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MotoGP: Ein Sonntag der Abschiede in Portimao

Von Andrea Dovizioso bis Valentino Rossi. Für viele MotoGP-Fahrer wird der Renn-Sonntag beim Portugal-GP ein einschneidendes Erlebnis.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der Sonntag des MotoGP-Saisonfinales in Portimao wird für einige Fahrer und Teams zum Tag des Abschieds. Wichtige Piloten der vergangenen Jahre nehmen ihren Hut oder wechseln nach großen Erfolgen ihren Arbeitgeber. Eine Übersicht, wer sich am Sonntag von wem verabschieden muss.

MotoGP-Abschied: Dovi, Crutchlow & Rabat

Drei Fahrer werden am Sonntag in Portimao ihr vorerst letztes MotoGP-Rennen bestreiten: Andrea Dovizioso, Cal Crutchlow und Tito Rabat. So ganz freiwillig verlässt aber keiner aus dem Trio die große MotoGP-Bühne.

Dovizioso, der am Sonntag seinen 229. Start in der Königsklasse absolvieren wird, nimmt sich offiziell nur eine Auszeit, nachdem er bereits im August die Gespräche mit Ducati einseitig aufkündigte. Dass sich im kommenden Jahr aber noch ein Team findet, dass den dann 35-jährigen Italiener für 2022 unter Vertrag nimmt, ist ungewiss.

Einen allzu herzlichen Abschied wird man dem dreifachen Vizeweltmeister bei Ducati wohl nicht machen, denn in den vergangenen Monaten wurde zwischen der langjährigen Speerspitze und der Teamführung viel Porzellan zerschlagen. Das ging zuletzt so weit, dass Dovizioso-Manager Simone Battistella öffentlich eine Klage gegen Ducati wegen deren Verzicht auf einen Protest gegen die Yamaha-Strafe im Ventil-Skandal verzichtet hatte.

Crutchlow bleibt der MotoGP-Familie immerhin als Testfahrer bei Yamaha erhalten, nachdem keine besseren Angebote eingetrudelt waren. Der wortgewaltige Brite bestreitet am Sonntag seinen 168. Einsatz in der Königsklasse und könnte in den kommenden Jahren noch den einen oder anderen Wildcard-Einsatz bestreiten. Mit ihm verlässt auch ein Stück Geschichte das Paddock, denn Crutchlow ist der bislang letzte Fahrer, der aus der Superbike-WM in die MotoGP kam und dort Rennen gewinnen konnte.

In den vergangenen sechs Jahren war Crutchlow im LCR-Team von Lucio Cecchinello unterwegs. Eine große Abschiedsfeier wird es dort allerdings nicht geben. "Wir wissen ja schon seit Monaten, dass wir uns trennen werden. Und ehrlich gesagt, bin ich froh, wenn ich jetzt bald nach Hause komme. Am Sonntag nach dem Rennen geht mein Flieger", so Crutchlow.

Den bittersten MotoGP-Abschied hat Tito Rabat hinter sich. Der Spanier verfügte zwar über einen gültigen Vertrag für 2021 mit dem Avintia-Team, wird dort auf Drängen von Ducati und der VR46 Academy aber durch Luca Marini ersetzt. Seit Wochen spricht Rabat aus diesem Grund nicht mehr mit den Medien. Seine sportliche Zukunft könnte in der Moto2 oder der Superbike-WM liegen. Das MotoGP-Abenteuer ist für den 31-Jährigen nach seinem 77. Start vorerst vorbei. Eine Party fällt aufgrund der Verwerfungen der vergangenen Monate wohl aus.

Wechsel nach vielen Jahren: Pol & Petrucci

Die Gallionsfigur des MotoGP-Projekts von KTM wird am Sonntag sein letztes Rennen für den österreichischen Hersteller bestreiten: Pol Espargaro. Seit dem ersten MotoGP-Einsatz von KTM mit an Bord, trägt der Katalane künftig die Farben von Repsol Honda an der Box neben Marc Marquez. Da KTM erst in der laufenden Saison der Durchbruch in der Königsklasse gelang und Espargaro 2020 sein erfolgreichstes Jahr hinter sich brachte, könnten am Sonntag einige Tränen in der Box fließen.

Auch für Danilo Petrucci geht eine Ära zu Ende: Seit 2015 war der Italiener in den Diensten von Ducati - zunächst vier Jahre bei Pramac und zuletzt zwei im Werksteam. Zwei Siege sowie acht weitere Podestplätze holte Petrucci für die Rote Rennfraktion. Zuletzt war sein Verhältnis zu seinem Arbeitgeber allerdings unterkühlt. 2021 dockt er bei KTM an, wo er im Tech3-Team an der Seite von Iker Lecuona starten wird.

Abschied vom Werksteam: Valentino Rossi

Valentino Rossi wird am Sonntag ebenfalls einen Einschnitt erleben. Der neunfache Weltmeister bestreitet sein letztes Rennen für das Werksteam von Yamaha, für das er ganze 15 seiner 21 MotoGP-Jahre unter Vertrag stand. Er bekommt im Petronas-Team zwar auch weiterhin volle Werksunterstützung, auf eine Handvoll Annehmlichkeiten eines Werksfahrers muss er künftig aber verzichten. Mit Rossi verabschiedet sich ein Großteil seiner langjährigen Crew aus der MotoGP, da er nicht alle zu seinem neuen Team mitnehmen durfte. Erfahrene Techniker haben bereits vor Wochen Stellengesuche über die sozialen Medien abgesetzt. Traurig für Rossi: Seinen Abschied aus dem Werksteam muss der Showman ohne Bad in der Fan-Menge begehen.

MotoGP-Aufstieg: Marini, Bastianini & Martin

Wo altgediente Fahrer das Feld räumen, dort rücken neue Talente nach. So auch in der Motorrad-WM wo Enea Bastianini, Luca Marini und Jorge Martin ihr vorerst letztes Rennen in der Moto2 bestreiten. Für Bastianini und Marini geht es dabei sogar um den ersten WM-Titel der Karriere. Das Moto2-Rennen startet am Sonntag um 13.20 Uhr unserer Zeit.


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