Dass die MotoGP-Saison 2022 zu einem Ausscheidungsrennen um den zweiten Platz im Ducati-Werksteam für nächstes Jahr wird, war vom Anfang an klar. Francesco Bagnaia hat seinen Vertrag bis Ende 2024 ja bereits in der Tasche, um die zweite Maschine kämpfen Jack Miller, Enea Bastianini und Jorge Martin.

Macht man die Entscheidung an sportlichen Kriterien fest, kann es für Ducati eigentlich nur eine Wahl geben: Enea Bastianini. Der Youngster gewann in Le Mans sein drittes Rennen in dieser Saison und liegt in der Weltmeisterschaft als bester Ducati-Pilot nur acht Punkte hinter Leader Fabio Quartararo. Miller und Johann Zarco fehlen 32 Punkte auf Bastianini, Bagnaia 38 und dem aktuell strauchelnden Martin sogar 66 Zähler.

In Le Mans feierte Bastianini seinen dritten Saisonsieg -, Foto: LAT Images
In Le Mans feierte Bastianini seinen dritten Saisonsieg -, Foto: LAT Images

Dennoch zweifelt Bastianini an seinem Aufstieg ins Werksteam: "Ich weiß aktuell nicht, wo meine Zukunft liegt. In den nächsten Rennen werden wir da wohl mehr herausfinden. Aktuell bin ich zufrieden mit Ducati, denn sie stellen mir ein gutes Paket zur Verfügung und ich glaube, dass ich auch in einem Kundenteam siegen kann."

Bastianini erklärte nach seinem Sieg in Le Mans, was der Grund für seine Zweifel an einer Beförderung sind. "Pecco hat sich gestern für Jack als Teamkollege ausgesprochen", plauderte der 24-Jährige aus. "Das ist seine Meinung. Ob Ducati auf ihn hören wird, weiß ich nicht. Ich bin nicht der Ducati-Boss, aber ich glaube, dass meine Situation aktuell besser ist als die der anderen Ducati-Fahrer."

Miller wartet 2022 noch auf einen Sieg -, Foto: gp-photo.de / Ronny Lekl
Miller wartet 2022 noch auf einen Sieg -, Foto: gp-photo.de / Ronny Lekl

Warum sollte sich Bagnaia dann für Miller aussprechen? "Ich glaube, dass er Jack als Teamkollege bevorzugt, weil er dann der Anführer bei Ducati sein kann. Er kennt mein Potenzial und auch das von Martin. Pecco weiß, dass das ein Problem für ihn werden könnte", so Bastianini. Bagnaia selbst wurde am Sonntag auf diese Vorwürfe angesprochen. Er bestätigte, dass Miller seine erste Wahl als Teamkollege wäre. Dass habe aber nichts damit zu tun, dass er den Australier als einfacheren Gegner sehe.

Miller, der in den vergangenen Wochen für 2023 unter anderem mit LCR Honda und Tech3 KTM in Verbindung gebracht wurde, reagierte am Sonntag bereits etwas genervt auf Nachfragen zu seiner Zukunft. "Ich weiß nicht, was ihr von mir hören wollt. Es ist alles gesagt. Man muss nur zwei und zwei zusammenzählen. Enea hat in diesem Jahr drei Rennen gewonnen, leistet fantastische Arbeit und ist auch noch Italiener. Es ergibt also alles Sinn", so Miller.

Eine endgültige Entscheidung im Dreikampf zwischen Miller, Martin und Bastianini soll laut Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti noch im Juni fallen.