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Valentino Rossi erklärt Rücktritt: MotoGP-Karriere zu Ende

MotoGP-Legende Valentino Rossi wird seine Karriere in der Motorrad-WM nicht fortsetzen. Nach 26 Jahren ist mit Saisonende endgültig Schluss.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossi tritt mit Saisonende aus der MotoGP zurück. Das erklärte er am Donnerstag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz auf dem Red Bull Ring in Spielberg. Kurz nach 16.20 Uhr informierte der 42-jährige Italiener über seine Entscheidung.

Valentino Rossi: Die Gründe für den MotoGP-Rücktritt: (08:29 Min.)

"Ich habe mich dazu entschlossen, mit Saisonende aufzuhören. Das wird nun mein letztes halbes Jahr als MotoGP-Fahrer. Das ist ein sehr trauriger Moment und es ist schwierig für mich, dass ich nächstes Jahr nicht mehr Motorradrennen fahren werde. Denn ich tue das seit 30 Jahren", sagte Rossi vor der versammelten Weltpresse.

Rossi hatte bereits zu Saisonbeginn angekündigt, in der Sommerpause die Entscheidung über die Fortführung seiner Karriere zu fällen. Zuletzt stand lediglich das Karriereende sowie ein Wechsel in sein eigenes VR46-Team, das 2022 erstmalig in der MotoGP-Klasse antritt, zur Wahl. Zwar hätten sich die saudischen Geldgeber des Rennstalls einen Verbleib von Rossi gewünscht, doch angesichts der dürftigen sportlichen Ergebnisse der vergangenen Monate entschied sich die Legende gegen diese Option.

Große Karriere seit 1996

Somit geht die größte Karriere in der Geschichte der Motorrad-WM zu Ende. Denn Valentino Rossi feierte bereits am 31. März 1996 sein Debüt. Zu diesem Zeitpunkt waren acht seiner aktuellen Gegner in der MotoGP noch nicht geboren, acht Stammstrecken des MotoGP-Kalenders waren zudem noch nicht errichtet (Katar, Portimao, Aragon, Austin, Buriram, Sepang, Valencia, Termas de Rio Hondo).

Der Italiener eroberte die Weltmeisterschaft im Sturm, gewann in den kleinen Klassen binnen vier Jahren 26 der 60 Rennen und stieg nach jeweils zwei Saisons als amtierender Weltmeister in die nächsthöhere Klasse auf. WM-Titel in der 125ccm-, 250ccm- und 500ccm-Kategorie bzw. deren Nachfolgeklassen Moto3, Moto2 und MotoGP schafften bis heute neben Rossi nur Phil Read und Marc Marquez.

MotoGP-Fahrernoten - Teil 2: Unser Zeugnis zur Saisonhalbzeit: (22:19 Min.)

Durchschlagender Erfolg in der MotoGP

In der Königsklasse hatte er von Beginn an Erfolg. Er stand im Jahr 2000 bereits in seinem dritten Rennen auf dem Podest, siegte im neunten zum ersten Mal und war am Ende seiner Debütsaison Vizeweltmeister. Von 2001 bis 2005 gab es für Rossi Titel am laufenden Band. Nicht einmal der Wechsel von Honda auf die im Jahr zuvor sieglose Yamaha konnte diese Serie unterbrechen. Eine ganze Rennfahrergeneration rund um Max Biaggi, Loris Capirossi, Sete Gibernau oder Marco Melandri verzweifelte an Rossi. Nach missglückten Saisons 2006 und 2007 holte Rossi 2008 und 2009 zwei weitere WM-Titel. Viele gingen damals davon aus, dass er in den kommenden Jahren auch Giacomo Agostinis Bestmarke von acht Gesamtsiegen in der höchsten Motorrad-Klasse knacken würde.

Doch ein hitzköpfig geführtes Stallduell mit Jorge Lorenzo sowie die erste schwere Verletzung seiner Karriere im Frühsommer 2010 und ein unglücklicher Wechsel zu Ducati verhinderten die Rekordfahrt Rossis vorerst. In der vermeintlichen Traumehe mit Ducati lief es ab 2011 zwar finanziell blendend für den Italiener, sodass er 2012 in der Forbes-Liste der bestverdienenden Sport-Stars zum einzigen Mal in seiner Karriere den Top-20 auftauchte.

Sportlich musste er Ducati aber nach zwei Jahren ohne einen einzigen Sieg verlassen. Als er am 10. August 2012 seine Rückkehr zu Yamaha verkündete, wurde bereits gemutmaßt, dass der Zweijahresvertrag der letzte MotoGP-Kontrakt des damals 33-Jährigen sein könnte. Doch es sollte völlig anders kommen.

Neue Fehde mit Marquez

Rossi fand im zweiten Jahr seines Yamaha-Comebacks zurück zu alter Stärke und wurde 2014 hinter dem neuen Dominator Marc Marquez Vizeweltmeister. Drei weitere Vertragsverlängerungen über jeweils zwei Jahre sowie ein Einjahres-Kontrakt beim Petronas-Team sollten bis heute folgen. 2015 fand sich Rossi sogar ein letztes Mal im direkten Titelkampf wieder, unterlag in den Wirren des "Sepang-Clash" in einem von Missgunst vergifteten Paddock seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo.

2016 belegte er ein weiteres Mal Platz zwei in der WM, womit er alleiniger Rekord-Vizeweltmeister der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft wurde. Insgesamt landete er somit zwölfmal auf den ersten beiden Rängen der Gesamtwertung - das schaffte außer Rossi noch kein anderer Fahrer in der höchsten WM-Kategorie.

Ab 2017 ging es abwärts. In Assen gewann er zum bislang letzten Mal und holte damit seinen 115. Sieg in der Motorrad-WM. Die 122 Erfolge von Giacomo Agostini jagte er vergeblich. Vor allem in den Jahren 2020 und 2021 gingen die Ergebnisse auf Talfahrt, weshalb sich Rossi letztlich auch zum Rückzug nach 26 Jahren in der Motorrad-Weltmeistershcaft entschied.

Rekorde für die Ewigkeit

Mit 423 Starts, 235 Podestpätzen und 6.330 WM-Punkten liegt er in diesen Allzeit-Statistiken weit vor dem allen anderen Fahrern. Mit seinen 89 Erfolgen in der Königsklasse ist er ebenfalls Rekordhalter. Ein alles überstrahlender Name wie Valentino Rossi verschwindet aber auch nach der aktiven Karriere nicht aus dem MotoGP-Fahrerlager. Bereits vor vielen Jahren eröffnete er seine VR46 Riders Academy zur Förderung des italienischen Motorrad-Nachwuchs.

Bislang entsprangen diesem Projekt zwei Weltmeister der kleinen Klassen und drei aktuelle MotoGP-Fahrer. Ab 2022 tritt das VR46-Team in der MotoGP an - unter Sponsoring des saudischen Ölmultis Aramco und mit Motorrädern von Ducati. Rossi selbst meinte zuletzt, dass er gerne weiter Rennsport betreiben würde. Ein Engagement in den internationalen GT3-Klassen ist wahrscheinlich.


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