lange geführt. Morgen haben wir wieder alle Möglichkeiten." Von einem 'geschenkten Sieg' wollte Marquez übrigens trotz Diggia-Patzer nichts wissen. Er gab an: "Ihr kennt mich, ich hätte es auch so schon noch probiert."

Ducati-Ehre wieder hergestellt, aber: Brasilien-Gala nur Ausnahme?

Beweisen kann Marquez dies am Sonntag im Brasilien-Grand-Prix (Start 19:00 Uhr MEZ), denn dort könnte es durchaus zur Neuauflage des Duells der beiden Ducati-Piloten kommen. Am Samstag waren sie dem restlichen Feld schließlich deutlich überlegen. Jorge Martin verlor als Dritter 3,587 Sekunden, im Schnitt also fast drei Zehntel pro Runde. Die perfekte Antwort Borgo Panigales nach dem schwachen Thailand-Wochenende? "Du kannst das Level des Motorrads nicht von einem Rennen abhängig machen", verneinte Marquez. "Du brauchst fünf Rennen. Erst dann wirst du verstehen, wo du stehst. Hier haben wir eine andere Karkasse, die sonst nur in Österreich zum Einsatz kommt. Das kannst du also nicht verallgemeinern. Für mich ist nur wichtig, dass wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. Das gibt mir Energie."

Keine Rolle an der Spitze spielte im Brasilien-Sprint das dritte Ducati-Team: Gresini. Die Vizeweltmeister des Vorjahres haben aktuell abseits der Strecke einige Baustellen, die sich derzeit womöglich auch auf die eigene Performance auf der Strecke auswirken. Markus hat alle Infos für euch:

MotoGP-Wunderteam Gresini implodiert (08:38 Min.)