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MotoGP

Erklärt: So schaffte es KTM zurück an die MotoGP-Spitze

KTM feierte nach einem schwierigen MotoGP-Saisonstart 2021 in Mugello eine sportliche Auferstehung. Wir erklären, wie das möglich war.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Mit großen Hoffnungen war KTM in die MotoGP-Saison 2021 gegangen. Immerhin hatte man im Vorjahr drei Rennen gewonnen, das letzte davon mit Miguel Oliveira in Portimao auf beeindruckende Art und Weise. Die Ernüchterung folgte für KTM aber auf den Fuß. Schon die Wintertests verliefen bescheiden, die ersten Grands Prix dann nicht besser. Eine gewohnt starke Regenvorstellung von Danilo Petrucci in Le Mans mit Rang fünf und ein weiterer fünfter Platz durch Brad Binder in Portimao waren die einzigen kleinen Lichtblicke. Ansonsten: Flaute.

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Am Sonntag in Mugello war KTM plötzlich der mannschaftlich stärkste Hersteller der MotoGP: Miguel Oliveira mit Rang zwei, Binder auf P5 und das Tech3-Duo Petrucci und Iker Lecuona mit den Positionen neun und elf sammelten 43 WM-Punkte und damit mehr als jede andere Marke im Italien-GP. Eine wahre Leistungsexplosion, die so kaum jemand erwartet hatte. Wie war sie möglich?

Der entscheidende Schritt in die korrekte Richtung war KTM bereits im Montagstest nach dem Spanien-GP in Jerez gelungen. Dort probierte man einen neuen Rahmen aus, der sofort gutes Feedback von den Fahrern erhielt. Die Idee war, den Rahmen bereits in Le Mans erstmals an einem Rennwochenende einzusetzen. Das wechselhafte Wetter in Frankreich machte direkte Vergleich zwischen altem und neuem Rahmen aber unmöglich und so verzichtete man völlig auf die Premiere.

Diese folgte nun in Mugello, wo bei Sonnenschein und gleichbleibenden Temperaturen ideale Bedingungen für Vergleichstests herrschten. Das Ergebnis war überwältigend. Schon am Freitag war im KTM-Lager klar, dass man fortan auf das neue Modell setzen würde. "Es ist ein größerer Schritt nach vorne, als wir gedacht haben", sagte Oliveira nach den ersten beiden Trainings, die er und Teamkollege Binder auf den Rängen sechs beziehungsweise fünf beendet hatten.

Ganz vorne dabei waren die KTMs da erstmals in dieser Saison auch in der Topspeed-Liste. Brad Binder stellte am Samstagmorgen mit 362,4 km/h sogar den Rekord von Johann Zarco aus Katar ein. Im Vorjahr war der Topspeed noch eine große Stärke der RC16, 2021 hatte man hier zunächst aber an Boden verloren. Die Gründe dafür lagen jedoch, wie man bei KTM stets beteuerte, nicht im Motorenbereich, sondern beim Chassis. Die Maschine zeigte sich am Kurvenausgang wenig wendig, Fahrer und Bike befanden sich eher im Kampf gegeneinander als in einer Symbiose miteinander. So lässt sich nur schwer eine ordentliche Höchstgeschwindigkeit auf der folgenden Gerade erreichen.

In Jerez kämpfte Binder noch mit seiner RC16 - Foto: LAT Images

Genau dieses Problem scheint man bei KTM nun aber mit dem neuen Rahmen gelöst zu haben. "Das Motorrad liegt am Kurvenausgang jetzt viel besser und wird sind wesentlich stabiler unterwegs", verriet Oliveira. Stallgefährte Binder stimmte zu: "Das Turning passiert nun viel natürlicher. Dadurch können wir den Kurvenausgang wesentlich besser vorbereiten."

Eine Veränderung, die sich vor allem im Grand Prix am Sonntag über eine volle Renndistanz so richtig auszahlte. "Wenn das Turning natürlicher abläuft, dann musst du nicht so lange auf der Kante des Reifens fahren und das wirkt sich klarerweise auf die Haltbarkeit aus", erklärte Binder nach seinem fünften Platz im Rennen, den er trotz eines schlechten Starts und einer Kollision mit Marc Marquez, nach der er eine volle Runde mit ausgelöstem Airbag fahren musste, erreichte. Zufrieden zeigte sich natürlich auch der zweitplatzierte Oliveira: "Unser Ziel mit diesem Chassis war es, am Kurvenausgang sanfter zu sein. Das war unser Fokus und genau das haben wir erreicht."


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