Startplatz 21: Eigentlich reicht dieser einfache Fakt, um das Elend von Francesco Bagnaias Wochenende in Barcelona zu beschreiben. Oder auch nicht, denn zum Glück gibt es am Ende ja auch noch die wichtigste Session der MotoGP: Den Grand Prix. Und in diesem zog sich der Italiener mit einer starken Aufholjagd noch achtbar aus der Affäre. Hoffnung auf einen Weg aus der Krise keimt aber dennoch nicht auf.

Gefühlsfahrer Francesco Bagnaia: Kleine Änderungen, große Wirkung

"Im Warm Up haben wir etwas gefunden, das mir zusätzlichen Grip verschafft und mir geholfen hat, wettbewerbsfähiger zu sein", erklärte der Ducati-Pilot die Grundlage der Sonntagswende, die ihn von der 21. Startposition auf Rang 7 nach vorne verhalf. "Es gab eine Änderung am Schwungarm, die mir zweifellos ein wenig geholfen hat. Außerdem gab es den Tank für die Grand-Prix-Distanz, der für mehr Grip sorgte, aber ich möchte nicht ins Detail gehen", zählte der Italiener die beiden technischen Faktoren für die Leistungssteigerung auf.

Marc Marquez verrät: Hätte Alex überholen können! Warum nicht? (07:09 Min.)

Das Thema mit dem Unterschied zwischen Sprint- und Grand-Prix-Tank war angesichts der kolossalen Misere der letzten Wochen beinahe schon in Vergessenheit geraten. Letztlich ging es aber wohl um das, was ohnehin Bagnaias größtes Problem zu sein scheint: Den Kopf. "Dieses bisschen mehr Grip gab mir das Selbstvertrauen, schneller in die Kurven zu fahren, ohne die ständigen Bewegungen, die mich das ganze Wochenende über gestört hatten", gab der zweifache MotoGP-Weltmeister an.

Die Saison 2025 macht nachhaltig deutlich, wie sehr es sich bei 'Pecco' um einen Gefühlsfahrer handelt. Ist das Vertrauen in seine Desmosedici weg, rutscht er weit ab. Kehrt es zurück, sind Sprünge wie im Rennen in Barcelona möglich. "Es braucht nur wenig, um das gewisse Extra an Fahrgefühl zu erreichen, das den Unterschied ausmacht. Das ganze Jahr über haben wir über Details gesprochen, über kleine Dinge, die dazu beitragen, dass man sich etwas besser fühlt und dadurch schneller fährt", gibt der Turiner Einblick.

Sogar Platz fünf möglich? Francesco Bagnaia hadert mit Reifenmanagement

Dabei wäre bei seinem Sturmlauf nach vorn wohl sogar noch mehr möglich gewesen. "Im Rennen bin ich sehr stark gestartet und konnte überholen, was dieses Jahr nie einfach für mich ist. Das war also positiv. Leider habe ich etwas zu stark gepusht, um wieder vor Quartararo zu kommen, und konnte den Hinterreifen nicht richtig schonen. Er hat das besser hinbekommen und in den letzten Runden hatte ich mehr zu kämpfen", gab er eine Fehleinschätzung in Sachen Reifenbehandlung zu.

Francesco Bagnaia jagd Fabio Quartararo in Barcelona
Bagnaia jagte im Rennen Fabio Quartararo, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Dieser Kritikpunkt an seinem Rennen war angesichts der Ausgangslage natürlich äußert relativ: "Wenn man von Platz 21 startet, gibt es tausend Unbekannte. Heute war es möglich, noch besser als Siebter zu sein. Ich hätte im Ziel Fünfter sein können. Aber wenn man von dort startet, dann kann man nie zu viel erwarten."

Wende in der MotoGP-Krise? "Mache mir keine falschen Hoffnungen!"

Doch wie kann Bagnaia verhindern, dass er in Zukunft erneut erst am Sonntag aufwacht und dort von Startplätzen losfahren muss, auf die er - Zitat vom Samstag - "nicht hingehört"? Dieses Muster hat sich nun zum zweiten Mal gezeigt: "Ich würde gerne mit dieser Pace und dieser Wettbewerbsfähigkeit nach Misano kommen, um ein normales Wochenende zu haben. Aber ich möchte nicht denselben Fehler wie nach dem Balaton Park machen, denn ich bin auch hierhergekommen in der Überzeugung, dass ich wettbewerbsfähig sein könnte."

Francesco Bagnaia (Ducati Lenovo Team) in der Box
Bagnaia und seine Crew werden wohl vor weiteren Rätseln stehen, Foto: Tobias Linke

In Ungarn hatte 'Pecco' das Rennen gar nur auf Rang neun beendet, meinte aber dennoch ein positives Gefühl für sein Motorrad gefunden zu haben. Dieser Trugschluss wurde in Barcelona sofort mit dem bisher schlechtesten Freitag und Samstag der Saison aufgedeckt. Noch einmal will Bagnaia nicht darauf hereinfallen. "Ich möchte mir keine falschen Hoffnungen mehr machen", erteilt er jenen eine Absage, die in der Aufholjagd von Barcelona eine dauerhafte Wende wittern wollen.

Während Bagnaia weiterhin mit sich selbst zu kämpfen hat, bestimmen vorne die Marquez-Brüder das Geschehen. Für Marc Marquez hätte sein Bruder Alex noch mehr Anerkennung verdient: