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MotoGP-Analyse: Ducati in Bestform in Spielberg unschlagbar

Ausgerechnet ein MotoGP-Rookie bewies am Sonntag, dass Ducati in Spielberg die Nummer eins bleibt. Es gab aber noch zwei weitere Gewinner.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Das MotoGP-Rennen in Spielberg brachte mit Jorge Martin nicht nur ein neues Siegergesicht hervor, sondern bescherte den Fans im zehnten Saisonlauf auch den sechsten unterschiedlichen Sieger. Ducati behauptete seine Vormachtstellung auf dem Red Bull Ring, während Fabio Quartararo einen weiteren Schritt in Richtung Titel machen konnte. Der Grand Prix der Steiermark in der Analyse.

Kurzer Schock zu Beginn

Bereits in der 3. Runde musste das Rennen per Roter Flagge abgebrochen werden. Dani Pedrosa war im Mittelfeld ausgangs der dritten Kurve gestürzt und Lorenzo Savadori war in die auf der Ideallinie gestrandete KTM gerast. Dabei entzündeten sich beide Motorräder aufgrund ausgelaufener Flüssigkeiten und rund eine halbe Stunde ging in Spielberg gar nichts. Savadori musste den Unfall mit einer Verletzung bezahlen, Francesco Bagnaia war seine eroberte Führung los.

MotoGP - Spielberg-Umbau erst 2022: Die Gründe: (14:19 Min.)

Restart: Martin und Mir überlegen

Beim Neustart der nun auf 27 Runden verkürzten Renndistanz übernahmen nun andere Fahrer das Zepter. Bagnaia fiel vom zweiten Startplatz in der ersten Runde auf Rang 6 zurück und spielte in diesem Rennen keine Rolle mehr. An der Spitze zündete in den ersten Umläufen Jack Miller den Turbo, der allerdings in der vierten Runde von den Dominatoren dieses MotoGP-Laufs gestellt wurde: Jorge Martin und Joan Mir.

Das Duo war an diesem Sonntag eine Klasse für sich. An Miller vorbei, zogen sie dem Feld ab der 4. Runde sofort davon. Von Lap 4 bis zum Zieleinlauf war mit Ausnahme von Lap 6 (Zarco), Lap 25 (Binder) und der letzten Runde (Pedrosa) stets Mir oder Martin der schnellste Mann im Feld. Die absolut beste Rennrunde ging an Mir, der im siebenten Umlauf 1:24,209 Minuten fuhr. Von den zehn schnellsten Runden des gesamten Rennens erzielte Mir drei, Sieger Jorge Martin aber fünf. In die Top-10 schafften es darüber hinaus nur Quartararo und Zarco.

Die schnellsten 10 Rundenzeiten im Rennen:

P Fahrer Zeit Runde
1. Joan Mir 1:24,209 Lap 7
2. Jorge Martin 1:24,232 Lap 7
3. Jorge Martin 1:24,243 Lap 8
4. Jorge Martin 1:24,257 Lap 15
5. Joan Mir 1:24,264 Lap 8
6. Joan Mir 1:24,295 Lap 9
7. Johann Zarco 1:24,302 Lap 6
8. Jorge Martin 1:24,304 Lap 9
9. Jorge Martin 1:24,334 Lap 6
10. Fabio Quartararo 1:24,347 Lap 6

Martin und Mir punkteten an diesem Tag nicht nur durch Schnelligkeit, sondern vor allem durch ihr Reifenmanagement. So fuhr Martin etwa zwischen der 4. und 24. Runde ausnahmslos Zeiten, die innerhalb eines Fensters von einer halben Sekunde zu seiner schnellsten Rennrunde lagen. Für Mir galt das immerhin von der 4. bis zur 21. Runde.

Zum Vergleich: Quartararo lag in der 23. Runde bereits mehr als eine Sekunde über seiner persönlichen schnellsten Einzelzeit des Rennens, Zarco ab Lap 17 konstant mindestens sieben Zehntelsekunden darüber. Mir und Martin konnten bis zur 24. der 27 Runden eine Pace unter 1:25 Minuten halten. Das gelang im gesamten Feld nur noch Brad Binder, der Rest lag zu diesem Zeitpunkte bereits bei Rundenzeiten von mittleren 1:25er-Zeiten.

Quartararo auch auf der Gewinner-Seite

Aufgrund der starken Leistung des Top-Duos verlor Fabio Quartararo als Drittplatzierter 9,6 Sekunden auf Sieger Martin. Das ist der zweitgrößte Abstand zwischen 1. und 3. Platz, der in der laufenden Saison erzielt wurde. Nur in Le Mans war dieser Gap mit 14,4 Sekunden noch größer. Dritter auch damals: Fabio Quartararo.

"Das ist der große Unterschied zum Vorjahr: Damals war ich entweder der Sieger oder stand auf Platz 15. In diesem Jahr habe ich hingegen endlich Konstanz in meine Ergebnisse gebracht. So gewinnt man Meisterschaften", freute sich der Franzose daher nach dem Rennen.

Ungefährdet war Quartararos Podestplatz in Spielberg aber nicht, denn Jack Miller setzte dem WM-Leader in den ersten beiden Renndritteln zu. Der Franzose konnte den Australier zwar in der 7. Runde überholen und sich damit in die Top-3 schieben, abhängen konnte er Miller aber nicht. In Lap 13 hatte er mit 0,597 Sekunden den größten Vorsprung auf Miller, verlor im Anschluss aber dreimal in Folge Zeit auf den Australier.

Im 17. Umlauf hatte sich Quartararos Vorsprung mehr als halbiert - auf 0,257 Sekunden. Am Ende des ersten Sektors der 18. Runde lag er gar nur noch 0,093 Sekunden vor ihm. Doch im dritten Sektor überschätzte sich Miller und rutschte mit seiner Ducati weg. Damit hatte Quartararo seinen Podestplatz sicher, da der nächste Verfolger Zarco zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zwei Sekunden hinter ihm lag.

Die Aufholjagd von Brad Binder

Die letzten Runden des MotoGP-Rennens in Spielberg gehörten aber einem anderen Mann: Brad Binder. Elf Umläufe vor dem Ende lag das KTM-Ass lediglich auf dem 8. Rang, am Ende staunten aber viele Fans nicht schlecht, als Binder im Ziel auf P4 geführt wurde. Der Südafrikaner hatte sich wieder einmal als der perfekte Sonntagsfahrer erwiesen.

Nur von Rang 16 gestartet, verbesserte er sich bis ins Ziel um satte zwölf Plätze. Fünf Ränge gewann er bereits am Start. Im weiteren Rennverlauf schnappte er sich Marc und Alex Marquez, Alex Rins, Francesco Bagnaia, Johann Zarco und Taka Nakagami. Die letzten beiden Fahrer kassierte er in der Schlussrunde.

Binder brachte seine Reifen perfekt über die Renndistanz. Im letzten Renndrittel (Lap 19-27) verlor der KTM-Fahrer nur 1,574 Sekunden auf Sieger Martin. Damit war Binder im Finish auch nur rund sieben Zehntelsekunden langsamer als der Zweitplatzierte Mir und drei Sekunden schneller als Quartararo. Zarco nahm er im letzten Renndrittel sogar fünfeinhalb Sekunden ab. In den letzten fünf Umläufen war Binder beinahe gleichschnell wie Sieger Martin (+0,133 Sekunden) und sogar schneller als Mir.

Fazit: Drei große Gewinner in Spielberg

Jorge Martin schöpfte in Spielberg in seinem sechsten Rennen das Potenzial der Ducati voll aus und untermauerte damit die Vormachtstellung der roten Rennfraktion aus Bologna. Joan Mir fuhr ebenfalls ein perfektes Rennen, war am Ende dennoch chancenlos. Hätte Jack Miller etwas mehr Geduld gehabt, wären Ducati vielleicht sogar zwei Podestplätze gelungen.

Nutznießer des Fehlers des Australiers war WM-Leader Fabio Quartararo, dem dadurch ein Zweikampf erspart blieb. Unterm Strich steht für den Franzosen der sechste Podestplatz im neunten Rennen. Somit hält er voll Kurs auf den Titel und konnte im dritten Rennen in Folge seinen Vorsprung auf den ersten Verfolger ausbauen.

Brad Binder untermauerte einmal mehr seinen Ruf als Fahrer, der sich im Rennen massiv steigern kann. Ein weiteres verpatztes Qualifying (P16) verhinderte, dass er zum ersten Mal seit seinem Debütsieg vor rund einem Jahr wieder zu einer Siegerehrung durfte. Für KTM holte er damit an einem verpatzten Wochenende die Kohlen halbwegs aus dem Feuer.


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