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MotoGP - Ducati 2021: Das Ende der Technokratie?

Trotz großer Erfolge endete die MotoGP-Partnerschaft zwischen Ducati und Andrea Dovizioso im Streit. 2021 will man das Fahrer-Feedback mehr schätzen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - 14 MotoGP-Rennen gewann Andrea Dovizioso in den letzten fünf Saisons für Ducati, drei Mal in Serie wurde er auf der Desmosedici GP Vizeweltmeister. Und doch war im November 2020, als man nach acht gemeinsamen Jahren getrennte Wege ging, keine Wehmut zu spüren.

Dovizioso und die Ducati-Führungsebene rund um Gigi Dall'Igna sowie Firmenchef Claudio Domenicali hatten sich nichts mehr zu sagen. 'Dovi' fühlte sich in Borgo Panigale nicht wertgeschätzt, Ducati nehme sein Feedback als Fahrer nicht ernst und drehe sich deshalb seit Jahren im Kreis. Die Tatsache, dass mit Danilo Petrucci der zweite Ducati-Abgänger Doviziosos Standpunkt teilte, legt nahe, dass dem doch ein Fünkchen Wahrheit innewohnt.

Nun halten mit Jack Miller und Francesco Bagnaia zwei Fahrer im Werksteam Einzug, denen man durchaus auch einen starken Charakter attestieren kann. Vor allem Miller gilt als Mann der klaren Worte. Da darf man sich doch fragen, wie sich das mit dem technokratischen Ansatz Dall'Ignas, für den belegbare Daten stets über dem Gefühl des Fahrers stehen, vereinbaren lässt.

Ducatis Technikguru sieht hierin aber kein Problem. "Jack ist sicher ein starker Charakter, aber das ist auch wichtig, wenn man gute Resultate erreichen will. Wir kennen ihn schon sehr gut und er uns auch. Deshalb glaube ich, dass wir gut zusammenarbeiten werden. Gleiches gilt für Pecco: Auch er sagt stets, was er sich denkt. Nur so können wir das Motorrad weiterentwickeln. Ich freue mich, wenn mir ein Fahrer die Wahrheit sagt."

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Worte, die man so in der Vergangenheit aus dem bärtigen Mund des genialen Ingenieurs nie hörte. Erste Anzeichen eines Paradigmenwechsels oder doch nur leere Worthülsen, um beim großen Team-Launch für gute Stimmung zu sorgen und die involvierten Sponsoren zufriedenzustellen? Die Antwort werden wir frühestens im Laufe dieser Saison erhalten. Miller selbst weiß jedenfalls bereits, wie er sein Verhältnis mit den Ducati-Verantwortlichen anlegen wird: "Ich bin sicher kein Drill-Sergeant, der mit einer Liste in die Fabrik marschiert und den Leuten sagt, was sie zu tun haben. Ich arbeite bereits seit drei Jahren mit den Ducati-Ingenieuren und gemeinsam haben wir viel geschafft. Sie wissen schon, was sie zu tun haben."


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