Nach drei intensiven Tagen beim MotoGP-Test in Sepang wurde Pedro Acosta um eine finale Beurteilung der mit KTM geleisteten Arbeit gebeten. Mit "6 von 10" stufte der Youngster die Vorstellung in Malaysia ein. Mittelmaß also, doch Acostas Urteil wirkt bei einem Blick auf die Performance des jüngsten MotoGP-Herstellers eher hart.

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Natürlich: Ducati ließ in Sepang einmal mehr wenig Hoffnung zu, dass die Dominatoren der vergangenen Jahre in der bevorstehenden Saison gestürzt werden können. Auch Aprilia scheint, vor allem in Person von Marco Bezzecchi, noch einen Schritt voraus. Doch man sollte nicht vergessen, aus welcher Situation KTM kommt. Vor rund einem Jahr war die Zukunft des Unternehmens und damit auch jene des MotoGP-Projekts völlig unklar.

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Äußerst holprig begann dann auch die Saison 2025. Die vier Stammfahrer Pedro Acosta, Maverick Vinales, Brad Binder und Enea Bastianini konnten sich auf keine klare Entwicklungslinie einigen. Im KTM-Lager kochte jeder Pilot sein eigenes Süppchen. Es dauerte bis zur Jahresmitte, ehe die orange Mannschaft endlich auf einen gemeinsamen Nenner kam, der sich schließlich auch in deutlich verbesserten Ergebnissen niederschlug.

KTM-Fahrer einig bei technischem Paket

Von derartigen Findungsproblemen ist 2026 bei KTM keine Spur. Schon früh im Sepang-Test zeichnete sich in allen wichtigen Bereichen ganz klar die Marschroute für die neue Saison ab, sowohl was das Chassis als auch die Aerodynamik betrifft. An den Motoren darf aufgrund des in diesem Jahr - dem letzten der 1000ccm-Ära - geltenden Engine-Freeze ja ohnehin nicht mehr gearbeitet werden. "Wir sind uns sicher, wie unser Motorrad für den Buriram-Test aussehen soll", sagte Acosta. "Wir haben eine gute Basis gefunden", stimmte Maverick Vinales, bis zu seiner Schulterverletzung am Sachsenring im Vorjahr die Speerspitze von KTM, zu.

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"Das neue Chassis ist vielversprechend. Es basiert auf einem ganz neuen Konzept, aber es funktioniert. Von meiner Seite aus ist auch bei der Aerodynamik alles okay", so Acosta. Auch Vinales erkannte deutliche Verbesserungen: "Das neue Motorrad ist am Kurveneingang besser. Ich habe ein viel besseres Gefühl für das Vorderrad und kann jetzt mehr Tempo in die Kurven mitnehmen."

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Erfreuliche Erkenntnisse konnte die KTM-Mannschaft auch in den Sprint-Simulationen von Sepang ziehen. Im Vorjahr war das Reifenmanagement noch eine der großen Schwachstellen der RC16. "Der Verschleiß im Longrun war positiv", stellte Vinales zufrieden fest. Auch Acosta erkannte ein stabileres Fahrverhalten, was auf die Haltbarkeit der Michelin-Pneus einzahlen sollte.

Acostas bescheidene Bewertung der Tests mit 6 von 10 Punkten ist also wohl eher der extrem hohen Erwartungshaltung des Supertalents geschuldet. KTM hat für 2026 durchaus Grund für Optimismus: Das Motorrad hat in puncto Fahrbarkeit und Speed zugelegt, die Entwicklungsrichtung ist klar und mit dem wieder gesundeten Maverick Vinales sollten einander nun auch mindestens zwei Fahrer gegenseitig antreiben können. Potenzielle Sorgenkinder sind hingegen Enea Bastianini und Brad Binder, die nach ihren enttäuschenden Vorstellungen 2025 auch fahrerisch einen gehörigen Schritt nach vorne brauchen werden.

Wenn ihr noch tiefer in das Testgeschehen von Sepang eintauchen will, sei euch Yanniks Analyse ans Herz gelegt. Dort findet ihr alle Zahlen, Daten und Fakten zum MotoGP-Jahresauftakt: