Gejubelt wird in dieser MotoGP-Saison vor allem, wenn der Nachname Marquez lautet. Für andere Piloten hingegen verlief das Jahr 2025 bisher enttäuschend. Während Miguel Oliveira und Somkiat Chantra wohl gar vor dem Aus in der Königsklasse stehen, haben wir vier weitere Piloten für euch, die in der zweiten Saisonhälfte in der Bringschuld stehen. Dieses Quartett muss in den verbleibenden zehn Rennen liefern.
Francesco Bagnaia: Die Trendwende vor 2026 schaffen
Das erwartete Titelduell ist ausgeblieben. Marc Marquez fährt eine dominante Saison und sein designierter Herausforderer Francesco Bagnaia muss sich sogar hinter dessen Bruder Alex anstellen. WM-Platz drei ist natürlich keine Katastrophe, doch die Ansprüche beim Ducati-Star liegen höher. Seit der Turiner erstmals auf der GP25 saß, ist sein Gefühl für die Front verloren gegangen. Das einstige Tier auf der Bremse mutierte in ein gefundenes Fressen für seine Gegner.
Bagnaias Verzweiflung wird immer größer. Er tüftelt und tüftelt, aber alles resultiert bisher nur in Stückwerk. Auf jeden Lichtblick folgte ein Rückschlag. Die WM-Position am Ende des Jahres ist mittlerweile eigentlich egal. Viel wichtiger ist: Kann 'Pecco' doch noch den Durchbruch schaffen und wenigstens wieder um Rennsiege fahren? Falls dies nicht gelingt, so bleibt nur mehr die Hoffnung, dass die GP26 ein bedeutend anderes Fahrverhalten haben wird. Darauf kann sich der zweifache MotoGP-Weltmeister aber eigentlich nicht verlassen, denn die Ressourcen liegen auch bei Ducati bereits auf der Regel-Revolution von 2027.
Jorge Martin: Die Aprilia-Versöhnung mit Leistung beschleunigen
Weltmeister Jorge Martin hat in diesem Jahr neben Marc Marquez die Schlagzeilen bestimmt, aus den falschen Gründen. Seine unglaubliche Verletzungsserie war tragisch, sein Vertragsstreit mit Aprilia - inklusive Kehrtwende am Schluss - hingegen hat den 'Martinator' viele Sympathien gekostet, nicht nur bei den Fans.
Es zeugt von menschlicher Größe, wie das Team aus Noale ihn beim Comeback in Brünn wieder willkommen hieß und für seinen siebten Rang feierte, obwohl er sich zuvor nicht einmal für seine geplante Flucht entschuldigt hatte. Dennoch klaffen da sicherlich noch einige Wunden, die wohl erst langsam heilen werden. Beschleunigen kann der Titelverteidiger diesen Prozess nun mit Leistung. Die RS-GP ist mittlerweile klar das zweitbeste Motorrad im Feld. Podestplätze und vielleicht sogar ein Sieg würden sicher helfen, um dem zweiten Anlauf dieser Ehe im Hinblick auf 2026 Schwung zu verleihen. Der Spanier hat etwas gutzumachen.
Brad Binder: Feine Klinge statt Vorschlaghammer
Jahrelang galt bei KTM ein Grundsatz: Brad Binder setzt die Messlatte und die anderen Fahrer dürfen zusehen, überhaupt nur in die Nähe zu kommen. Mit der Ankunft von Pedro Acosta hat sich dies geändert, aber das ist wohl gar nicht der Grund für den Absturz, den der Südafrikaner in der Saison 2025 erlebt.
Die RC16 verlangt immer mehr einen präzisen und 'geraden' Fahrstil. Neuzugang Maverick Vinales hatte diese Notwendigkeit nach einigen Rennen aufgezeigt und Acosta springt immer mehr auf den Zug mit auf. Selbst Sorgenkind Enea Bastianini konnte in Brünn mit dem Sprint-Podium aufzeigen. Ein solches Highlight suchen wir bei Binder vergeblich. Im Gegenteil: Es wird immer schlimmer. Von katastrophalen Startplätzen aus sind selbst die ersten Zehn mittlerweile eine große Aufgabe für ihn. Der mittlerweile 30-Jährige muss akzeptieren, dass sein Fahrstil, bei dem gefühlt das Heck die Front in der Kurve überholt, nicht mehr gefragt ist. Anders kann er sein Motorrad derzeit aber nicht um die Kurve wuchten, denn das Gefühl für eine präzise Linie mit dem Vorderrad fehlt. Eine verzwickte Aufgabe.
Joan Mir: Es endlich ins Ziel bringen
Honda und Joan Mir, das ist bisher eine tragische Geschichte. 2025 läuft es für den Ex-Weltmeister aber eigentlich besser. Immerhin sechs Mal, also genau bei der Hälfte der bisherigen Rennen, war Mir im Q2. Für einen Piloten des wohl weiterhin schlechtesten Motorrads des Feldes ist das eigentlich aller Ehren wert. Das Problem: Mir bringt diese Startplätze so gut wie nie nach Hause. Motorsport-Magazin.com hat seine Horror-Bilanz in Sachen Ausfällen bereits aufgearbeitet. Hier lest ihr die Details:
Zu seiner Sturzanfälligkeit gesellte sich zuletzt auch noch Pech. Er wurde unverschuldet in Unfälle gezogen oder von seinen Fahrerkollegen gar direkt abgeschossen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn im Paddock langsam die Stimmen immer lauter werden, die dem Spanier Rücktrittsgedanken nachsagen. Tatsächlich kann das alles im Ist-Zustand keinen Spaß mehr machen, vor allem, da es sich schon seit zweieinhalb Jahren so dahinzieht. Mir hat noch Vertrag bis 2026. Da Honda wohl keinen prominenten Neuzugang bekommt, ist sein Platz sicher. Er fährt also nicht um seine Zukunft, aber sehr wohl um die Frage, ob das so noch Sinn macht. Selten hat ein Fahrer ein Erfolgserlebnis so nötig gehabt wie der Weltmeister von 2020.
Jetzt seid ihr gefragt: Welchen Fahrer seht ihr in Saisonhälfte zwei in der Bringschuld? Wen haben wir vergessen? Sagt es uns in den Kommentaren!



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