Dass Marc Marquez und Honda schon bald getrennte Wege gehen würden, war spätestens im Frühsommer 2023 abzusehen, als der MotoGP-Superstar selbst für seine Verhältnisse extrem häufig stürzte und von einer Verletzung zur nächsten taumelte. In den folgenden Wochen hielten sich Gerüchte um einen Wechsel ins KTM-Lager hartnäckig. Der österreichische Hersteller arbeitete damals daran, ein drittes MotoGP-Team an den Start zu bringen, in dem neben Rookie Pedro Acosta auch Marc Marquez Platz finden hätte können.

MotoGP-Promoter Dorna sträubte sich aber gegen eine Ausweitung des KTM-Projekts. Die beiden freien Slots im auf 24 Fahrer gedeckelten Feld wolle man für einen neuen Hersteller freihalten, erklärte CEO Carmelo Ezpeleta und erteilte der KTM-Führungsebene beim Heimrennen in Spielberg Mitte August die endgültige Absage. Die Marke aus dem oberösterreichischen Munderfing musste schließlich Pol Espargaro trotz gültigem Vertrag für 2024 auf die Ersatzbank schicken, die Stammfahrerplätze gingen an Brad Binder, Jack Miller, Augusto Fernandez und Pedro Acosta. Marc Marquez unterschrieb bei Gresini Racing.

Wildes Transferkarussell 2025: Nur 3 MotoGP-Fahrer mit Vertrag!: (08:21 Min.)

Marquez' Kontrakt mit dem italienischen Privatrennstall gilt allerdings nur für das Jahr 2024. Neben diesem Vertrag laufen weitere 18 Fahrerverträge mit Jahresende aus. Lediglich Luca Marini, Johann Zarco (jeweils bis Ende 2025) und Brad Binder (2026) verfügen über längerfristige Bindungen. Im brutalen Transfermarkt für 2025 könnte Marc Marquez somit die entscheidende Figur sein, die eine Kettenreaktion auslöst. Schlägt KTM im zweiten Versuch nun zu?

Laut Motorsportchef Pit Beirer ist das nicht geplant: "Wir haben vier fantastische Fahrer, von denen wir bislang keinen an ihrem persönlichen Zenit sehen. Sie können sich allesamt weiter steigern. Deshalb sprechen wir momentan mit keinen anderen Piloten. Wenn unsere vier Jungs gesund bleiben und so performen, wie wir uns das wünschen, werden wir mit ihnen weitermachen. Wir glauben an unsere Fahrer!"

Jack Miller geriet nach einer durchwachsenen zweiten Saisonhälfte 2023 in die Kritik, Foto: LAT Images
Jack Miller geriet nach einer durchwachsenen zweiten Saisonhälfte 2023 in die Kritik, Foto: LAT Images

Gute Nachrichten also für die Herren Binder, Miller, Fernandez und Acosta. Schlechte Nachrichten im Gegenzug für Marc Marquez? Nicht zwangsläufig, denn KTM hat den Wunsch nach einem dritten MotoGP-Team noch nicht vollständig begraben. Denn nun gestaltet sich die Situation anders als noch im Vorjahr. Anstatt ein neues Team zu gründen, könnte KTM einen bestehenden Privatrennstall an Bord holen. Der Vertrag zwischen LCR und Honda etwa läuft mit Jahresende 2024 aus, ebenso jener zwischen VR46 und Ducati. Mit sechs KTM-Startplätze in der Saison 2025 könnte die Option Marc Marquez wieder eine reizvolle werden.

"Wir sprechen natürlich mit allen verfügbaren Teams", gesteht Motorsportchef Beirer. "Es laufen einige Verträge aus und manche Teams suchen nach einem neuen Hersteller. Da gibt es natürlich gewisse Gespräche, aber die Situation ist nicht so einfach. Wenn Teams mit ihrem aktuellen Paket zufrieden sind, gibt es für sie keinen Grund zu wechseln. Momentan ist jedenfalls noch nichts entschieden, aber wir hören uns alle Angebote an."

Das MotoGP-Starterfeld 2024 in der Übersicht:

TeamMotorradFahrerVertrag bis
Ducati LenovoDucatiFrancesco Bagnaia2024
Enea Bastianini2024
Repsol HondaHondaLuca Marini2025
Joan Mir2024
Monster Energy YamahaYamahaFabio Quartararo2024
Alex Rins2024
Red Bull KTMKTMBrad Binder2026
Jack Miller2024
ApriliaApriliaAleix Espargaro2024
Maverick Vinales2024
Pramac RacingDucatiJorge Martin2024
Franco Morbidelli2024
VR46 Racing TeamDucatiMarco Bezzecchi2024
Fabio di Giannantonio2024
Gresini RacingDucatiMarc Marquez2024
Alex Marquez2024
LCR HondaHondaJohann Zarco2025
Takaaki Nakagami2024
GasGasKTMAugusto Fernandez2024
Pedro Acosta2024
Trackhouse RacingApriliaMiguel Oliveira2024
Raul Fernandez2024