Wir befinden uns mitten in der heißen Phase des Fahrermarktes der MotoGP. Die Hersteller schließen ihre Verträge mit den Piloten ab. Ab der Saison 2027 müssen sie dabei auch einen neuen Passus im Regelwerk beachten. Die Königklasse steht kurz davor, einen Mindestlohn für die Fahrer festzulegen. Das mag im erstem Moment absurd erscheinen, ist es aber keineswegs.
Halbe Million pro Jahr garantiert: MotoGP führt Mindestlohn ein
Wie unsere stets gut informierten Kollegen von 'Motorsport.com' aus Spanien berichten, steht die MotoGP kurz vor der finalen Ratifizierung ihrer ersten Mindestlohnregelung, die im neuen Fünfjahresvertrag (2027 bis 2031) der Hersteller mit der MotoGP Sports Entertainment (ehemals Dorna) implementiert wird. Damit scheint eine seit Jahren bestehende Bemühung der Fahrer nun endlich von Erfolg gekrönt. Ex-Pilot Sylvain Guitoli hatte sich als Sprecher der aktiven Fahrer in den Verhandlungen massiv dafür eingesetzt. Vorgesehen ist ein garantiertes Mindestgehalt von 500.000 Euro pro Jahr, Boni nicht eingerechnet.
Keinen Euro kostet euch hingegen unser neuer MotoGP-News-Kanal auf WhatsApp. Alle Infos findet ihr hier:
Nun könnte mit Recht eingeworfen werden, was eine solche Regelung soll, wenn Stars wie Marc Marquez oder Fabio Quartararo ohnehin jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge einstreichen? Tatsächlich hat die Regelung nichts mit den bereits etablierten Größen der Szene zu tun. Bei diesen versuchen sich die Hersteller oft gegenseitig in ihren üppigen Angeboten zu überbieten.
MotoGP-Rookies oft mit sehr geringen Einstiegsgehalt
Vielmehr geht es um die Absicherung der Neulinge in der Königsklasse. Diese befürworten auch die reichen Stars, denn sie haben ebenso einmal klein angefangen. Der angesprochene Fabio Quartararo etwa fuhr in seinem Debütjahr 2019 laut unseren Informationen für ein Salär von etwa 80.000 Euro bei Petronas SRT.

Was für den Normalbürger nach einer überdurchschnittlichen Vergütung klingt, ist im Kontext MotoGP viel zu gering. Dabei geht es auch gar nicht darum, dass die besten Motorrad-Fahrer der Welt den Anspruch stellen dürfen, mehr als die Piloten anderen Serien zu verdienen. Diese Ansicht hat mich Sicherheit eine Berechtigung, aber hier dreht es sich vielmehr um zwei absolut grundlegende Faktoren.
Teuer und gefährlich: Im Motorrad-Sport braucht es finanzielle Grundsicherung
Zum einen ist Motorradsport bekanntlich teuer. Um es überhaupt in die Nähe der MotoGP zu schaffen, müssen Familien, Sponsoren, Verbände oder sonstige Unterstützer eine gewaltige Menge Geld in den Nachwuchsserien aufwenden. Selbst für nur eine Saison Moto3 bringen Manche Beträge jenseits von 200.000 Euro aus eigener Tasche auf. Dieser finanzielle Aufwand in die Karriere eines Fahrers stellt ein Risikoinvestment dar. 80.000 Euro wirken in diesem Kontext als 'Entschädigung' fast wie ein Witz. Wird die MotoGP tatsächlich erreicht, so sollten diese Kosten zumindest ausgeglichen werden können. Von Gewinnen ist da noch gar nicht die Rede.
Der andere Faktor liegt in der Natur des Motorradsportes selbst. Die Rennfahrer setzen bei jeder Ausfahrt ihre eigene Gesundheit - ja sogar ihr Leben - aufs Spiel. Auch hierfür braucht es finanzielle Absicherung für den Fall der Fälle. Nicht umsonst schlug der (Un-)Fall von Nachwuchspilot Carlos Tatay hohe Wellen. Als dem querschnittsgelähmten Spanier sogar die Invalidenrente der FIM verwehrt wurde, wütete dieser zurecht lautstark. Und auch wenn die meisten Piloten von einem solch tragischen Schicksal glücklicherweise verschont bleiben, so müssen sie sich im - relativ zu 'normalen' Berufen - kurzen Zeitraum ihrer Karriere auch finanzielle Rücklagen für die Zeit danach aufbauen.

Mindestlohn ein erste Erfolg der MotoGP-Fahrer: Wann folgt die Gewerkschaft?
Mit dem Mindestlohn für die MotoGP-Fahrer ist hier also ein durchaus wichtiger Erfolg gelungen. Der nächste logische Schritt wäre nun, auch in den unteren Motorradklassen eine finanzielle Grundabsicherung voranzutreiben. Für ein solches Unterfangen wäre die Gründung einer Fahrergewerkschaft sicherlich eine große Hilfe. Im Gegensatz zum Mindestlohn für die Königklasse scheint sich diese trotz jahrelangen Gesprächen und Andeutungen aber immer noch nicht zu manifestieren.
Deutlich über dem Mindestgehalt wird Francesco Bagnaia bei seinem bevorstehenden Wechsel zu Aprilia liegen. In der ersten Ausgabe unseres neuen Video-Magazins mit MotoGP-Experte Tom Lüthi haben wir über dieses und weitere spannende Themen zum Saisonstart gesprochen:



diese MotoGP Nachricht