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MotoGP

Marc Marquez bleibt realistisch: Sachsenring nur ein Ausreißer

Marc Marquez ist zurück auf der Siegerspur. Sein MotoGP-Triumph am Sachsenring wurde aber von den Bedingungen begünstigt, wie er selbst weiß.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - 590 Tage nach seinem Sieg in Valencia 2019 konnte Marc Marquez am Sonntag wieder ein MotoGP-Rennen gewinnen. Am Sachsenring, seiner absoluten Lieblingsstrecke im Rennkalender, fuhr er den elften Sieg in Serie ein. Eine sensationelle Comeback-Story, die als Beweis für Marquez' unglaubliches Talent, seinen Eifer und seine mentale Stärke dient.

"Ich war und bin in einer wirklich harten Phase meiner Karriere. Dieser Sieg hilft uns dabei, weiterzumachen", jubelte Marquez nach dem Rennen und dachte sofort an die vielen Menschen, die ihn im schwierigen letzten Jahr unterstützt hatten. "Du kannst aus so einer Situation nicht alleine herauskommen. Du brauchst deine Crew, die Ärzte, deinen Physio, deinen Manager, deine Familie und deine Freunde. Sie alle haben mir geholfen. Heute ist es Zeit, unseren Erfolg zu genießen."

Schon in der Stunde des Erfolgs dämpfte Marquez aber wieder die Erwartungshaltungen für die verbleibende Saison: "Schon am nächsten Wochenende werden wir wieder mit der Realität konfrontiert sein. In Assen wird es schwierig für uns werden, überhaupt in Q2 zu kommen. Da werden wir ungefähr auf dem Niveau von Mugello oder Barcelona sein." Dort qualifizierte sich Marquez auf den Rängen elf und 13, in den Rennen kam er jeweils zu Sturz.

Tiefstapelei des Honda-Stars? Mitnichten. Denn tatsächlich lief an diesem Wochenende in Deutschland alles für Marquez und HRC. Das Layout am Sachsenring mit seinen zehn Links- und nur drei Rechtskurven sorgte dafür, dass die problematische rechte Schulter dieses Mal für keine Schwierigkeiten sorgte. Außerdem sind Linkskurven ja generell die Paradedisziplin Marquez'. Der Sachsenring spielt aber nicht nur ihm, sondern auch seiner Honda RC213V in die Karten. Denn die für MotoGP-Verhältnisse extrem verwinkelte Strecke kaschiert die Schwächen der Maschinen. Große Teile des Kurses werden mit Halbgas durchfahren, wodurch die ansonsten quälenden Grip-Probleme am Hinterrad kaum eine Rolle spielen. "Normalerweise ist es aktuell so, dass ich dem Motorrad nicht helfe und das Motorrad mir nicht hilft. Auf dieser Strecke waren die Schwächen des Bikes aber praktisch nicht existent", lobte Marquez nach dem Rennen.

Ein gewohntes Bild: Marquez siegt am Sachsenring - Foto: LAT Images

Diese Konstellation alleine hätte für den 'King of the Sachsenring' vielleicht immer noch nicht zum Sieg gereicht, denn Miguel Oliveira zeigte am Sonntag wieder einmal eine großartige Pace. "Er war heute schneller als ich", gestand Marquez später. Doch der spielte im Deutschland-Grand-Prix eine seiner altbekannten Stärken aus. Als in Runde acht Regen einsetzte, baute er in nur einem Umlauf seinen Vorsprung an der Spitze um exakt eine Sekunde auf 1,260 aus. In der nächsten Runde legte er noch einmal knapp eine halbe Sekunde drauf. Oliveira hing da noch hinter Aleix Espargaro und Jack Miller fest.

Marquez war die Flucht gelungen. Den mit viel Mut erkämpften Vorsprung verwaltete er über mehr als 20 Runden im Stil eines großen Champions. "Als ich die Tropfen gesehen habe, habe ich zu mir selbst gesagt: 'Heute ist dein Tag!' Ich habe voll gepusht und bin genau so weitergefahren, wie zuvor im Trockenen. Dieser Regen hat mir heute definitiv geholfen", gestand Marquez, der am Sonntag definitiv das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte.


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