MotoGP

MotoGP: Marc Marquez' desaströse Bilanz in der letzten Runde

15 Mal in seiner MotoGP-Karriere musste sich Marc Marquez in einem Showdown in der letzten Runde beweisen. Elf Mal zog er dabei den Kürzeren.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez' Laufbahn in der MotoGP steckt voller Rekorde und beeindruckender Statistiken. Kaum eine Bilanz des Spaniers flößt Beobachtern und Gegner nicht gleichermaßen Respekt ein. Eine Sache gibt es da aber, die wie ein schwarzer Fleck auf der sonst so weißen Erfolgsweste von Marquez klebt. Und der Fleck wird mit Fortdauer seiner Karriere immer größer anstatt kleiner.

Die Rede ist von Duellen in der letzten Runde. Bei seinen bislang 120 MotoGP-Starts fand sich Marquez 15 Mal im finalen Umlauf in einem Fight um den Sieg wieder. Von den 15 Showdowns konnte er gerade einmal vier gewinnen, in fast drei Viertel oder genauer gesagt 73,33 Prozent der Fälle unterlag er seinem jeweiligen Kontrahenten. Wir zeigen Marquez' Bilanz gegen jeden seiner Rivalen:

Marc Marquez 1:5 Andrea Dovizioso

Spielberg 2017 war der Auftakt zum Duell Marquez vs. Dovizioso - Foto: Ducati

Andrea Dovizioso ist der Endgegner für Marc Marquez - im wahrsten Sinne des Wortes. Seit dem Österreich-Grand-Prix 2017 trafen die beiden Stars in 37 Rennen nicht seltener als sechs Mal in der letzten Runde aufeinander, in ihrem Fall sogar jedes Mal in der allerletzten Kurve. Nur einmal, in Thailand 2018, behielt Marquez die Oberhand. In Österreich 2017 und 2019, in Katar 2018 und 2019 sowie in Japan 2017 war Dovizioso Chef im Ring. Vor wenigen Wochen in Spielberg gelang es Dovizioso auch erstmals, Marquez in der letzten Runde aus der Angreiferposition zu besiegen. Zuvor hatte er sich stets 'nur' erfolgreich verteidigt.

Marc Marquez 2:3 Jorge Lorenzo

Phillip Island 2015 war ein Rennen für die Geschichtsbücher - Sieger: Marquez - Foto: Bridgestone

Aktuell ist Jorge Lorenzo auf demselben Motorrad Marc Marquez hoffnungslos unterlegen. Als Lorenzo aber noch für Yamaha und Ducati MotoGP-Siege jagte, lieferten sich die beiden Landsmänner einige sehenswerte Duelle. Fünf Mal fiel die Entscheidung erst in der letzten Runde und auch Lorenzo kann hier eine positive Statistik vorweisen. Er schlug Marquez mit einem geschickten Manöver 2018 in Spielberg, beschleunigte den Repsol-Honda-Piloten 2016 in Mugello auf den letzten Metern aus und drückte sich 2013 in Silverstone mit voller Härte in der vorletzten Kurve an Marquez vorbei. Dem gegenüber stehen nur zwei Niederlagen Lorenzos. 2014 bremste ihn Marquez in Turn 1 von Mugello aus, 2015 schlug er ihn im legendären Rennen auf Phillip Island drei Kurven vor Schluss.

Marc Marquez 0:1 Valentino Rossi

In Assen 2015 tauschten Rossi und Marquez Lack aus - Foto: Repsol Honda

Marc Marquez gegen Valentino Rossi - das ist das emotionsgeladenste MotoGP-Duell der letzten Jahre. Der Sepang-Clash 2015 ist uns noch allen gut in Erinnerung. Zu ersten Reibereien kam es in diesem Jahr aber schon Monate zuvor, als Rossi Marquez in Argentinien schlug und als es in Assen zum ersten und bislang einzigen Mal zwischen den beiden Alphatieren zu einer Entscheidung in der letzten Runde kam. Rossi fuhr damals als Führender auf die Zielschikane zu, Marquez versuchte sich innen vorbeizubremsen. Dabei berührte er Rossis Yamaha, der dadurch einen Abschneider durch das Kiesbett nehmen musste und gewann. Rossi sah sich im Recht, da er vorne gelegen war. Marquez sah sich im Recht, da er auf der Innenbahn war. Den Sieg behielt Rossi, der Rest ist Geschichte.

Marc Marquez 1:1 Danilo Petrucci

Mugello 2019 brachte Petruccis späte Revanche gegen Marquez - Foto: Tobias Linke

In Silverstone 2015 und in Assen 2017 war Danilo Petrucci seinem ersten MotoGP-Sieg bereits sehr nahe gekommen, beide Male musste er sich aber Valentino Rossi knapp geschlagen geben. Im strömenden Regen von Misano schien es für Petrucci vor zwei Jahren endlich mit dem ersten Erfolg in der Königsklasse zu klappen. Er führte das Rennen bis zur letzten Runde an, doch dann ging Marquez in Kurve eins an ihm vorbei und schnappte ihn dem Sieg doch noch weg. Petrucci musste daraufhin weitere fast zwei Jahre warten, ehe ihm in Mugello 2019 die Revanche gelang. Er ging als Führender in die letzte Runde, musste auf der Start-Ziel-Geraden aber Marquez und auch Dovizioso vorbeilassen. In Kurve eins drückte er sich mit einem großartigen Manöver aber an beiden Fahrern innen vorbei und verteidigte die Führung bis zur Ziellinie. Damit holte Petrucci seinen ersten MotoGP-Sieg und stellte im Duell mit Marquez auf 1:1.

Marc Marquez 0:1 Alex Rins

13 Tausendstelsekunden trennten Rins und Marquez am Sonntag in Silverstone - Foto: LAT Images

Seit Sonntag ist auch Alex Rins Mitglied im Club der Marquez-Bezwinger. In Silverstone überzeugte er mit einer taktischen Meisterleistung. Er ließ Marquez das gesamte Rennen über die Vorfahrt, spähte dessen Stärken und Schwächen aus. In der letzten Runde nutzte er das bessere Turning seiner Suzuki und mehr Grip am Hinterrad, um in der allerletzten Kurve des Rennens eine engere Linie durchzuziehen und Marquez somit auf den letzten Metern noch um 0,013 Sekunden abzufangen.

Fazit

Marc Marquez' Bilanz in der letzten Runde ist alles andere als schmeichelhaft, vor allem für einen so überragenden Zweikämpfer für ihn. Freilich muss man aber auch erwähnen, dass wohl jeder andere Pilot mit Marquez' Material in vielen der genannten Rennen gar nicht bis zum Ende um den Sieg kämpfen hätte können, was seine Leistung wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Und mit wohl bald sechs MotoGP-Titeln in sieben Jahren Königsklasse hatte Marquez am Ende der Saison dann doch fast immer das bessere Ende für sich.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter