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MotoGP-Umbau in Spielberg: So sieht die neue Schikane aus

Die MotoGP-Piloten fordern schon lange einen Umbau in Spielberg. Ab September soll eine neue Schikane die gefährlichste Passage entschärfen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - UPDATE vom 12. August: Der Red Bull Ring bestätigte am Donnerstag um 15:24 Uhr die Umbauarbeiten für das MotoGP-Rennen 2022, über die Motorsport-Magazin.com bereits am Montag berichtet hatte (siehe unten). Kurve zwei wird demnach in eine Rechts-Links-Schikane umgewandelt. Allerdings wird die komplette Passage künftig als eine Kurve gewertet, weshalb Spierlberg auch weiterhin offiziell zehn Kurven umfassen soll. Die Formel 1 fährt dieses Layout nicht.

Diese neue Streckengrafik wurde am Donnerstag veröffentlicht - Foto: Projekt Spielberg

Ursprüngliche Meldung vom 9. August:

Auf dem Red Bull Ring in Spielberg rollt demnächst wieder schweres Gerät an. Grund ist der geplante Umbau für die MotoGP, der das Layout radikal verändern wird. Wie Motorsport-Magazin.com am Rande des Grand Prix der Steiermark erfahren hat, wird eine neue Schikane errichtet, wie oben auf einem Ausschnitt von Google Maps von uns skizziert. Bereits Ende September soll der Startschuss zu den umfangreichen Bauarbeiten erfolgen.

MotoGP - Spielberg-Umbau erst 2022: Die Gründe: (14:19 Min.)

Die neue Streckenführung für die Motorrad-WM sieht künftig vor, dass auf Höhe des Endes der Red-Bull-Tribüne eine scharfe Rechts-Links-Kombination gefahren wird, welche die gefährliche zweite Kurve ersetzen würde. Diese steht bereits seit dem Comeback von Spielberg im Rennkalender unter harscher Kritik vieler Fahrer. Durch die neue Schikane würde auch die Anfahrt zur dritten Kurve entschärft, die künftig mit deutlich geringerer Geschwindigkeit angebremst werden müsste. Somit schlägt der Red Bull Ring zwei Fliegen mit einer Klatsche.

Horror-Crash zwingt zum Handeln

Im Vorjahr hatte eine Kollision zwischen Franco Morbidelli und Johann Zarco in dieser Passage zu einer gefährlichen Kettenreaktion geführt: In der Ausfahrt von Turn 2 war es zu einer Kollision gekommen, die beide Fahrer bei hohem Tempo zu Sturz brachte. Schlimmer war aber der Umstand, dass Morbidellis Motorrad in den Scheitelpunkt der Kurve geschleudert wurde und dort Valentino Rossi und Maverick Vinales beinahe getroffen hätte.

Diese Szene sorgte im Vorjahr für Aufregung - Foto: LAT Images

Die Fotos dieses haarsträubenden Unfalls gingen damals um die Welt und zwangen die Streckenverantwortlichen in Spielberg zum Handeln: In einer ersten Reaktion war bereits für das zweite Rennen im Vorjahr die Streckenbegrenzung am Ausgang von Kurve 3 samt neuem Airfence nach innen gezogen worden. Für die diesjährigen Rennen wurde zudem der Grünstreifen auf der Innenseite der Anfahrt zu Turn 3 auf rund einen halben Meter verengt und somit das dahinter liegende Kiesbett verbreitert. Das soll verhindern, dass Motorräder über die Rasenfläche in die darauffolgende Kurve geschleudert werden und stattdessen im Kies hängen bleiben.

Für 2022 wurden umfassende Umbauten angekündigt, die nun in der Errichtung der neuen Schikane gipfeln. Der Red Bull Ring bekommt dadurch einen neuen scharfen Bremspunkt und umfasst künftig elf statt zehn Kurven. Das neue Layout soll aber nur von der MotoGP genutzt werden. Für die Formel 1 stellte Turn 2 ohnehin nie ein Problem dar, wird diese Passage von den Boliden schließlich mit Vollgas gefahren. Bis 2015 führte die F1 diesen Abschnitt nicht einmal als Kurve.

Umfangreiche Bauarbeiten

Die Veränderungen an der Strecke ziehen weitere bauliche Maßnahmen nach sich: Der Trial-Park, der sich am Ende der Red-Bull-Tribüne befindet, wird komplett abgerissen und wohl an anderer Stelle auf dem Gelände wieder aufgebaut. Dort wo der Park aktuell steht, wird sich künftig die Auslaufzone der neuen Kurve 2 befinden. Gerüchten zufolge gibt es sogar Überlegungen, die große Tribüne im Zuge der Bauarbeiten zu verlängern. Von diesen neuen Rängen wäre beinahe die gesamte Strecke einsehbar.

In Spielberg würde es somit künftig drei Strecken-Varianten geben: Den MotoGP-Kurs, den Formel-1-Kurs und den bereits bestehende Südkurs, der in der Vergangenheit etwa beim Truck-Grand-Prix genutzt wurde. Überlegungen, die Westschleife irgendwann wieder einzubinden, bestehen in Spielberg nach wie vor, scheitern aktuell aber noch am vehementen Widerstand eines Besitzers eines angrenzenden Grundstücks, wie Motorsport-Magazin.com erfahren hat.

Um die neue Schikane wird am Ring aktuell noch ein großes Geheimnis gemacht, weshalb eine offizielle Bestätigung noch aussteht. Die Fahrer wurden im Rahmen des MotoGP-Wochenendes aber bereits darüber informiert, dass es zu einer Anpassung der Strecke für das kommende Jahr kommen wird. Das bestätigte unter anderem Fabio Quartararo am Sonntag. Spätestens wenn die Baugeräte in Spielberg anrollen, müssen die Verantwortlichen die Karten auf den Tisch legen.


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