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MotoGP: Als Alberto Puig Stefan Bradl zum Rücktritt trieb

Honda-Testpilot Stefan Bradl kann auf eine erfolgreiche Rennkarriere zurückblicken. Im Alter von 17 Jahren hatte er diese aber eigentlich bereits beendet.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Sieben Grand-Prix-Siege, 19 Podiumsplatzierungen, acht Pole Positions und der Moto2-Weltmeistertitel 2011 - Stefan Bradls Karriere in der Motorrad-WM kann sich mehr als nur sehen lassen. Auch wenn er dort zuletzt 2016 als Stammfahrer im Einsatz war, ist Bradl nach wie vor fester Bestandteil der MotoGP. Als Testpilot für Honda wird er beim größten Motorradbauer der Welt seit Jahren geschätzt und überzeugte zuletzt auch als Ersatzmann für den verletzten Marc Marquez.

Was heute nicht mehr viele Fans wissen: 2007, im Alter von 17 Jahren, hatte Bradl bereits beschlossen seinen Helm an den Nagel zu hängen. Seine erste volle WM-Saison 2006 war für den Deutschen vorzeitig zu Ende gegangen. Alexis Masbou hatte ihn bei einem Startversuch in Sepang abgeschossen. Bradl brach sich das Schien- und Wadenbein, verpasste die letzten fünf Saisonrennen und flog aus dem KTM-Juniorteam in der 125ccm-Klasse.

Seine neue sportliche Heimat sollte die Nachwuchstruppe von Repsol Honda werden, geleitet damals vom heutigen MotoGP-Teamchef Alberto Puig. Doch Bradl fühlte sich unter der strengen Herrschaft von Puig überhaupt nicht wohl. "Ich habe mich wie in einem Militärcamp gefühlt", erinnerte sich Bradl zuletzt im ran-Racing-Podcast. "Alberto hat uns richtig gedrillt. Das hat mir gar nicht gefallen und ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Die Philosophie dort hat überhaupt nicht zu dem meinem Stil gepasst, wie ich Motorradrennsport leben wollte. Ich habe meinen Vater und meine Familie gebraucht, aber mein Papa durfte damals nicht einmal zu mir in die Box. Da hab ich gesagt: 'Ne Jungs, so nicht. Ich hau ab und such mir ein andere Hobby!'"

Bradl erklärte noch während der Saisonvorbereitung, am 14. Februar, seine Karriere für beendet. Später entschied er sich aber doch, seinen Traum nicht aufzugeben. Er dockte beim Blusens-Aprilia-Team an und bestritt dort zunächst Rennen in der spanischen 125ccm-Meisterschaft. Nach starken Leistungen erhielt er Wildcards für die WM-Läufe in Barcelona, Assen und am Sachsenring. Bradl holte die Ränge neun, zehn und 13. Die Belohnung: Ein Platz als Stammfahrer für die letzten sechs Saisonläufe an Stelle des Niederländers Hugo van den Berg. Schon im Jahr darauf gewann Bradl für Kiefer Racing seine ersten beiden WM-Rennen, der Rest ist Geschichte.

2008 durfte Bradl erstmals in der WM jubeln - Foto: Sutton

Stefan Bradl und Alberto Puig: Späte Versöhnung

2019 schloss sich der Kreis. Alberto Puig, nun Teammanager bei Honda in der MotoGP, holte Bradl als Testfahrer für die RC213V an Bord. Mittlerweile sind die Differenzen aus vergangenen Jahren vergessen. "Ich habe heute ein großartiges Verhältnis zu Alberto. Ich fühle mich bei Honda sehr wohl", so Bradl. "Wenn man Alberto nicht kennt, hat man wirklich Angst vor dem Typen, weil er immer so eine finstere Miene aufsetzt. Wenn du ihm einmal so blöd zurückredest, wie er dich anredet, dann hast du aber seinen Respekt. Den musst du natürlich auch immer wieder mit Leistungen bestätigen. Ich unterhalte mich mittlerweile mit ihm auf Augenhöhe."


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