Honda hat in den letzten MotoGP-Jahren nur Prügel einstecken müssen. Die MotoGP-Krise der einstigen Erfolgsgaranten führte sogar zum vorzeitigen Abgang von Superstar Marc Marquez. Honda nimmt diese Krise sehr ernst. Der japanische Motorrad-Gigant hat alles auf links gedreht, personell und technisch. Zum Test in Valencia kamen Werksteam und LCR in voller Mannschaftsstärke bei den Ingenieuren und mit einer vollkommen neuen Maschine für 2024. Und diese scheint nun tatsächlich Grund zur Hoffnung zu geben.

Während die gewechselten Luca Marini und Johann Zarco aufgrund ihrer noch bis Ende 2023 bestehenden Verträge bei Ducati bzw. VR46 nicht mit der Presse sprechen durften und Takaaki Nakagami das 2024er Modell nur wenig fuhr, gab Joan Mir freudig Auskunft. Die neue RC213V ist eine komplette Neuentwicklung. Größe, Aerodynamik, Rahmen - quasi alles - ist anders, und wohl auch nicht ganz zufällig in manchen Bereichen der Ducati ähnelnd. Die Arbeit der Ingenieure scheint erste Früchte zu tragen.

Honda-Pilot Joan Mir beim Valencia-Test der MotoGP
Die neue Honda sieht komplett anders aus, insbesondere aerodynamisch, Foto: LAT Images

Mir: Das erste Mal, dass etwas bei Honda wirklich funktioniert

"Ehrlicherweise bin ich sehr glücklich. Es ist das erste Mal, dass ich einen Unterschied spüre, seit ich hier [bei Honda] bin. Es ist das erste Mal, das etwas wirklich funktioniert. Das Resultat, die Rundenzeit, sie sind da. Ich konnte eine gute Pace setzen. Jedes Mal, wenn ich rausfuhr, war ich stark unterwegs. Sowas ist schon lange her", war Mir regelrecht begeistert. Solche Töne von Honda-Fahrern sind wirklich Ewigkeiten her. Marc Marquez betonte immer wieder, wie wenig seit Jahren vorangehe. Mir ist erst seit 2023 dabei, erlebte in seinem ersten Jahr aber gefühlt mehr Stürze, als er Punkte holte.

Der Weltmeister von 2020 kann nun erstmals über Positives berichten: "Über den Grip haben wir uns das ganze Jahr beschwert, das ist jetzt besser. Das Motorrad ist auch leichter. Das hilft ein bisschen beim Einlenken und beim Bremsen." Dabei überzeugte das neue Paket auch bei widrigen Testbedingungen: "Am Morgen war ich noch besorgt, denn bei all diesem Wind ist es oft schwierig, einen richtigen Vergleichstest zu fahren. Aber selbst bei diesem Wind habe ich sofort eine Verbesserung gespürt. Das ist wirklich gut."

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In der Zeitentabelle verfehlte Mir auf Rang 13 die Top 10. Daraus konnte aber nicht wirklich etwas abgelesen werden: "Wir haben keinen Angriff auf die Bestzeit gefahren. Wir haben einfach unseren Tag bestmöglich durchgezogen. Es gab nicht genug Zeit, um alles zu probieren." Ein tieferer Blick auf die Rundenzeiten las sich viel besser: "Bei meinem letzten Run fuhr ich auf den gebrauchten Reifen niedrige 1:30er. Das macht mich glücklich, denn das war die Rundenzeit der Führenden [im Grand Prix]. Es ist fantastisch."

Honda-Pilot Joan Mir beim Valencia-Test der MotoGP
Joan Mir erlebte eine furchtbare Saison 2023, und darf jetzt ein bisschen hoffen, Foto: LAT Images

Weitere Honda-Fortschritte möglich, auch dank Concessions

Auch Teamchef Alberto Piug, der zumeist schmallippig und zurückhaltend ist, sprach diesmal offen: "Er[Mir] ist zufrieden, weil wir in manchen Bereichen richtig schlecht waren und uns dort verbessert haben, das ist das wichtige. Es ist immer noch nicht so, wie es sein sollte, aber an den Rundenzeiten kann man einen Fortschritt sehen." Kann Honda wieder vorne angreifen? "Noch nicht, da brauchen wir mehr Zeit. Vielleicht in Sepang [der Test im Februar, Anm. d. Red.], da wird es wichtig sein, das zu quantifizieren. Aber der Fortschritt ist gut", behielt Puig seinen positiven Tenor. Auch Mir verortete noch Steigerungspotential: "Die Elektronik des Motors ist immer noch dieselbe wie während der Saison. Das ist eines der Dinge, die ich für Sepang einfordere. Es gibt da Potential, da der Grip etwas besser ist."

Bei einem weiteren Aufschwung helfen soll auch das neue Concessions-Reglement der MotoGP. Honda bekommt dabei aktuell die vollen Zugeständnisse. Auch darauf hofft Puig: "Mit Sicherheit ist es eine Hilfe für uns alle, diese Concessions zu bekommen. Wir haben das in der Vergangenheit gesehen, als sie Neueinsteigern halfen." Wunderdinge sind aber nicht zu erwartet: "Es wird eine Hilfe sein, aber es ist auch nicht so, dass wir sagen: 'Ah, wir haben Concessions, jetzt wird das Bike sofort gut.' Die Zeit, die du für das Aufholen des Rückstandes brauchst, wird aber verkürzt, also sind wir froh darüber." Im Feburar in Sepang wird sich dann wohl zeigen, ob Honda wirklich auf dem richtigen Weg ist.