In zwei Tagen beginnen die ersten Trainings der MotoGP-Saison 2026 in Thailand. Mit im Gepäck hat die Königsklasse natürlich wieder die beiden Nachwuchs-Weltmeisterschaften. Motorsport-Magazin.com stimmt euch auf die neue Saison der Junioren ein. Eines scheint dabei klar: Die Favoriten tragen blau.

Moto2: Aspars Superduo weckt riesige Erwartungshaltung

Gemeint ist damit Design und Lederkombi von Aspar. Das Spitzenteam von Jorge Martinez hat in der Moto2 die wohl talentierteste Fahrerpaarung seit Ewigkeiten am Start stehen. Der Kolumbianer David Alonso ist seit seiner Moto3-Rekordsaison von 2024 allen Fans ein Begriff. 2025 gewann er als Rookie bereits ein Rennen. Noch besser schnitt aber sein Teamkollege Dani Holgado ab, der gar zweimal gewann und mehrere Pole Positions einfuhr.

Die Aspar-Teamkollegen David Alonso und Dani Holgado
Alonso(l.) und Holgado(r.) gelten als Titelfavoriten, Foto: Aspar Team

Ein solcher Start in die mittlere Klasse ist außergewöhnlich. Normalerweise erfolgt ein Leistungssprung erst nach einem Lehrjahr. MotoGP-Neuling Diogo Moreira holte in seinem Rookie-Jahr 2024 beispielsweise nur einen einzigen Podestplatz, ehe er 2025 den Titel gewann. Beide Aspar-Fahrer scheinen schon viel weiter und lieferten bereits in Saisonhälfte zwei ihrer Debütsaison die Punkteausbeute eines Titelkandidaten. Bei einer Umfrage unserer Kollegen von 'The Race' unter den MotoGP-Piloten wurde das Duo mit Abstand am häufigsten als Anwärter auf die Weltmeisterschaft genannt. Sieben Stimmen entfielen dabei auf Holgado, fünf auf Alonso.

Die Moto2-Tabelle der zweiten Saisonhälfte 2025

PositionFahrerPunkteRennserie 2026
1.Dani Holgado161Moto2
2.Diogo Moreira159MotoGP
3.Barry Baltus118Moto2
4.David Alonso117Moto2
5.Jake Dixon 111Superbike-WM

Canet, Gonzalez & Co.: Breites Feld an Moto2-Herausforderern

Die einzigen anderen Namen, die zumindest zweimal fielen, waren Aron Canet und Celestino Vietti. Canet ist seit Jahren ein anerkannter Spitzenpilot der Moto2, muss sich aber durch seinen Wechsel zu Marc VDS auf das Chassis von Boscoscuro umstellen. Bei den Tests lag er noch zurück. Vietti erhielt seine Stimmen von Francecso Bagnaia und Marco Bezzecchi, zwei Freunden aus der VR46-Academy. Der Italiener in Diensten des Boscoscuro-Werksteams ist immer wieder für ein Spitzenresultat und sogar Siege gut, doch die Konstanz für einen Titelkampf fehlte bisher. Meist brilliert er nur auf seinen Lieblingsstrecken.

Aron Canet im Jerez-Test der Moto2
Aron Canet startet nun für Marc VDS, Foto: Marc VDS

Darüber hinaus gibt es weitere Kandidaten für einen Angriff auf die Spitze. Intact-Pilot Manuel Gonzalez muss das Trauma des verlorenen Titelkampfes von 2025 überwinden und zu alter Stärke zurückfinden. Auch sein Teamkollege Senna Agius kann Rennen gewinnen. Ebenso gilt es auf den WM-Dritten Barry Baltus, Canets Stallgefährten Deniz Öncü und Yamahas Nachwuchshoffnung Izan Guevara zu achten. Collin Veijer und Ivan Ortola könnten im zweiten Moto2-Jahr ebenfalls vorne angreifen. Die Beiden wurden 2025 in guten Debütsaisons von den außergewöhnlichen Leistungen Holgados und Alonsos überstrahlt.

