Trackhouse Racing, dieser Name ist den NASCAR-Fans auch nach kurzer Zeit bereits ein Begriff. Das Projekt von Ex-Rennfahrer Justin Marks und Rapper Armando Christian Pérez, bekannt als 'Pitbull', ist als neues Team im US-Rennsport sofort eingeschlagen. Sechs Rennsiege wurden seit dem Einstieg 2021 geholt. 2022 verpasste Ross Chastain sogar nur um 6 Punkte den NASCAR-Titel. Ab 2024 ist Trackhouse nach dem RNF-Aus auch in der MotoGP am Start. Justin Marks erklärte in einem Interview bei unseren Kollegen von the-race.com, warum der Plan dem NASCAR-Projekt ähnelt und Trackhouse mehr als nur ein Kundenteam von Aprilia ist.

Schon bei NASCAR-Einstieg bestehendes Team übernommen

"Als wir zur NASCAR kamen, habe ich daran gearbeitet, eine Struktur zu schaffen, in der jeder Beteiligte die Beziehung als stark und förderlich für das sieht, was er zu tun versucht", führte Marks aus. Gemeint ist damit eine sehr enge Verzahnung mit Hersteller Chevrolet. Schon damals übernahm Trackhouse in kurzer Zeit ein bestehendes Team, die NASCAR-Abteilung von IndyCar-Gigant Chip Ganassi Racing. Diesmal war es der Platz von RNF, den Trackhouse einnehmen konnte.

Victory Lane: Ross Chastain im TrackHouse-Chevrolet gewinnt in Phoenix
Trackhouse ist in der NASCAR bereits sehr erfolgreich, Foto: Getty Images / NASCAR

Bei der Wahl eines Partners blieb nur eine Variante übrig: "Als wir uns alle Möglichkeiten ansahen, machten die japanischen Motorräder einfach keinen Sinn. KTM ist sehr auf das fixiert, was sie tun, und Ducati ist diese große Organisation mit all diesen Partnern auf der Strecke. Aprilia ist ein kleineres Unternehmen, in dem wir viel von uns selbst gesehen haben. Sie sind Racer wie wir, und es war für mich sehr angenehm, ihnen unser Konzept vorzustellen. Ich dachte, dass sie positiv darauf reagieren würden, und das taten sie auch."

Kein einfaches Kundenteam: Trackhouse direkt bei Aprilia in Noale heimisch

Doch was genau ist anders an diesem neuen Konzept im Vergleich zu einem klassischem Kunden- oder Satellitenteam der MotoGP? "Wir gingen zu Aprilia und sagten: Anstatt irgendwo anders eine Werkstatt zu haben und zu versuchen, all diese Dinge zu verwalten, warum finden wir nicht einfach zusammen zur Stärke? Warum bündeln wir nicht einfach unsere Ressourcen und unsere Visionen? Es geht nicht um eine Fabrik und einen Kunden, sondern um zwei Partnerorganisationen." Aprilia wird in Noale zwei Teams unter einem Dach haben. Dazu wurde natürlich auch Personal von RNF übernommen. Teammanager von Trackhouse wird bspw. Wilco Zeelenberg sein, der diese Rolle bereits im Vorgängerteam innehatte. In gewisser Weise ist Trackhouse also Aprilias Zweitteam.

In Valencia fuhr Raul Fernandez nach dem RNF-Aus bereits für das Aprilia-Testteam, Foto: Motorsport-Magazin.com
In Valencia fuhr Raul Fernandez nach dem RNF-Aus bereits für das Aprilia-Testteam, Foto: Motorsport-Magazin.com

Davon können sich laut Marks beide Seiten Vorteile erhoffen: "Wenn das Trackhouse-Team mit der Maschine von 2024 unterwegs ist, dann sind alle Teile gleich und die Datenkommunikation ist sehr viel leistungsfähiger. Aprilia hat doppelt so viele Daten, die sie nutzen können, um sich zu entwickeln, Stärken zu finden und zu wachsen." Vorerst wird allerdings nur Miguel Oliveira eine 2024er Version der RS-GP erhalten. Am Bike von Raul Fernandez soll im Saisonverlauf nachgezogen werden, sodass Aprilia in Zukunft keine Vorjahres-Motorräder mehr im Einsatz haben wird.

Das enge Kooperationsmodell mit Aprilia war der Grund, dass Trackhouse überhaupt in der Startaufstellung stehen konnte. "Wir gingen zu [Massimo] Rivola und sagten: 'Hey, seid ihr daran interessiert, einen Teil davon zu übernehmen, denn sonst können wir das nicht in acht Wochen schaffen.' Wir brauchten ihre Hilfe, sonst wäre es unmöglich gewesen." Dabei profitierten Marks & Co. von der NASCAR-Erfahrung: "Wir haben das schon einmal mit NASCAR gemacht, also war es keine große Aufgabe, zu verstehen, wie das alles funktioniert, es war nur der Zeitrahmen. Wir brauchten die Dorna, unsere Leute bei Trackhouse, Aprilia und einige andere Elemente, die alle motiviert waren, damit es im Zeitrahmen der MotoGP funktioniert, und glücklicherweise haben sie alles zusammengebracht. Das ist wirklich bemerkenswert."

Trackhouse erwartet kein MotoGP-Wunder: 2024 als Einarbeitungsjahr

Für Marks ist sicher, dass er auch mit seinem Zweirad-Projekt Erfolg haben kann: "Wir werden einige gute Leistungen auf der Strecke zeigen und ich denke, dass das Motorrad viel Potenzial hat und wir haben gute Fahrer." Vorgänger RNF, damals noch unter dem Namen Sepang Racing Team, schlug beim Neueinstieg ein wie eine Bombe und holte 2019 direkt Rang Zwei in der Teamwertung. Auf solche Träume lässt sich Marks aber erstmal nicht ein: "Es ist eine neue Beziehung mit Aprilia. Alle Mechaniker im Team und Wilco [Zeelenberg] arbeiten zum ersten Mal mit uns, wir lernen das Fahrerlager zum ersten Mal kennen. All diese Unbekannten und der Aufbau eines Teams aus dem Nichts bedeutet, dass es sehr schwierig ist, zu sagen: 'Okay Jungs, wir brauchen ein Motorrad in den Top 10'."

Vielmehr ginge es jetzt darum, die richtige Grundlage in einem Lernprozess zu schaffen. "Meine Ziele für 2024 sind, die Beziehung zu Aprilia auszubauen, die Beziehung zur Piaggio-Gruppe [Eigentümer von Aprilia, Anm. d. Red.] auszubauen, zu verstehen, was für Aprilia wichtig ist, in welche Richtung sie ihr Motorrad in den nächsten Jahren entwickeln wollen. Ich möchte jeden im Team kennen lernen und erfahren, wie wir die bestmögliche Leistung aus jedem herausholen können, nicht nur aus den Fahrern. Die Mechaniker, die Crew-Chiefs, alle", erklärte der Ex-NASCAR-Pilot. "Wir müssen unseren Prozess richtig gestalten, sicherstellen, dass der Datenaustausch stimmt und dass wir als Team effizient und produktiv arbeiten. Wenn wir uns auf diese Dinge konzentrieren, hoffe ich, dass sich die Ergebnisse von selbst einstellen werden." Zum Saisonauftakt in Katar wird Trackhouse dann debütieren.