MotoGP

MotoGP: Marc Marquez zieht in der WM auf und davon

Der Massencrash von Barcelona nahm vorerst jegliche Spannung aus dem WM-Stand der MotoGP. Marc Marquez ist so stark wie zuletzt 2014.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Über den MotoGP-Crash von Jorge Lorenzo wurde in den vergangenen 24 Stunden viel diskutiert. Was außer Frage steht, ist der Umstand, dass die Massenkarambolage für die Spannung in der WM-Wertung ein herber Rückschlag war. Barcelona-Sieger Marc Marquez konnte seinen Vorsprung von 12 Punkten auf 37 Zähler ausbauen und damit verdreifachen. "Dieser große Fehler von ihm (Lorenzo) hat die WM gravierend verändert", ärgerte sich Andrea Dovizioso, trotz seiner Nullnummer weiterhin erster Verfolger von Marquez, am Sonntag nach dem Rennen.

Mit diesem Vorsprung wurde auch ein wichtiger Richtwert überschritten, denn nun kann sich der amtierende Champion bereits einen Ausfall leisten und wäre dann, selbst im Falle eines Sieges seines schärfsten Verfolgers, immer noch in der Weltmeisterschaft vorne. "Das wirklich Schlimme ist, dass Marc nun mehr als ein Rennen Vorsprung hat auf alle, denn jetzt muss er nicht mehr hundertprozentig pushen", analysierte Dovizioso. "Wir waren bis vor diesem Rennen dran, ihn ans Limit zu treiben und dann kann jeder einen Fehler machen."

Doch anstatt ihn in Fehler zu treiben, musste Dovizioso selbst die erste Nullnummer der Saison hinnehmen. "Genau so etwas können wir in der WM überhaupt nicht gebrauchen. Wir wissen wie stark Marc ist und heute hätten wir die Chance für einen offenen Fight gehabt. Er hatte gute Pace, aber wir hätten unsere Chance gehabt, denn ich bin gut gestartet", führte der MotoGP-Vizeweltmeister aus.

Wie stark ist Marc Marquez 2019?

Tatsächlich stand Marquez in seiner bisherigen Karriere nach den ersten sieben Saisonrennen nur ein einziges Mal mit einer höheren Ausbeute als 2019 da. Aktuell hält er bei 140 Zählern - nur 2014 hatte er mehr, als er die ersten sieben Rennen allesamt gewann und daher das Punktemaximum von 175 auf seinem Konto verbuchen konnte. 2014 war auch das einzige Jahr, in dem sein Vorsprung in der WM nach sieben Rennen größer war als in der laufenden Saison. Aktuell hat er ein Guthaben von 37 Punkten auf Andrea Dovizioso, vor fünf Jahren lag er zum gleichen Zeitpunkt 58 Punkte vor Valentino Rossi.

Bilanz von Marc Marquez nach sieben Saisonrennen:

Saison Siege - Podien WM-Punkte WM-Position Vorsprung/Rückstand
2019 4 - 6 140 1. +37 auf Dovizioso
2018 3 - 5 115 1. +27 auf Rossi
2017 1 - 3 88 3. -23 auf Vinales
2016 2 - 6 125 1. +10 auf Lorenzo
2015 1 - 2 69 5. -69 auf Rossi
2014 7 - 7 175 1. +58 auf Rossi
2013 1 - 6 113 3. -23 auf Pedrosa

2017, als Dovizioso das Titelrennen bis zum Finale offen halten konnte, hatte er nach sieben MotoGP-Rennen 16 Punkte mehr als Marquez auf dem Konto. Im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt allerdings 49 Zähler weniger. Dovizioso schreibt die WM - im Gegensatz zu einigen pessimistischen Fans - noch nicht ab: "Die WM ist noch nicht verloren. Wir sind stark und arbeiten weiterhin hart. Aber Marc hat einen großen Vorsprung und es wird nicht einfach, Punkte auf ihn aufzuholen. Unmöglich ist es aber nicht."

Bitter für die Konkurrenz: Im Rennkalender kommen nun Strecken, die Marquez absolut liegen. In Assen stand er zuletzt neunmal in Folge auf dem Podest, am Sachsenring feierte er sogar neun Siege in Folge. 2009 war das letzte Jahr, in dem Marc Marquez in Assen und am Sachsenring das Podest verpasste - damals fuhr er 125cc-WM auf KTM.

WM-Leader Marquez hält den Ball dennoch flach. "Ich weiß, dass die Weltmeisterschaft noch sehr lange dauert und wir müssen unsere Marschroute halten", sagte er nach seinem vierten Saisonsieg. "Es sieht aber sehr gut für uns aus, denn bis auf das Missgeschick in Austin bin ich in jedem Rennen Erster oder Zweiter geworden."


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