Intact-Pilot Manuel Gonzalez
Manuel Gonzalez muss die Enttäuschung von 2025 hinter sich lassen, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Blicken wir dann noch auf die Rookies der mittleren Klasse. Diese haben es beim Schritt auf deutlich schwerere und leistungsfähigere Motorräder traditionell schwer, auch wenn uns die Aspar-Jungs im Vorjahr das Gegenteil bewiesen. Mit Spannung darf das Renncomeback von Moto3-Weltmeister Jose Antonio Rueda nach dem fürchterlichen Unfall von Sepang erwartet werden. Ohne solch dramatische Vorgeschichte ist aber wohl eher sein Rivale Angel Piqueras der aussichtsreichste Aufsteiger. Bei den Tests wusste auch der Italiener Luca Lunetta zu überzeugen.

Moto3: Durchmarsch von Max Quiles erwartet

In der Moto3 müssen wir uns wiederholen, denn auch hier hat Aspar den Favoriten in seinen Reihen. Alles andere als der Titel für Supertalent Maximo Quiles wäre eine Überraschung. In seinem Rookiejahr wurde der - von den Marquez-Brüdern unterstütze - Himmelstürmer bereits WM-Dritter und legte dabei den besten Punkteschnitt eines Neulings in der Geschichte hin. Er übertrumpfte sogar Pedro Acostas Bilanz beim WM-Titel 2021. Zehn MotoGP-Fahrer nannten ihn bei der Umfrage von 'The Race', meist wie aus der Pistole geschossen. Sein ärgster Konkurrent kam auf drei Nennungen.

FIM-Präsident Jorge Viegas applaudiert Max Quiles zum Portugal-Sieg
Max Quiles wird es auf viele Siegerpokale abgesehen haben, Foto: IMAGO / PsnewZ

Quiles vorn: Die besten Punkteschnitte von Moto3-Rookies

PositionFahrerJahrPunkteschnitt pro Rennen
1.Max Quiles202515,2
2.Pedro Acosta202114.4
3.David Alonso202312,3
4.Alvaro Carpe20259,8
5.Jorge Navarro20158,7

Dieser hört auf den Namen Alvaro Carpe. Der Ajo-Pilot legte im Schatten von Quiles und Weltmeister-Teamkollege Rueda 2025 eine starke Debütsaison hin und wurde Gesamtvierter. Einen Sieg hat er allerdings noch nicht einfahren können. Diese Erfolge haben ihm David Munoz und Adrian Fernandez voraus. Die beiden Serienveteranen dürften die größten Konkurrenten für Quiles und Carpe darstellen, sind aber besonders im Falle von Ersterem auch gerne einmal im Stewards-Büro von Simon Crafar zu Gast.

Buntes Rookie-Feld in der Moto3: Rammerstorfer vertritt Österreich

Mit großer Freude dürfen wir auf die Rookies der Moto3 blicken. Der Höchstdekorierte aus Junior GP und Rookies Cup ist mit Brian Uriarte mal wieder ein Spanier, aber es drängen auch noch vielversprechende Junioren aus anderen Nationen in die Weltmeisterschaft. Veda Pratama aus Indonesien und der Malaie Hakim Danish sind die größten asiatischen Talente. Casey O'Gorman und Rico Salmela vertreten mit Irland und Finnland zwei neue europäische Nationen.

Auf einen Mann haben wir aber dann noch einen ganz besonderen Blick. Auf den letzten Drücker durften wir doch noch einen deutschsprachigen Starter bejubeln. Der Österreicher Leo Rammerstorfer gibt sein Debüt für das SIC58-Team von Urgestein Paolo Simoncelli. Mit dem erfahrenen Italiener als Teamchef und Teamkollege O'Gorman als Messlatte sind gute Voraussetzungen geschaffen. Die Honda des Teams dürfte allerdings weiterhin etwas hinter den KTMs liegen. Der Vergleich mit den weiteren Maschinen der Japaner ist also angebrachter. Hier dürfte wie immer das Leopard-Duo aus dem bereits angesprochenen Fernandez und Italien-Talent Guido Pini die Messlatte legen.

Leo Rammerstorfer beim Test in Jerez
Leo Rammerstorfer debütiert für SIC58, Foto: IMAGO / VWPics

Nicht mehr dabei in der Weltmeisterschaft ist der Schweizer Noah Dettwiler. Nach dem schweren Unfall von Malaysia hat er aber bereits seine Rückkehr in den Motorrad-Sport fixiert. Alle Infos zum bemerkenswerten Comeback gibt es hier: