MotoGP / Hintergrund

Marquez ist MotoGP-Champion: Macht er 2019 zur Rekord-Saison?

Marc Marquez dominierte 2019 die MotoGP wie selten zuvor. Werden die letzten vier Rennen nun zur ultimativen Rekordjagd?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez ist erneut MotoGP-Weltmeister. Im 15. der 19 Saisonrennen krönte sich der Spanier in Thailand zum sechsten Mal zum Champion der wichtigsten Motorrad-Rennserie der Welt.

Das Primärziel ist für den 26-jährigen Spanier erreicht. Auf die Pflicht folgt in den letzten vier MotoGP-Rennen die Kür und die steht für Marquez unter der Prämisse der Rekordjagd. Denn Allzeit-Bestmarken könnten im Saisonfinale ebenso fallen wie persönliche Rekorde. Ein Überblick:

Punkterekord & Schnitt pro Rennen

Allzeit-Rekord möglich: WM-Punkte in einer Saison
Persönlicher Rekord möglich: Punkteschnitt pro Rennen

383 - bei dieser Marke steht aktuell der Rekord für WM-Punkte in einer Saison, aufgestellt von Jorge Lorenzo im Jahr 2010. Mit nunmehr 325 Punkten bei noch 100 zu vergeben Zählern hält Marquez voll Kurs auf diesen Rekord. Allerdings hat er, wie MotoGP-Fans zurecht anmerken, ein Rennen mehr zur Verfügung als Lorenzo vor neun Jahren.

Sieht man sich den Wert der Punkte pro Rennen an, so liegt Marquez dennoch vor Lorenzo. Die Sache hat aber einen Haken: Lorenzo selbst hält mit seiner Rekord-Saison 2010 gar nicht den Bestwert für Punkte pro Rennen. Denn im Zeitraum seit Einführung des aktuell gültigen Punktesystems im Jahr 1993 kommt Mick Doohan auf die höchsten Werte.

Der Australier holte 1997 im Schnitt 22,67 Punkte pro Rennen und 1994 durchschnittlich 22,64 Punkte pro Grand Prix. Das entspricht 90,67 bzw. 90,57 Prozent des Punktemaximums. Lorenzo holte in seiner Rekord-Saison "nur" 21,28 Punkte pro Rennen (85,11% des Maximums) und selbst Valentino Rossi kam nie über einen Punkteschnitt von 22,32 Punkten (erzielt 2003) hinaus.

Doohans Rekord-Punkteschnitt ist für Marquez bereits uneinholbar. Selbst wenn er alle ausstehenden Rennen gewinnt, kommt er auf maximal 22,37 Punkte. Das wäre zwar ein Rekord seit Einführung der MotoGP-Klasse, an Doohans Werte käme er allerdings nicht heran. Immerhin: Seinen persönlichen Rekord aus 2014 dürfte Marquez knacken. Damals holte er pro Rennen durchschnittlich 20,11 Punkte.

Saisonsiege & Siegquote

Allzeit-Rekord möglich: Siege in einer Saison

Der Triumph in Thailand bedeutete Marquez' neunten Sieg in dieser Saison. Gewinnt er alle ausstehenden Rennen bis zum Ende des Jahres, würde er den Rekord von 13 Saisonsiegen egalisieren. Aufgestellt hat Marquez diese Bestmarke einst selbst, als er 2014 zunächst die ersten zehn, dann das zwölfte und die beiden letzten MotoGP-Rennen gewinnen konnte. Damals entsprach das einer Siegquote von 72,2 Prozent. Würde er auch in der laufenden Saison 13 Siege holen, würde das nur einer Quote von 68,4 Prozent entsprechen.

Damit läge er nicht nur hinter seiner eigenen Bestmarke, sondern auch hinter jener von Mick Doohan aus 1997 (80,0 Prozent) und hinter Rossis erfolgreichsten Jahren 2001 und 2002 (68,75 Prozent). Die Allzeitbestmarke dieser Kategorie wird wohl ohnehin nie eingestellt, denn Giacomo Agostini gelang es 1968, alle zehn Saisonrennen der 500cc-Kategorie zu gewinnen.

Podestplätze & Podest-Schnitt

Allzeit-Rekord möglich: Podien in einer Saison
Persönlicher Rekord möglich: Podestquote in einer Saison

In Thailand stand Marc Marquez zum 14. Mal in der laufenden Saison auf dem Podest. Der MotoGP-Rekord von 16 Podestplätzen ist somit bereits zum Greifen nahe und könnte im besten Fall sogar auf 18 erhöht werden. Den aktuellen Bestwert teilt sich Marquez mit Valentino Rossi, Casey Stoner und Jorge Lorenzo. Sollte er es in jedem der vier ausstehenden Rennen auf das Podest schaffen, würde ihm der Rekord alleine gehören.

Auch dieser Rekord hat allerdings einen Haken, denn mit 19 Rennen werden in der MotoGP 2019 mehr Läufe gefahren als je zuvor. Zu einem direkten Vergleich taugt die Podestquote daher mehr. Hier hält Marquez aktuell bei 93,3 Prozent und könnte maximal auf 94,7 Prozent kommen. Aufgrund des Ausfalls von Austin kann er daher nicht die Rekordquote von 100 Prozent knacken, die neben Agostini im perfekten Jahr 1968 auch Mick Doohan 1994 und Valentino Rossi in der Saison 2003 erreichen konnten.

Keine Zielankunft hinter P2

Es handelt sich bei dieser Statistik zwar um keinen offiziell von der MotoGP geführten Rekord, doch an dieser Stelle soll es nicht unerwähnt bleiben: 2019 belegte Marc Marquez bislang nie eine schlechtere Position als den zweiten Platz, insofern er ins Ziel kam. Bei einem Ausfall in Austin bedeutete das bislang neun Siege und fünf zweite Ränge.

Sollte er diese Serie in den letzten vier Rennen aufrecht erhalten, so findet er sich in einem elitären Klub wieder. Denn in der Post-Agostini-Ära schafften dieses Kunststück erst drei weitere Fahrer: 1985 kam Freddie Spencer bei jeder seiner zehn Zielankünfte auf den ersten beiden Rängen ins Ziel. 1997 und 1998 tat es ihm Mick Doohan gleich und 2012 schaffte auch Lorenzo dieses Kunststück.


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