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MotoGP - Andrea Dovizioso: Rechtliche Schritte gegen Ducati?

Könnte Andrea Dovizioso zum Ende seiner Ehe mit Ducati noch gerichtlich gegen seinen Arbeitgeber vorgehen? Diese Gerüchte machen im MotoGP-Paddock die Runde
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Die Breaking News kurz vor Saison-Ende der MotoGP nehmen kein Ende. Nachdem Andrea Dovizioso vor dem zweiten Rennen in Valencia verkündete, dass er 2021 keine Aufgabe in der MotoGP übernehmen wird, könnte der Italiener jetzt jedoch gerichtlich gegen seinen Noch-Arbeitgeber vorgehen.

Wie die italienische 'Gazzetta dello Sport' am Freitag berichtete, überlegen Dovizioso und sein Manager Simone Battistella, gerichtlich gegen Ducati vorzugehen. Zurück geht diese drastische Überlegung auf die Disqualifikation von Yamaha vom Saisonbeginn. Der japanische Hersteller ersetzte Ventile in den Motoren von Werks- und Kundenteam beim ersten Saisonrennen in Jerez mit Modellen, die von einem anderen Hersteller produziert wurden, ohne die Änderungen mit der Team-Vereinigung MSMA abzusprechen.

Dafür wurde Yamaha am vergangenen Wochenende in Valencia Punkte in der Team- und Konstrukteurs-Wertung abgezogen, die Fahrer-Wertung blieb jedoch verschont, um den spannenden Titelfight zwischen Joan Mir und seinen Konkurrenten in den letzten zwei Rennen nicht zu gefährden. Unter den übrigen MotoGP-Herstellern kam es infolgedessen zu einer Art 'Gentlemen's Agreement', dass niemand eine Strafe in der Fahrer-Wertung fordern würde, solange Yamaha in der Team- und Konstrukteurs-Wertung bestraft würde.

Und genau da liegt für Dovizioso das Problem. Offenbar soll die Idee, Yamaha in der Fahrer-Wertung nicht zu belangen, von Ducati ausgegangen sein, ohne an ihren Piloten Dovizioso zu denken. Wären Fabio Quartararo, Maverick Vinales und Franco Morbidelli für ihren Einsatz mit einem nicht regelkonformen Motor in Jerez disqualifiziert worden, so hätte das nicht nur sportliche, sondern auch ökonomische Auswirkungen auf Dovizioso.

Quartararo würden in diesem Fall 25 Zähler in der WM fehlen, Vinales 20 und Morbidelli elf. Mit Quartararo und Vinales in Jerez aus dem Rennen, würde der Sieg, und damit 25 Punkte, zusätzlich auf Doviziosos Konto überschrieben werden. Damit wäre der Italiener in der aktuellen WM-Wertung auf P2, einen Punkt vor Suzuki-Pilot Alex Rins.

Hinzu kommen auch noch die ökonomischen Aspekte: Für einen Sieg in Jerez und auch für einen weiteren, möglichen Platz als WM-Zweiter würden Dovizioso Bonus-Zahlungen vom Team und Sponsoren zustehen. Eine Disqualifikation der Yamaha-Piloten würde für 'Dovi' also in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen haben.

Das Ende von Andrea Doviziosos Zeit bei Ducati wird immer düsterer - Foto: Ducati

Battistella: Situation wäre höchstpeinlich

"Sollte der Vorschlag, Yamaha in der Fahrer-Wertung nicht bestrafen, tatsächlich von Ducati ausgegangen sein, dann wäre das eine höchstpeinliche Situation", sagt Doviziosos Manager Battistella dazu. "Weder Andrea, noch ich wurden von diesem Vorschlag vor dem MSMA-Komitee informiert. Auch von der endgültigen Entscheidung spät am Abend haben wir nichts gehört. Da es nur eine Stunde Zeit gab, Einspruch gegen diese Entscheidung einzulegen, hat Andrea nicht die Möglichkeit gehabt, dagegen anzugehen. Die Auswirkungen sind groß, in sportlicher und ökonomischer Sicht."

Über die Möglichkeit eines gerichtlichen Weges äußert sich Battistella ebenfalls: "Wir versuchen gerade, herauszufinden, was wir in so einer Situation tun würden", sagt der Italiener. Offenbar sollen Fahrer und Manager bereits in Kontakt mit einem Anwalt stehen, um ein mögliches Vorgehen in diesem Fall zu besprechen.

Dovizioso: Mein Manger killt mich

Dovizioso selbst wollte sich am Freitag nicht zu dem angestrebten Verfahren äußern. "Das ist eine ziemlich heikle Situation. Wenn ich dazu irgendetwas sage, dann killt mich mein Manager", lacht der Italiener. Er wünsche sich allerdings mehr Aufklärung in dem Fall. Und damit steht er nicht alleine da, auch Markenkollege Jack Miller sprach mit Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta bereits darüber, den MotoGP-Piloten einen besseren Einblick in die Entscheidung der MSMA zu geben.

"Wir Fahrer treffen solche Entscheidungen ja nicht und sind dementsprechend bei diesen Meetings nicht dabei. Ich keine also keine Details, aber meiner Meinung nach ist diese ganze Sache sehr seltsam abgelaufen. Sehr, sehr seltsam", sagt Dovizioso dazu. "Im Moment verstehe ich die Situation nicht ganz, ich würde es aber gerne."

Auch darin ist er nicht der einzige, davon ist der Italiener überzeugt. "Ich denke, für uns alle ist die Lage sehr eigenartig", erklärt er und spricht dabei über sich und alle anderen MotoGP-Piloten. "Es hat zwar nicht jeder so deutlich gesagt, aber ich bin der Meinung, dass wir alle dasselbe denken. Wir wollen es verstehen, haben aber nicht genug Informationen. Wenn jemand mit illegalem Material unterwegs ist, dann muss er auch dafür bestraft werden."

Ducati wehrt sich gegen Vorwürfe

Doviziosos Noch-Arbeitgeber Ducati hingegen will von den Anschuldigen, man sei der Auslöser für die prekäre Situation, nichts wissen. "Ich wäre wirklich sehr überrascht, wenn Andrea und Battistella die Möglichkeit einer Klage in Betracht ziehen", sagt Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti, der bei dem MSMA-Meeting gemeinsam mit Technikchef Gigi Dall'Igna anwesend war. "Es war nicht Ducatis Idee, sondern ein Weg, eine einstimmige Entscheidung in einem Fall zu treffen, der schon lange anhielt."

Ciabatti weiter: "Die Hersteller haben die technischen Verantwortlichen darüber informiert, dass alle entscheidenden Personen bei dem Meeting anwesend waren und zumindest die Aberkennung von Yamahas Punkten in der Team- und Konstrukteurs-Wertung fordern. Das ist die Wahrheit."


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