In den MotoGP-Trainings am Red Bull Ring war Francesco Bagnaia noch der überragende Mann. Im Qualifying sicherte sich dann allerdings überraschend WM-Rivale Jorge Martin die Pole Position, nachdem er eine Rekordrunde in den Asphalt gedonnert hatte. "Das war unglaublich", musste auch Bagnaia anschließend Respekt zollen. Seine Antwort auf der Strecke ließ nur knapp drei Stunden auf sich warten.

Im Sprint erwischte der amtierende Weltmeister nämlich den dezent besseren Start und übernahm auf dem Weg zu Kurve eins die Führung. Martin konterte nur wenige Momente später und bremste sich in der Anfahrt zu Turn 3 wieder vorbei, machte zu Beginn der zweiten Runde aber einen entscheidenden Fehler: Er verbremste sich in der Münzer-Schikane und verlor beim Abkürzen durch die Auslaufzone nicht genug Zeit, weshalb ihm die Stewards wenig später eine Longlap-Penalty aufbrummten. Nachdem er diese absolvierte hatte, fehlten knapp dreieinhalb Sekunden auf Bagnaia und Platz eins. Ein Rückstand, der in den verbleibenden Runden nicht mehr aufzuholen war.

Kein Mitleid mit Jorge Martin - Bagnaia: Regeln sind Regeln

"Ich habe gesehen, dass er etwas weitgegangen und deshalb schlecht aus Kurve eins herausgekommen ist, während ich einen sehr guten Kurvenausgang hatte", blickte Bagnaia einige Zeit später in seiner Medienrunde zurück. Dort verriet der 27-jährige Italiener anschließend, dass er seinen WM-Rivalen bewusst in den letztlich rennentscheidenden Fehler getrieben hatte: "Ich habe mich für die Außenbahn entschieden und mir gesagt, dass ich jetzt so spät bremsen würde wie im Qualifying. Sollte er versuchen, ebenfalls so spät zu bremsen, würde er [aufgrund seiner Positionierung auf der Innenbahn, Anm.] weitgehen. Er hat es versucht und ist weitgegangen."

Martin kehrte in weiterer Folge direkt hinter Bagnaia auf die Strecke zurück und hielt den Druck zunächst hoch. Bis zum Antreten der Longlap-Strafe in Runde acht fehlten ihm nur knapp drei Zehntel auf seinen Vordermann. Bagnaia zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt. "Ich habe gesehen, dass er am Ende der Runde [zwei] noch 0,3 Sekunden hinter mir war. Da wusste ich, dass er eine Strafe bekommen würde, weil er keine Sekunde verloren hatte", erklärte er.

Laut MotoGP-Reglement muss ein Pilot 2024 im entsprechenden Streckensektor mindestens eine Sekunde Zeit verlieren, wenn er irgendwo abkürzt. Martin tat dies nicht und wurde entsprechend bestraft. Während sich der Pramac-Pilot darüber ziemlich echauffierte, zeigte Bagnaia kein Mitleid: "Wenn du Schikane abkürzt, verlierst du bereits etwas Zeit. Aber die Regeln sind nunmal die Regeln. Wenn du abkürzt, musst du mindestens eine Sekunde abgeben und das hat er nicht gemacht."

Jorge Martin hing Francesco Bagnaia bis zur Strafe direkt im Heck, Foto: LAT Images
Jorge Martin hing Francesco Bagnaia bis zur Strafe direkt im Heck, Foto: LAT Images

Gleichstand im MotoGP-Titelkampf: Bagnaia und Martin punktgleich

Die Folge ist, dass beide Ducati-Piloten nach dem Sprint der elften Saisonstation mit 250 Zählern punktgleich an der Spitze der Fahrer-WM liegen. Bagnaia hat die Nase einzig aufgrund der höheren Anzahl an GP-Siegen im Jahr 2024 vorne. "Das ist fantastisch und ich bin froh darüber", kommentiert der neue WM-Leader. "Wir haben beide zu viele Fehler gemacht. Davon abgesehen sind wir aber immer da - in allen Bedingungen und auf jeder Strecke. Das zeigt, dass wir auf einem höheren Level fahren als die anderen. So müssen wir weitermachen, denn der Kampf wird bis zum Ende andauern."

Die nächste Runde im Titelkampf steht bereits am Sonntag an, denn dann geht es im Österreich Grand Prix [Start 14 Uhr] um 25 Punkte. Bagnaia geht erneut als Favorit ins Rennen, zumal im Sprint wohl noch deutlich mehr möglich gewesen wäre: "Ich habe mich danach [LLP von Martin, Anm.] darauf konzentriert, Informationen für das Rennen zu sammeln. Ich habe das Mapping angepasst und den Hinterreifen verwaltet. Ich wusste, dass das genug sein würde, um die Jungs hinter mir zu halten. Ich hätte noch drei, vier Runden schneller fahren können."