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MotoGP: Franco Morbidelli schon ab Aragon im Yamaha-Werksteam?

Yamaha ist durch die sofortige Trennung von Maverick Vinales in eine sportliche Krise gerutscht. Diese will man nun beheben, doch die Lage ist kompliziert.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Seit vergangenen Freitag ist es offiziell: Maverick Vinales wird in der MotoGP nicht mehr für Yamaha fahren. Nach dem Eklat von Spielberg hat sich der japanische Hersteller zu einer sofortigen Trennung von seinem Fahrer entschlossen. Das bedeutet für Yamaha aber schwere Einbußen auf sportlicher Ebene. Ersatzpilot Cal Crutchlow fehlt es an Speed, die für die Hersteller so wertvolle Triple-Crown aus Fahrer-, Team- und Konstrukteurstitel gerät somit in Gefahr. Und das ausgerechnet zum 60-jährigen Jubiläum in der Motorrad-Weltmeisterschaft.

Was die Titel in der Fahrer- und Konstrukteurswertung angeht befindet man sich auf einem guten Kurs. Fabio Quartararo liegt bei den Fahrern 47 Punkte in Front. In der Konstrukteurswertung zählt nur das Ergebnis des besten Fahrers eines Herstellers. Hier liegt Yamaha nur drei Zähler hinter Ducati und kann weiterhin auf Quartararo zählen. Kritisch wird es aber in der Team-WM, wo beide Fahrer eines Rennstalls gewertet werden. Noch führt die Yamaha-Werkstruppe 37 Punkte vor dem Ducati-Team, doch dieser Vorsprung könnte in den verbleibenden Rennen - nach aktuellem Stand sind das sechs - rasant schmelzen.

Wie 'GPone' berichtet, denkt Yamaha deshalb darüber nach, schon ab dem Aragon-GP Franco Morbidelli ins Werksteam zu befördern. Aktuell ist der Vizeweltmeister der Vorsaison ja noch verletzt, soll aber zum Rennwochenende im Motorland zurückkehren. Eine grundsätzlich logische Idee, die aber ihre Tücken hat. Zwei Faktoren spielen hier eine Rolle.

MotoGP-Reglement: Darf Morbidelli ins Yamaha-Werksteam?

Der Transfer eines Fahrers von einem Kunden- ins Werksteam während einer Saison ist reglementtechnisch nicht ganz einfach. Entscheidend ist hier die Motorenregelung der MotoGP. "Ein Ersatzfahrer (als solcher würde Morbidelli gelten, Anm.) darf kein vertraglich in der Meisterschaft gebundener Fahrer sein, außer er wird von der Grand Prix Commission genehmigt, um zu vermeiden, dass der Ersatz andere Gründe als sportliche oder medizinische (Umgehung des Motorenkontingents, etc.) hat", steht hierzu unter Paragraph 1.11.3.i des Technischen Reglements geschrieben.

Yamaha kommt nicht zur Ruhe: Petronas weg, Vinales suspendiert: (10:41 Min.)

Franco Morbidelli respektive seine Ersatzfahrer bei Petronas Yamaha haben erst vier der erlaubten sieben Motoren verwendet. Dementsprechend sollte die Freigabe durch die Grand Prix Commission, bestehend aus Vertretern von Promoter Dorna, Motorradweltverband FIM, Herstellerbund MSMA und Teamvereinigung IRTA, kein Problem sein.

Morbidelli würde dann das Motorenkontingent von Vinales übernehmen. Zwar steht unter Paragraph 2.4.3.3.1 geschrieben, dass "die Zahl der Motoren für die Verwendung eines permanenten Fahrers auf sieben Stück für eine Saison mit bis zu 20 Rennen beschränkt ist." Unter dem Zusatz b) wird aber angeführt, dass "ein Ersatzfahrer im Bezug auf das Motorenkontingent als ursprünglicher Fahrer angesehen wird." Die gleiche Regelung würde zu tragen kommen, wenn Maverick Vinales noch in dieser Saison die Aprilia von Lorenzo Savadori übernimmt.

Verträge als Hindernis für Morbidelli im Werksteam

Im Hinblick auf das Technische Reglement muss sich Yamaha also wohl keine Sorgen machen. Problematisch könnte aber das Vertragsgewirr werden. Denn Morbidelli ist kein Angestellter von Yamaha, sondern des Petronas Sepang Racing Teams. Kunden- und Werksteam verfügen über unterschiedliche Sponsoren, die teilweise in direkter wirtschaftlicher Konkurrenz stehen. Beispiel: Die Mineralölfirmen Petronas im Satellitenteam und Eneos im Werksteam. Ein Transfer von Morbidelli würde also wohl viel rechtliche Arbeit verlangen, um zu verhindern, dass eine Partei vertragsbrüchig wird.


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