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MotoGP-Vertrag: Joan Mir stellt Suzuki Rute ins Fenster

Im Transferpoker lässt nach Fabio Quartararo auch Joan Mir mit klaren Ansagen aufhorchen. Kann Suzuki den MotoGP-Weltmeister von 2020 halten?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der Poker um die MotoGP-Verträge ab 2023 ist bereits in vollem Gange. Bis auf Franco Morbidelli, Marc Marquez und Brad Binder laufen alle aktuellen Vereinbarungen mit Piloten zum Ende des nächstes Jahres aus, weshalb einige prominente Fahrer zuletzt mit pikanten Ansagen an ihre Arbeitgeber aufhorchen ließen.

Fabio Quartararo unzufrieden: Verlässt er Yamaha?: (10:16 Min.)

So etwa MotoGP-Weltmeister Fabio Quartararo, der bereits mehrfach erklärte, dass er bei den Wintertests im Februar in Südostasien eine deutliche Steigerung seiner Yamaha M1 erwarte, bevor er in Vertragsgespräche eintreten könne. Nun stimmte auch Vorjahreschampion Joan Mir in diesen Chor mit ein.

Auch Mir sieht sich in der MotoGP um

"Es ist wichtig, den Markt ein wenig zu testen, damit man sieht, was möglich ist", sagte Mir in einem Interview mit der spansichen "Marca". "Ich vertraue Suzuki. Das habe ich vielleicht nicht oft genug betont. Aber ich kann aktuell noch nicht sagen, was ich machen werde. Wenn Suzuki das Gleiche will wie ich, dann werde ich sicherlich bleiben."

Die abgelaufene Saison verlief für den Titelverteidiger und seinen Teamkollegen Alex Rins, 2020 noch WM-Dritter, oftmals frustrierend. Suzuki gewann kein einziges Rennen und Mir landete nur sechsmal auf dem Podest. Zum Vergleich: 2020 holte er sieben Podien, obwohl der Kalender vier Rennen weniger umfasste.

Vor allem eine Qualifying-Schwäche war 2021 klar ersichtlich, die Mir auf sein Motorrad schiebt: "Die Yamaha ist der Suzuki sehr ähnlich, auch aufgrund der Motorkonfiguration. Sie funktioniert besonders gut im Qualifying, während bei uns genau das Gegenteil der Fall ist. Wir müssen uns in diesem Bereich deutlich verbessern."

Suzuki im Abwärtstrend

Mir stand 2021 in 18 Rennen nur dreimal in einer der ersten beiden Reihen - ebenso oft scheiterte er allerdings bereits in Q1. Dadurch verpasste er in vielen Läufen schon früh den Anschluss an die Spitze und konnte nicht um die Top-Positionen kämpfen. Mehrfach kritisierte er daraufhin die Entwicklungsgeschwindigkeit bei Suzuki, wo man zum Beispiel erst als letzter der sechs Hersteller ein "Ride Height Device" bringen konnte.

"Ich weiß um die Schwächen unserer Suzuki", so der zweifache Motorrad-Weltmeister. "Man sieht etwa bei Ducati, dass sie das kraftvollste Bike auf den Geraden haben. Lange Zeit hatten sie aber Probleme in den Kurven. Das ist nun nicht mehr der Fall. Man kann hier klar eine große Verbesserung in diesem Bereich sehen." Solche wünscht sich Mir über den Winter bei Suzuki ebenfalls.

Testfahrten stimmen zuversichtlich

Bereits während der Saison erhöhte der japanische Hersteller aber die Schlagzahl in der Entwicklung. So hatte Suzuki etwa als erster Hersteller bereits im Frühjahr den neuen Motor für 2022 bei Testfahrten im Einsatz. Zuletzt legte man zudem großes Augenmerk auf eine Verbesserung des Rahmens.

"Das neue Chassis liegt meinem Stil etwas besser. Ich pushe gerne die Front des Motorrads und es sieht aus, als würde diese Richtung bislang stimmen und ich mehr Unterstützung vom Vorderrad bekommen", zog Mir ein positives Fazit nach dem zweitägigen Test in Jerez. Der 24-Jährige weiß aber auch um seinen Marktwert, dem der WM-Titel im Vorjahr äußerst zuträglich war. Da alle sechs Hersteller offene Positionen für 2023 haben, dürfen sich die MotoGP-Fans auf eine heiße Verhandlungsphase auf dem Transfermarkt gefasst machen.


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